Archive for Dezember 2008

Churchill

29. Dezember 2008

Der Sache nach war der Churchill der zwanziger Jahre ein Faschist; nur seine Nationalität verhinderte, daß er es auch dem Namen nach wurde.

(Sebastian Haffner)

Alex Rühle in der Süddeutschen Zeitung meint über Haffners Churchil-Buch, Haffners Bewunderung für Churchill bringe ihn dazu, dass er Churchill als „bulligen Einzelgänger in lustvoller Emphase feiert“. (SZ 28.12.2001)

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Abkehr vom System Bush – Hoffnung für die Welt?

28. Dezember 2008

Die große Mehrheit der Bevölkerung der USA wollte endlich ein Ende der Herrschaft der Neocons, die George W. Bush gesteuert haben. Das ermöglichte den Sieg eines Außenseiters.

Für mich ist das eine Parallele zum Aufstieg Gorbatschows ins Politbüro der KPdSU.

Ist mit all den damit verknüpften Erwartungen in den USA und im „Rest der Welt“ Barack Obama hoffnungslos überfordert?

Ein amerikanischer Traum, sein 1995 geschriebener autobiographischer Bericht, gibt mir die Hoffnung, dass er es nicht ist, sondern dass er tatsächlich die Chance hat, manchen überfälligen Wechsel zu unterstützen.

Die Kindheit auf Hawai und in Indonesien, das Aufwachsen mit der weißen amerikanischen Mutter, dem indonesischen Stiefvater und den weißen Großeltern und dass er den Dreams from my Father (wie der den Inhalt besser treffende Originaltitel lautet) nachstrebt, lassen Obamas Ziel Versöhnen statt Spalten glaubwürdiger erscheinen, als es meine bisherige Rezeption des Medienechos mir vermittelte.
Dreams from my Father scheint nämlich zwei Bedeutungen zu haben: Das Bild vom Vater, das sich der Junge gemacht hat, der seinen Vater erst im Alter von zehn Jahren wenige Tage kennen gelernt hat. Und die Träume des Vaters von individueller Freiheit mit Ausbildung in Harvard und schwarzen und weißen Frauen und Kindern auf mehreren Erdteilen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Verantwortung und Zuständigkeit für die afrikanische Großfamilie und zusätzlich auch der Traum, in Harvard Gelerntes in die Regierung Kenyattas einbringen zu können, obwohl er sich nicht der bedingungslosen Loyalität mit dessen Herrschaftssystem verschreiben wollte, das seinerseits von unbedingter Solidarität mit der Kiambu-Sippe eines anderen Stamm, den Kikuyu geprägt war (aus westlicher Sicht spricht man vom “Kiambu-Clan” oder stärker  von der „Kiambu-Mafia).
Nachdem Barack Obama in Chicago Stadtteilarbeit gemacht hat, fährt er nämlich nach Kenia und lernt dort seine Wurzeln und die Gründe kennen, weshalb die Träume seines Vaters diesen in die Irre geführt haben.
Das Buch macht seine Solidarität mit den Schwarzen in den USA wie mit den durch die Globalisierung Entwurzelten in der Dritten Welt glaubhaft.

Erdnussdiebe?

20. Dezember 2008

Nicht die Daten sind gefährdet, sondern nur die Christstollen, so die „Wende“ im Datenskandal.

Es waren keine hunderte von Millionen Mark, sondern nur „peanuts“, so Hilmar Kopper, damals Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank.

Die 50 Milliarden $, die ein Betrüger durch die Ausgabe von Fonds im Schneeballsystem ergaunerte, waren auch nur „Peanuts“, denn im Verhältnis zu den 2,8 Billionen $, die die Banken zu Spekulanten und Kreditbetrügern verschoben haben, sind 50 Milliarden ja lächerlich wenig.

Man fragt sich, welche weiteren Ungeheuerlichkeiten uns noch zugemutet werden, um zu rechtfertigen, dass man nichts zu lernen brauche.

Kritik am Agrosprit

19. Dezember 2008

„Mit mehr als 50 Prozent der Stimmen gewannen den Worst EU Lobbying Award die gemeinsam nominierten Agrosprit-Lobbyisten, das Malaysian Palm Oil Council, UNICA (eine Initiative brasilianischer Zuckerbarone) und der Energiekonzern Abengoa Bioenergy. Sie verwendeten irreführende Informationen und Greenwashing-Strategien, um Agrosprit (Treibstoffe aus Agrarprodukten) in den entscheidenden Debatten im Europäischen Parlament und Europäischen Rat als nachhaltige Alternative darzustellen.“

So berichten die Preisverleiher der EU Worst Lobbying Awards.

Wikipedia und Forschung

19. Dezember 2008

Das US-Wissenschaftsmagazin RNA Biology hat seine Autoren aufgefordert, Kurzfassungen ihrer Aufsätze in die Wikipedia einzustellen.
Interessant ist die Diskussion von Autoren dazu in Nature.
In der Tat, die Grenze zwischen „nur Publikation allgemein anerkannten Wissens“ und „Publikation aktueller Forschung“ wird hier nur formell eingehalten, insofern der Wikipediaartikel zunächst nur im Benutzernamensraum entsteht und erst nach Veröffentlichung des Artikels in den Artikelnamensraum verschoben wird.

Interessant ist an der Nature-Diskussion übrigens auch der folgende Beitrag :
„You scientists, I’m sure, will have a merry time on Wikipedia, so long as your scope of study remains restricted to things like nuclear RNAs found in nematodes. Because these subjects won’t capture the attention of the teenaged and still-in-college administrators who lord over content in more popular areas like music, video games, and politicians, you’ll imagine Wikipedia to be a delightful environment.“ (Gregory Kohs)
Kurz gesagt: Für Wissenschaftler wird es in der Wikipedia schön sein, so lange sie nur Artikel für wenig besuchte Seiten schreiben; denn dann werden die Teenager-Administratoren, die noch aufs College gehen und die über die populäreren Bereiche herrschen, nicht darauf aufmerksam.

Ein interessantes Feld. Übrigens könnte es ernsthaft gefährlich werden, wenn Wissenschaftler dereinst nur noch gelesen würden, wenn sie auf einer von „Volksadministratoren“  beherrschten Internetseite publizieren. Dann könnte eine gefährliche Verengung wissenschaftlicher Diskussion entstehen, so wie heute Forschung dadurch eingeengt wird, das als besonders wertvoll die Forschung gilt, die viele Drittmittel (finanzstarke Sponsoren) auf sich zieht.

Zettel, SMS und Twitter

12. Dezember 2008

Da Schüler ohnehin mehr und mehr an ADS leiden (oder durch das mediale Überangebot so überangeregt werden, dass sie in kontinuierlicher Arbeit an einem (!) Ziel immer weniger Sinn sehen), scheint mir gerade die Volatilität, die sich im Internet ergibt, ein ganz kritischer Aspekt bei der Einführung von Web 2.0 in die Schule.
Ob Schüler Zettel, SMS, StudiVZ oder Twitter verwenden, um sich während der doch so arg langweiligen Racine-Alexandriner etwas Unterhaltung zu gönnen, läuft nahezu auf dasselbe hinaus.
Der wichtige Unterschied ist aber: Beim Zettelverschicken haben Schüler noch das Gefühl, einer Anforderung auszuweichen. Beim Twittern könnten sie meinen, dem Lehrer mit seinem überholten Bildungsverständnis weit voraus zu sein.
Andere sehen Web 2.0 weit optimistischer.

Web 2.0

12. Dezember 2008

Basicthinking schreibt in seinem bekannten Blog über die gegenwärtige Situation in Web 2.0.
Dieser Text weist ihn als Medienwissenschaftler aus, der völlig anschaulich darzustellen weiß.

Vom Vogel Strauß zum schwarzen Schwan – Wie man sich erfolgreich weigert, aus der Finanzkrise zu lernen

10. Dezember 2008

Wir kennen das Prinzip „Vogel Strauß“, dass man den Kopf in den Sand steckt, wenn man Gefahren nicht sehen will. Was macht man aber, wenn bereits Kopf und Federn versengt sind, so dass alles sich blind stellen nichts hilft?
Auch für diesen Fall gibt es einen Ausweg.
Die Tatsache der Finanzkrise ist nicht zu leugnen. Inzwischen sind auch die Folgen für die Realwirtschaft nicht mehr abzustreiten. Aber man kann auch behaupten, für die Finanzkrise gebe es überhaupt keinen Grund, sondern sie sei nur durch einen dummen Zufall entstanden. Nassim N. Taleb hat in seinem Buch Der schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse allerlei angebliche Zufälle angeführt, so auch das Attentat auf das Welthandelszentrum vom 9.11. 2001, und die Welt am Sonntag findet prompt heraus, damit habe er auch die einzig mögliche Ursache der Finanzkrise gefunden. Selbstverständlich seien dauerhafte Renditen von 25% in der Finanzbranche ohne größeres Risiko möglich, selbstverständlich hätten die Immobilien in den USA ohne Probleme weiter im Preis steigen können. Nur eine unglückselige Verkettung von Zufällen habe dazu geführt, dass gegen jede Wahrscheinlichkeit der Immobilienmarkt zusammengebrochen sei.
Nachzulesen dies alles im Schwarzen Schwan.

Gefahren des Netzes

8. Dezember 2008

Was einmal ins Internet geraten ist, ist meist nicht mehr daraus zu entfernen. Wer mit welcher Absicht gehandelt hat, ist dabei egal.
Ärger hat jetzt ein Mitarbeiter von Obama mit Facebook bekommen, der Abgeordnete der Linken, Heilmann, kann seinerseits ein Lied davon singen, was sein Versuch, einen Wikipediainhalt unzugänglich zu machen, ihm gebracht hat.
Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung hört auf, wenn man von Personen beobachtet wird, die gerne Informationen ins Internet stellen.
Deshalb sind insbesondere Jugendliche vor sozialen Netzwerken im Internet wie studiVZ, Facebook, Twitter usw. zu warnen. Dabei ist bekannt, dass vor allem Personen unter 30 sie besonders intensiv nutzen.
Zu warnen sind sie aber nicht nur wegen des Schadens, den sie sich selbst – etwa im Fall einer späteren Bewerbung – zufügen können, sondern auch wegen der Gefahr, dass sie eine Grundrechtsverletzung begehen und es nicht wieder gut machen können, wenn sie merken, was sie angerichtet haben.
Hier eine Karte zur weltweiten Verbreitung von Internetnetzwerken.

Telefonterror gegen krebskranken Kunden

6. Dezember 2008

Über 760 Anrufe erhielt ein Krebskranker, weil er sein Konto bei der Halifax-Gruppe im Vorgriff auf seine Lebensversicherung um umgerechnet 900 Euro (die Bank spricht von 4 600) überzogen hatte.
Er ging damit an die Öffentlichkeit, weil er noch vor seinem Tod etwas dafür getan haben will, dass es anderen Todkranken nicht genauso ergehen wird.