Archive for Mai 2008

Wie die Kürassiere bei Waterloo

31. Mai 2008

Die letzte Kavallerieattacke in einer Schlacht der Briten

On the instant all the sixteen troops swung
round and locked up into a long galloping line,
and the 21st Lancers were committed to their first 
charge in war.
 
Two hundred and fifty yards away the dark-blue men
were firing madly in a thin film of light-blue smoke.
Their bullets struck the hard gravel into the air,
and the troopers, to shield their faces from the
stinging dust, bowed their helmets forward, 
like the Cuirassiers at Waterloo.
The pace was fast and the distance short.
Yet, before it was half
covered, the whole aspect of the affair changed.
A deep crease in the ground – a dry watercourse,
a khor – appeared where all had seemed smooth,
level plain; and from it there sprang, with the
suddenness of a pantomime effect and a
high-pitched yell, a dense white mass of men
nearly as long as our front and about twelve deep.
A score of horsemen and a dozen bright flags rose
as if by magic from the earth. Eager warriors
sprang forward to anticipate the shock. The rest
stood firm to meet it.

Durch diese Linie hindurch

The Lancers acknowledged the apparition only by
an increase of pace.
Each man wanted sufficient momentum to drive
through such a solid line.
The flank troops, seeing that they overlapped,
curved inwards like the horns of a moon.
But the whole event was a matter of seconds.
The riflemen, firing bravely to the last, were
swept head over heels into the khor, and jumping
down with them, at full gallop and in the closest
order, the British squadrons struck the fierce
brigade with one loud furious shout. The collision
was prodigious. Nearly thirty Lancers, men and horses,
and at least two hundred Arabs were overthrown.

Wundersame zehn Sekunden

The shock was stunning to both sides, and for perhaps 
ten wonderful seconds no man heeded his enemy.
Terrified horses wedged in the crowd, bruised and shaken
men, sprawling in heaps, struggled, dazed and stupid,
to their feet, panted, and looked about them.
Several fallen Lancers had even time to re-mount.
Meanwhile the impetus of the cavalry carried them on.
As a rider tears through a bullfinch, the officers forced
their way through the press; and as an iron rake might be
drawn through a heap of shingle, so the regiment followed.
They shattered the Dervish array, and, their pace reduced
to a walk, scrambled out of the khor on the further side,
leaving a score of troopers behind them, and dragging on
with the charge more than a thousand Arabs. Then, and not
till then, the killing began; and thereafter each man saw
the world along his lance, under his guard, or through the
back-sight of his pistol; and each had his own strange
tale to tell.
Stubborn and unshaken infantry hardly ever meet stubborn
and unshaken cavalry. Either the infantry run away and are
cut down in flight, or they keep their heads and destroy
nearly all the horsemen by their musketry.
On this occasion two living walls had actually crashed
together.
The Dervishes fought manfully. They tried to hamstring
the horses, They fired their rifles, pressing the muzzles
into the very bodies of their opponents. They cut reins
and stirrup-leathers. They flung their throwing-spears
with great dexterity. They tried every device of cool,
determined men practised in war and familiar with cavalry;
and, besides, they swung sharp, heavy swords which bit deep.
The hand-to-hand fighting on the further side of the khor
lasted for perhaps one minute.

Pferde fassen wieder Tritt

Then the horses got into their stride again, the pace
increased, and the Lancers drew out from among their
antagonists.
Within two minutes of the collisionevery living man was
clear of the Dervish mass. All who had fallen werecut
at with swords till they stopped quivering, but no
artistic mutilations were attempted.

(Winston Churchill:The River WarGutenberg)

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Selbstverpflichtung

30. Mai 2008

Laut Tagesspiegel hat Lidl bei der Überwachung von Angestellten und Kunden an der Eingabe für Kartenzahlung gegen eine Selbstverpflichtung verstoßen.

Jetzt wird gefordert, die Industrie solle sich selbst verpflichten, nicht wie Telekom ihre Mitarbeiter zu überwachen. Traut man den bestehenden Gesetzen noch weniger als den Selbstverpflichtungen, die offensichtlich nicht eingehalten werden?

Kommunikation im Internet

29. Mai 2008

Einen interessanten Dialog finde ich in Michael Kratky’s Weblog. Er geht von der These aus, „dass die Wikipedia auch für die Wissenschaft, zum Beispiel als Ort der Selbstpräsentation, immer attraktiver wird. […]

Ein Extrembeispiel, das die eben aufgestellte These aber bestätigt, stellt der folgende, hier verkürzt und anonymisiert wiedergegebene Austausch zwischen einem Professor und einem 13-jährigen Schüler dar:

– Ist irgendwie zu hoch für mich, bedarf einer gründlichen Überarbeitung, ich verstehe nur Bahnhof!–18:00, 16. Feb.

– Kommt Ihnen die überarbeitete Fassung entgegen? –20:01, 17. Feb. 2007 (…)Gerade habe ich deine Selbstvorstellung gelesen: Schüler, 13 Jahre alt. Für dich ist dieser Artikel (leider) nicht geschrieben – obwohl ich mich freuen würde, wenn ich ihn so verständlich schreiben könnte, dass auch du ihn verstehst, und er dabei dennoch auch für Lehrer (und interessierte “Laien”) informativ wäre. Bleiben wir im Dialog? –20:04, 17. Feb.

– Ich sehe dass du dir sehr viel Mühe gegeben hast. Das ist ja erst die Rohfassung, vielleicht ändert sich in nächster Zeit ja noch etwas. Wikipedia ist ja für alle und es finden sich sicher noch welche, die mithelfen und vielleicht wird der Artikel dann auch so, dass ich ihn verstehe! ;-)–12:00, 18. Feb. (…)

– Ich habe den Artikel nochmals überarbeitet, vereinfacht, gekürzt. Ich habe dabei ziemlich stark an dich (…)gedacht und mich gefragt, was du jetzt verstehst und was nicht. Deine Skepsis war hilfreich für mich! Danke! (…)

Was verstehst du noch nicht? — 14:06, 19. Feb.

– Ähm, die Methodische Umsetzung und die Sieben Prinzipien! — 18:05, 19. Feb.

– “Sieben Prinzipien” sind jetzt zu drei “methodischen Aspekten” reduziert. (…) Was konkret ist an der “methodischen Umsetzung” nicht verständlich? –13:21, 25. Feb.

– Ich hab es jetzt noch einmal durchgelesen und verstanden! –14:05, 25. Feb.

– Ich verbuche das als Kompliment und bin entsprechend stolz. Danke für deine Hartnäckigkeit.– 13:56, 28. Feb.“

Natürlich ist das ein Extremfall; aber die Kommunikation zwischen Spezialisten und Laien ist bei Wikipedia durchaus an der Tagesordnung und führt laufend zur Verbesserung von Artikeln. Nicht zuletzt, weil nicht selten der Artikelschreiber der Laie ist.

Homosexualität und Wikipedia

29. Mai 2008

Laut FAZ vom 29.5. sind Dominique Fernandez (2007 aufgenommen) und Michel Serres (1990 aufgenommen) von manchen Mitgliedern der Académie francaise nicht gern in ihrem Kreis gesehen. Der erste wegen seines offenen Bekenntnisses zur Homosexualität, der zweite wegen seiner Wertschätzung der Wikipedia.

Man könnte eine Glosse dazu schreiben, die die Namen Oscar Wilde und Hans Bug sowie desssen „Narrenschiff“ enthalten müsste.

Spitzel-Affäre bei Telkom

28. Mai 2008

Mir war klar, dass der Datenschutz gegenüber Privatfirmen im Vergleich zum Datenschutz gegenüber Behörden minimal ist.

Dass Videoüberwachung aber nicht nur bei Lidl gang und gäbe war (und vermutlich bei Firmen, die deswegen noch nicht ins Gerede gekommen sind, häufig noch ist) und dass die Telekom ihre führenden Manager ausgehorcht hat, hat mich freilich dennoch verwundert. Ein Maulwurf der Telekom bei der Zeitschrift „Capital“ geht dann allerdings deutlich weiter, als ich es mir vorgestellt hätte.

(Am 29.5. kommen auf 2000 bezogene Vorwürfe der Financial Times Deutschland hinzu.)

Stasivorwürfe

28. Mai 2008

Die Stasivorwürfe gegen Gysi werden jetzt sehr massiv. Als Außenstehender frage ich mich, warum die Birthler-Behörde zu dem schon lange im Fokus des Interesse stehenden Falls wichtige Unterlagen erst jetzt entdeckt.

Kein Zickenkrieg

28. Mai 2008

Wenn Angela Merkel sich darüber mokiert, dass auch in der SPD Frauen gelegentlich mitreden dürfen, dann ist das kein Zickenkrieg gegen Andrea Nahles und Gesine Schwan, sondern eine Erinnerung an Beck, dass sie nicht gerade dadurch bekannt ist, dass sie pfälzische Spitzenpolitiker unter Artenschutz gestellt hätte.

Dass nach dem Ausgang der Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein beide „Volksparteien“ das Risiko baldiger Neuwahlen scheuen werden, nehme ich trotzdem an.

Allerdings hat Angela Merkel, die außenpolitisch so sehr auf Einvernehmen setzt (jetzt sogar auch wieder gegenüber China), bewiesen, dass sie gegenüber Leuten, die ihre Macht gefährden, durchaus nicht konfliktscheu ist.

Grundsatz

28. Mai 2008

„Unterscheide bei einem „Feind“ immer zwischen der Handlung, die die dir schadet, und der Person, von der sie ausgeht.“ Diesen Grundsatz des 14. Dalai Lama habe ich im Studentenmagazin backview kennengelernt.

Hedwig Dohm

28. Mai 2008

Hinter dem Namen Hedwig Dohm steckt eine Frau, deren Biographie und Werke so faszinierend sind, dass es viel zu schade ist, sie in der Senkung der Vergessenheit verschwinden zu lassen“, so meint das Studentenmagazin backview und ich gebe ihm Recht. Hedwig Dohm war nicht nur die Großmutter von Thomas Manns späterer Frau Katja Pringsheim, sondern sollte um ihrer selbst willen erinnert werden als „eine der ersten feministischen Theoretikerinnen, die geschlechtsspezifische Verhaltensweisen auf die kulturelle Prägung zurückführte statt auf biologische Determination“ (Wikipedia).

Terrorismus

28. Mai 2008

„Heute ist das Problem des Westens weniger, herauszufinden, welcher Terrorist in welchem Zelt, welcher Gasse, welcher fernen Stadt seine neue Bombe vorbereitet, um dann auf ihn Bomben regnen zu lassen. Das Problem des Westens ist mehr, die seelische Verfassung der Armen, Erniedrigten und stets im ‚Unrecht‘ stehenden Mehrheit zu verstehen, die nicht in der westlichen Welt lebt.“ Das sagte Orhan Pamuk schon 2001 und hat es in seinem Roman „Rot ist mein Name“ eindringlich gestaltet.

Wer sich darauf verließe, dass „ein Roman mehr Einfluss hat auf unsere Welt als 1000 Parlamentsreden“, hätte glauben können, damit hätte Pamuk etwas Wirksames gegen Bushs Kreuzzugsphantasien getan. Gegen die hätten freilich auch 2000 Reden nicht geholfen.

Pamuk selbst sieht seine Rolle auch weit skeptischer, wenn er sagt:

„Meine Aufgabe besteht nicht darin, den Europäern die Türken und den Türken die Europäer zu erklären, sondern gute Bücher zu schreiben.“ (Das Zitat verdanke ich sprechblase.)