Was wollen die Banken? Wie man aus der Finanzkrise nichts lernt (3)

Die Welt am Sonntag behauptet von den Banken, sie handelten gegenwärtig nach dem Grundsatz:

Nur kein Geld verleihen. Jeder Euro wird gehütet wie ein Goldschatz, …

Richtig ist, dass sie anderen Banken kein Geld mehr leihen wollen, weil sie denen nicht vertrauen und zwar völlig zu recht. Dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau Hunderte von Millionen an Lehmann Brothers überwiesen hat, als diese schon pleite war, wird zu recht kritisiert.
Aber dem zuverlässigen Kleinsparer gibt man gerne Kredit. Denn natürlich gehört es zum Geschäft der Banken, durch Verleihen von Geld Geld zu verdienen. Nur an solch unsichere Kantonisten wie Banken und von der Wirtschaftskrise bedrohte Großunternehmen – wie zum Beispiel General Motors, lange Zeit der größte Automobilbauer und zeitweise das größte Unternehmen der Welt – will man keinesfalls mehr Geld herausrücken.

Was die Banken sich wünschen, ist, dass möglichst bald alles wieder von vorn beginnt und nur nichts geändert wird. Dafür muss der Steuerzahler einige hundert Milliarden Euro bzw. Dollar bereitstellen, bis der kleine Mann keine Angst mehr vor den Banken hat und man wieder an ihm verdienen kann. Nur Regulierung darf nicht sein.

Das kann man dem Interview der Schülerinnen der 7. Klasse mit Josef Ackermann in der Welt am Sonntag entnehmen. Da sagt er nämlich:

Deshalb ist es so wichtig, dass der Staat jetzt den Banken Garantien anbietet, im Notfall für die Schulden einzustehen. Damit soll der Geldverkehr wieder in Gang gebracht werden. […]
Wenn der Staat jetzt schnell und entschlossen hilft, und das passiert ja auch, wird es hoffentlich bald wieder besser.

Was er sich von dieser Staatshilfe verspricht, ist auch klar:

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Position der Deutschen Bank nach dieser Krise stärker sein wird als vorher. Wir sind bisher besser als die meisten anderen Banken durch diese schwierige Zeit gekommen und wir sind auch für die Zukunft richtig aufgestellt.

Freilich, der kleine Mann wird noch einige Zeit zu bluten haben. Ackermann dazu:

Die Finanzkrise wird uns noch einige Zeit begleiten. Ich glaube, wir werden noch zwei, drei Jahre unter dieser Krise leiden.

In dieser Zeit will er von seinen 14 Millionen Euro Jahresgehalt auch armen Leuten helfen, nur will er es „nicht an die große Glocke hängen“.

Und ganz fest vertraut er darauf, dass Merkel („Wir haben ein Vertrauensverhältnis zueinander.“) den Banken aus der Krise hilft. Was sagt er dazu?

Als Chef eines Unternehmens muss man trotz aller Beratung mit Kolleginnen und Kollegen am Ende häufig allein entscheiden, und niemand kann einem die Verantwortung für diese Entscheidung abnehmen.

Frau Merkel, Herr Steinmeier und der Steuerzahler sollen dieser Niemand sein.
Damit das auch so funktioniert, hat uns die Welt am Sonntag geholfen, dass wir aus der Finanzkrise nichts lernen.

Ärgerlich wäre es freilich für ihn (und die WamS), wenn wir doch etwas daraus gelernt hätten und gar auch noch durch unser Wahlverhalten erkennen ließen.

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