Archive for Februar 2009

Regulierungsinstrumente – woher sollen sie kommen?

25. Februar 2009

Jörg Huffschmid hat Recht damit, in der Frankfurter Rundschau vom 25.2. daran zu erinnern, dass Regulierungsinstrumente für die internationale Finanzwirtschaft nicht erfunden zu werden brauchen. Denn in Deutschland sind Hedgefonds erst seit 2004 duch das 4. Finanzmittelföderungsgesetz handelbar geworden und die staatliche Bankenaufsicht ist für die EU erst 2007 durch Basel II abgeschafft worden. Just zum Beginn der gegenwärtigen Finanzkrise. Kritische Stimmen haben schon damals nicht gefehlt.
Aber Huffschmid verweist auch auf ein anderes Problem. Die Privatisierung der Alterssicherung hat (wie Basel I und Basel II) zu einer enormen Erhöhung des anlagesuchenden Kapitals geführt, das auf Spekulation geradezu angewiesen ist, weil produktive Investitionsmöglichkeiten im Vergleich zur Kapitalmenge Mangelware geworden sind.
Natürlich hat das die Investition in Risikoinvestitionen und damit die rasche Verwirklichung von Ideen im Internet, in Bio- und Nanotechnologie gefördert. Aber eben auch die Verbreitung der Risiken für faule – neuerdings wissenschaftlicher klingend toxisch genannt – Kredite über die ganze Welt.
Wenn es den Staaten dieser Welt gelingt, damit fertig zu werden, dann muss das das letzte Mal gewesen sein, dass es erforderlich ist. Die Menschheit hat andere Probleme zu bewältigen als die, die nur durch staatlich begünstigete Zockerei auftreten konnten.

Geld für Twitter

24. Februar 2009

Zündende Ideen fürs Internet und Einfälle, wie man daraus Geld machen kann, brauchen nicht zusammen zu gehen. Der Microbloggingdienst Twitter hat zwar bei der US-Präsidentenwahl eine Rolle gespielt und nach Ansicht vieler auch einen gar nicht unbeträchtlichen Einfluss darauf gehabt. Er wird auch bereits von vielen Firmen für Werbezwecke genutzt. Nur, damit Geld zu verdienen, wie seine Gründer es sich nach dreijährigem Bestehen wünschen, das will noch nicht klappen.
Nachtrag vom 27.2.09: Weitere Informationen zu Twitter findet man über die hier angegebenen Twitterblogs.

Bedenkenswert

20. Februar 2009

Manager dürften Boni nicht für die Aktienkursentwicklung eines Jahres erhalten, sondern nur wenn ihre Unternehmensstrategie sich für einen längeren Zeitraum ausgezahlt hat. Diese Vorstellung wird inzwischen von allen Seiten geäußert, weil sie dem gesunden Menschenverstand entspricht. Manager haben seit langem andere Regelungen für sich eingeführt.
Damit Familienbetriebe nicht durch Erbschaftssteuerzahlungen in die Zahlungsunfähigkeit getrieben werden, sollte eine Regelung eingeführt werden, dass Erbschaftssteuer für Betriebsvermögen entfällt, wenn die Belegschaft in Höhe des Erbschaftssteuerbetrages am Unternehmen beteiligt wird. Diese Idee stammt von Oskar Lafontaine.
Um Al Quaida und Taliban finanziell auszutrocknen und die afghanischen Bauern von den Taliban unabhängig zu machen und zusätzlich, um den Weltdrogenkonsum herabzusetzen, wird vorgeschlagen, den Anbau von Schlafmohn in Afghanistan zu legalisieren und die Ernte den Bauern zu gegenwärtigen Preisen des illegalen Marktes abzukaufen. Die eingekaufte Ernte könnte dann für medizinische Zwecke bereitgestellt und der Überschuss – so wie es mit überschüssigen Agrarprodukten jahrzehntelang geschah – vernichtet werden. Dieser Vorschlag kommt aus Dritte-Welt-Gruppen, die sich speziell mit der Situation Afghanistans befassen. Ich habe ihn aus der Zeitung, kann mich aber nicht mehr an Ort und Zeit sowie an den Namen der Gruppen erinnern. – Zu bedenken: Afghanistan liefert an 100% des illegal produzierten Mohnes. Unter den Taliban war der Mohnanbau nahe Null gewesen.
Während der erste dieser drei Vorschläge inzwischen vermutlich von der Mehrheit der Bürger unterstützt würde, sieht es bei den beiden anderen sicher deutlich anders aus. Man sollte aber bedenken, welche Probleme mit den unkonventionellen Vorschlägen gelöst werden könnten.
Und man sollte bedenken, dass es bei uns in Deutschland gängige Praxis war, den Ankauf von Aktien zur Alterssicherung staatlich zu unterstützen und so die Finanzblase weiter aufzublähen und die Altersversorgung von Spekulation abhängig zu machen.
Verglichen mit diesem Irrsinn erscheinen auch die Vorschläge zwei und drei als seriös und wenig riskant. Wenn sie sich nicht bewähren sollten, ließe sich davon leicht einfacher Abschied nehmen als vom militärischen Engagement in Afghanistan und Irak.

Milliardensummen

15. Februar 2009

Ende 1984 schätzte der IWF, daß er etwa $ 22 Milliarden Dollar verliehen hatte, um die Anpassungsprobleme für 66 Länder zu finanzieren.

So berichtet uns Paul Kennedy (in Parlament der Menschheit, 2007, S.160). Und für 1992 weiß er von einem ‚riesigen Finanzpaket‘ von 24 Milliarden Dollar, das die beiden Weltbanken und die westlichen Regierungen gemeinsam für die kritische Aufbauphase der ehemaligen Sowjetunion aufbrachten, zu berichten.
Offenbar hat man damals „keine Opfer gescheut“, um den armen Ländern und den Opfern von 70 Jahren Sowjetdiktatur zu helfen.

Wenn heute die deutsche Regierung für ein einzelnes Unternehmen mehr als viermal so viel Milliarden bereitstellt als früher für 66 Länder aufgebracht wurden, so muss man bedenken …

Ja, das gibt wirklich zu denken.

Zum Glück heißt es bei demselben Paul Kennedy:

Eine Finanzkrise […] führte oft zu verbesserten Reaktionen und Instrumenten […] ermöglichte es, in Zukunft bessere und realistischere Maßnahmen zu befördern.

Das weckt Zukunftshoffnungen. Doch ist zu beachten: Oft war es so, längst nicht immer. Wir könnten also auch nach der kommenden Wirtschaftskrise weiter die alten Fehler machen, wenn wir nichts dazu lernen.

Doping am Arbeitsplatz

13. Februar 2009

Es ist bekannt, dass viele Schüler Medikamente einnehmen, um den Anforderungen der Schule genügen zu können. Am bekanntesten ist wohl Ritalin gegen das ADS-Syndrom, ein Syndrom, das nicht eindeutig zu diagnostizieren ist und immer häufiger festgestellt wird.

Jetzt besagt eine DRK-Studie, dass auch 20% der Arbeitnehmer, etwa 2 Millionen, sich mehr oder minder regelmäßig dopen, um dem Stress gewachsen zu sein.

Zynisch ließe sich sagen: Gut für die Arbeitsplätze in der Pharmaindustrie.

Realistischer allerdings ist sicher die Feststellung: Das ist kein Problem der Dopenden, sondern ein Problem der Gesellschaft.

Was tun wir?

Gegenwärtiger Stand 102 Milliarden

11. Februar 2009

Die Summe der Kapitalhilfen und der staatlichen Garantien für Hypo Real Estate beläuft sich inzwischen auf insgesamt 102 Milliarden Euro. Vermutlich haben deren Manager auch einklagbare Ansprüche auf Gehälter in Millionenhöhe.

Auch wenn es wohl nur ein Zwischenstand ist, das Überschreiten der 100 Milliardengrenze dünkt mir festhaltenswert.

Morgenlektüre

11. Februar 2009

Der Morgenzeitung entnehme ich, dass Mehrfacheinlader von Ausländern wegen Verdacht auf Visamissbrauchsbegünstigung polizeilich erfasst werden.

Außerdem, dass ein Mann, der wegen Verleumdung angeklagt ist, wegen mehrfacher parteipolitischer Aktivitäten zugunsten der SPD im Internet aufgefallen ist.

Obwohl ich hier nicht unter meinem bürgerlichen Namen schreibe, erkläre ich auch für mich als Staatsbürger, dass ich zu Mehrfacheinladern von Ausländern gehöre (meine ausländischen Kontakte begannen schon 1962 und wurden u.a. von so verdächtigen Organisationen wie Schulen angebahnt) und dass meine Äußerungen im Internet des öfteren als im Sinne der SPD-Parteipolitik interpretiert werden können.

Da ich technische Schwierigkeiten sehe, meinen Blog wie gewünscht bei der Nationalbibliothek einzureichen, bitte ich hiermit, die für die oben genannten Fahndungen zuständigen Polizeidienststellen um Amtshilfe und Weiterleitung meines Blogs.

Bloggen ist gefährlich

10. Februar 2009

Das hat gerade wieder ein deutsch-ägyptischer Blogger erfahren.

Um seine Solidarität zu beweisen, kann man eine Petition unterschreiben. Vor allem aber sollte man sich informieren und aufpassen, dass die Staatssicherheit nicht Überhand gewinnt gegenüber der Freiheit.

Wie der Lehrer bei Lernen durch Lehren lehrt

10. Februar 2009

Zu Recht wollen Leute, die sich in einen neues Arbeitsfeld einarbeiten wollen, nicht, dass jemand ihnen sagt: „Bringt euch das mal gegenseitig bei.“

Wozu hat man den Kenner der Materie, wenn er nicht aktiv wird?

Nur, wenn er seine Materien sehr gut kennt, kann er auch beurteilen, was davon einzelne (oder ein Team von zwei oder drei) sich selbst erarbeiten können und was nicht.
Dass der aber, wenn er LdL gelernt hat und es für die betreffende Lehraufgabe für die richtige Methode hält, besser über LdL lehren kann, muss man erst erfahren. Das lässt sich nicht erklären.
Wenn man Jean-Pol Martin aufmerksam liest, wird man feststellen, dass er, sobald er LdL nicht mehr plakatieren will, sondern versucht, es verständlich zu machen, immer weniger von den Schülern und immer mehr von seinen Aktivitäten spricht. Die Schüler sprechen übrigens auch weniger von ihren Aktivitäten, wenn sie LdL erklären wollen, als von denen des Lehrers.

Zu Recht sagt Martin, dass er nicht sagen kann, was er macht, sondern, dass man ihn dabei erleben muss. Zum Lernen braucht man den Experten. Aber der sollte beurteilen können, wann und wo die Eigeninitiative der „Schüler“ einsetzen kann.

Die übliche Erfahrung ist doch, dass nur die, die von der Sache nicht viel verstehen, die Verantwortung für das Lernen der Gruppe gerne abgeben.  Der Experte gibt die Verantwortung nicht ab. Nur wird er verhindern, dass ein Gruppenmitglied seine Verantwortung abgibt. Das zu verhindern, dafür scheint LdL recht geeignet.

C & A gegen Googles Werbekonzept

9. Februar 2009

Aus anderen Gründen als ich, äußert sich jetzt C & A gegen die Adsense-Werbung von Google. Die haben auch Juristen im Aufgebot.

Es wird interessant. Natürlich werden dadurch auch kostenlose Angebote im Internet gefährdet.