Die Nummer

„Aber es hatte nichts mit Geld und Geiz zu tun, wenn die Überlebenden diese Nummern so selten entfernen ließen […] fast als sei es eine Verpflichtung den Toten gegenüber, nahm man die Auschwitznummer mit in die Nachkriegswelt […]. Es war Totenehrung und Lebensbejahung in einem.“ So verstand Ruth Klüger ihr Beibehalten der KZ-Nummer, die sie übrigens nicht auf sich bezogen und daher auch nicht wirklich gemerkt hatte, bis …

„Es war ein autoritärer Rauswurf, den ich der Nummer auf meinem Arm zu verdanken hatte, denn ohne diese wäre meine Vergangenheit nicht erkennbar gewesen.“ Dass sie so ihren Schein verlor, dass niemand ihr half,  das allein hätte die Reaktion, die dann folgte, nicht bewirkt. Es war ein Leben, in dem sie immer wieder zurückgewiesen, ihrer Meinung nach unfair behandelt, mit einem andern Maßstab gemessen wurde. Schließlich will sie die Nummer nicht mehr tragen.

„Die junge Ärztin hat gute Arbeit geleistet, und ich werde diese Spuren der Nazizeit nicht in den Sarg (vom Jenseits halte ich nicht viel) mitnehmen müssen.“

Die Entscheidung, nicht mehr in jedem Kontext Zeitzeugin der Shoa zu sein, weil es in unseren Gesellschaften eine zu extreme Aufgabe ist. Dafür aber schreibt sie ihre Lebenserinnerungen, in der die Nummer eine wichtige Rolle spielt.

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