Archive for Januar 2009

Wie erklärt sich das?

31. Januar 2009

Die Sonne stand im Süden. Ich ging auf der Straße und warf keinen Schatten nach Norden, sondern nur einen nach Süden. Keine Lichtquelle außer der Sonne war im Spiel.

Zusatz:

Das ist keine erdachte Situation, sondern mir selbst passiert. Ich selbst hätte, ohne es zu erleben, kaum erraten, dass es das gibt. Wie man sich denken kann ist eine Art Spiegelwirkung der Grund, aber kein Spiegel und keine Glasscheiben oder Entsprechendes waren im Spiel. Vielmehr war es eine weiß gestrichene Hauswand, die so viel Licht zurückwarf, dass ich einen deutlichen Schatten warf.

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Die Finanzkrise und der Staat

31. Januar 2009

Nach Friedhelm Hengsbach haben die Regierungen, nicht zuletzt das Kabinett Schöder in Deutschland mit ihrer Umverteilungspolitik zugunsten der Reichen wesentlich zur Finanzkrise beigetragen. „Geld wurde von unten nach oben verteilt. Von dort floss es auf die Finanzmärkte.“ (Hengsbach in Publik-Forum vom 30.1.2009)

Das Kabinett Schröder habe den rheinischen verständnisorientierten Kapitalismus abgebaut und den angelsächsischen Finanzstil gefördert mit der Deregulierung der Finanzmärkte, dadurch dass es die Gewinne aus dem Verkauf von Industriebeteiligungen durch Banken für steuerfrei erklärte und die Hedgefonds ins Land holte, die dann die Unternehmen zwangen, die Kredite aufzunehmen, die die Banken nur durch spekulative Geldvermehrung finanzieren konnten. Finanzinvestoren seien „steuerlich derart privilegiert [gewesen], dass ihre Gewinne praktisch steuerfrei waren“ (so Hengsbach). Schließlich habe auch die Hartz-IV-Politik die Finanzverteilung nach oben gefördert, die in die Finanzkrise führte.

Ich darf hinzufügen: Damals wurde der Binnenmarkt so geschwächt, dass er jetzt kein wirksames Gegengewicht gegen die Rezession bilden kann. Zumal dann nicht, wenn die grundgesetzwidrigen Hartz-IV-Regelungen für Kinder beibehalten werden. Ein wirksames Konjunkturprogramm müsste bei der Beseitigung von Kinderarmut und erhöhten Bildungsanstrengungen zur Einbeziehung der sozial benachteiligten PISA-Verlierer ansetzen. Aber die Basis für die nachhaltigen Anstrengungen, die die Regierung dafür unternehmen müsste, hat sie als Steuererleichterungen an die Unternehmen und Manager verschenkt, die sie zum Dank dafür in die schwerste Rezession seit 1929 geführt haben und sich dafür Boni in Milliardenhöher bewilligt haben.

Die Frauen haben wir nicht besiegt

31. Januar 2009

60% der Studenten im Iran sind Frauen, und viele von ihnen stehen dem Regime kritisch gegenüber.

Nach der Revolution hat beim Krieg zwischen Irak und Iran eine Mutter ihren Sohn den Revolutionsgarden verraten, der versucht hatte, sich durch Verstecken dem ungeheuren Blutopfer zu entziehen. Und sie hat angekündigt, sie werde es wieder tun.

Doch diese Herrschaft über die Köpfe der Frauen hat das Regime verloren. Präsident Rafsandschani stellte in einer Rede unzufrieden fest: „Wir haben alle besiegt, bis auf diese Frauen. Bleibt gefälligst zu Hause, gebt endlich Ruhe!“ Aber sie bleiben nicht zu Hause und sie geben trotz der Beibehaltung der Steinigung von Frauen nicht Ruhe.

Das berichtet der iranisch-deutsche Schriftsteller Said in der Frankfurter Rundschau vom 31.1.. Aber er hat auch zu berichten, dass politische Gegenkräfte, die am Anfang der Revolution dem Mullahregime noch widerstanden, wie die Basare, heute an wirtschaftlicher Bedeutung verloren haben. Fabriken mit über 1000 Beschäftigten gehören heute zu 51% dem Staat.

So ist eine Ende des Regimes nicht abzusehen. Und das – so Said – aufgrund des Verhaltens des Westens. Jürgen Habermas beklagte das Versagen der westlichen Aufklärung. Said verweist darauf, dass der Westen nationalistische säkularisierte Regime, die traditionellen Gegner der Religionsherrschaft, gestürzt habe: Saddam Hussein im Irak, Assad in Syrien.

Wie lehrt man?

29. Januar 2009

Platons Sokrates und Rousseau (in Emile) sind davon ausgegangen, dass man dem Lernenden die Möglichkeit eröffnen sollte, sich neues Wissen zu verschaffen (”Wissen kostruieren” würde J-P Martin es nennen).

Dafür muss insbesondere Platons fiktiver Sokrates immer wieder den Hochmut der Unwissenden überwinden, damit sie entdecken können, was es für sie zu lernen gibt.

Lehren bedeutet nicht, den Lernenden mit „Wissen“ zu bedienen, sondern ihm den Weg zu eröffnen, sich Wissen zu verschaffen.

Im Zusammenhang mit der Wikipedia bedeutet das für mich: Ich würde Lernenden nicht die Wikipedia empfehlen, denn Erleichterungen sprechen sich sowieso rasch herum. Aber ich würde jedem Lernenden empfehlen, für Wikipedia zu schreiben zu versuchen, denn dabei ist die Chance groß, dass er Wissenslücken entdeckt, bei sich und in der Wikipedia. Und dass er dann versucht, sie zu schließen. (Wenn er lernfähig bleibt, wird er ein Leben leben lang damit beschäftigt sein. Aber natürlich braucht es dafür nicht die Wikipedia.)

LdL-Community

27. Januar 2009

In Vorbereitung eines Tages zu Lernen und Lehren am 9.5.2009 in Ludwigsburg findet sich hier die LdL-Community von LdL-Experten und Interessierten zusammen.

Schüleranteil in Lernen durch Lehren

25. Januar 2009

Für die, die den Lehreranteil in der jetzt vorliegenden Dokumentation einer LdL-Stunde ungewöhnlich hoch fanden:

1. Die Schüler kennen das Konzept LdL erst seit knapp einem halben Jahr .

2. J-P Martin versucht gegenwärtig Missverstänsnisse auszuräumen, die bei der bisherigen Rezeption von LdL entstanden sind („die früheren filme haben mich gar nicht gezeigt. es haben nur die schüler unterrichtet“ Martin).

Was macht Martins Unterricht erfolgreich?

24. Januar 2009

Wenn man Lenas Darstellung vom LdL-Unterricht Jean-Pol Martins folgt, könnte man darauf schließen, dass interessante Themen, ein hervorragend motivierender Lehrer und höchst anspruchsvolle Hausaufgaben, die vom Lehrer sorgfältig korrigiert werden, der Grund sind.

Das was Lernen durch Lehren bietet, scheint vor allem Abwechslung und ein geringerer Druck durch Lehrerautorität zu sein.

In der Diskussion wäre noch herauszuarbeiten, weshalb LdL für den angestrebten Erfolg unverzichtbar ist und weshalb andererseits die anspruchsvollen Aufsätze als Hausaufgaben zu den LdL-Aufträgen hinzukommen.

Aber bisher wurden uns vom Besuch in Eichstätt ja auch nur Interviews und nicht der (viel aufwändiger zu schneidende) Unterricht vorgeführt.

Weiter zur Diskussion von Lernen durch Lehren

24. Januar 2009

Selbstverständlich werden, wenn man über etwas berichtet, nur Teile der Wirklichkeit wiedergegeben. Seine eigene Sicht der Wirklichkeit kann man sich erst bilden, wenn man sie sieht. Wer hätte daran gedacht, dass zur Methode von LdL auch gehört, dass der Lehrer die Schüler versehentlich unterbricht und sie dadurch bei ihrem Unterricht behindert, wie wir es von Lena erfahren?

Zwar ist es natürlich. Wenn jemand zu helfen versucht, wird er es auch mal zur Unzeit tun. Aber weder das Eingreifen in die Unterrichtsarbeit der Schüler noch die Fehler, die dabei passieren, sind spezifische Charakteristika von LdL. Zur LdL-Wirklichkeit gehören sie aber untrennbar dazu.

Dass auch Lena uns – trotz des Eingeständnisses, dass sie mit der Einbeziehung von Computer und Internet nicht ganz glücklich ist – nicht alles über ihre LdL-Wirklichkeit erzählt, ist klar. Dass eine einzelne Stunde gesehen zu haben, nicht ausreicht, alle Spezifika von LdL-Praxis kennenzulernen, dürfte auch klar sein.

Was muss man sich abverlangen?

22. Januar 2009

Proteste gegen Steuerleichterungen für Spritschlucker. Die Reform sei „nicht nur ein Förderprogramm für die falsche Produktpolitik der deutschen Autoindustrie, sondern auch für Großverdiener“, so Lutz Heilmann von der Linken im Bundestag.

Muss ich also auf die Straße, weil zum x. Male volks- und weltwirtschaftlich verderblicher Unsinn durch unsere Regierung unterstützt wird? Sollte ich mit Pudding oder Farbbeuteln werfen?

Reicht es aus, halbwegs folgenlos die Linke zu wählen?

Man weiß es nicht.

Doch stelle ich hiermit fest: Andrea Ypsilanti hat einen schweren politischen Fehler begangen, nämlich den, die Zusammenarbeit mit der Linken auszuschließen. Nur weil sie Journalisten einen Gefallen tun wollte? Weil sie darauf spekuliert hat, dass irgend jemand es einsieht, dass die hessischen Wähler, die die Linke wählen, selbst daran schuld sind, wenn Koch Ministerpräsident bleibt?

Schließlich hat Schröder auch nicht versprochen, dass die SPD nicht mit der CDU zusammen geht. Man hat es ihm – zu Unrecht – auch so geglaubt.

Gegen den Schaden, den die SPD an der Umwelt und am Wohl ihrer Wähler angerichtet hat (Mehrwertsteuer!), weil sie mit der CDU zusammen gegangen ist, kommt das, was die Linke in einer Koalition an Schaden hätte anrichten können, nicht an.

Ich halte es mit Helmut Schmidts Wort von 2001: Am Ende des Jahrzehnts wird man eine Zusammenarbeit mit der Linken nicht mehr ausschließen können.

Aber Ypsilanti und andere halten sich halt für klüger als Helmut Schmidt. Der war 2001 mit 83 Jahren ja schon hoffnungslos verkalkt.

Schon wieder nur Worte statt Farbbeutel.

Diktatur der Wirtschaft über die Politik

21. Januar 2009

„Die Ökonomie, Technik und Politik Rußlands in den dreißiger Jahren ist eine ferne Vergangenheit. Nicht vergangen ist die eherne Philosophie des Industrie-Staats: das Ersetzen alles dessen, was je „Bildung“ war, durch das nützliche Wissen.“ (Ludwig Marcuse: Mein 20. Jahrhundert, S.239)

Die ökonomische Einseitigkeit, das Opfern des Menschlichen auf dem Altar des wirtschaftlichen „Fortschritts“, die Tonnenideologie, Planübererfüllung um ihrer selbst willen. All das wurde im Stalinismus zunächst idealistisch, dann unter äußerstem Druck und unter Millionen von Opfern betrieben. Die Gemeinsamkeit zu den westlichen Industriegesellschaften 1960 zu sehen, erfordete damals viel Sensitivität, vielleicht auch etwas Verzeichnung. Heute ist die Formel „ökonomische Nützlichkeit geht von Selbstbestimmung und Freiheit“ in den westlichen Gesellschaften mit Händen zu greifen.