Denkmalschutz oder schleichende Enterbung?

Wer ein historisch wertvolles Gebäude besitzt, hat nach dem Grundsatz „Eigentum verpflichtet“ (Art. 14 (2) GG) auch die Aufgabe, es pfleglich zu behandeln. Also: keine Spielbank im Kölner Dom, keine fassadenfüllenden Werbeplakate an Notre Dame. (Letzteres ist für Umbauphasen schon aufgeweicht.)

Was für McDonalds in einer historischen Altstadt ohne weiteres einsichtig erscheint, wird schon problematischer bei einem altadeligen Schlossbesitzer, der sich als kleiner Angestellter durchschlägt und versuchen muss, die Renovierungskosten aufzubringen. Manches Schloss, manche Ritterburg ist so gewaltig, dass man jährlich Hunderttausende braucht, um sie zu erhalten. Kein Wunder, dass nicht wenige  Besitzer entnervt aufgeben und ihren Besitz an Hotelketten oder Banken verkaufen, weil diese das Geld haben, solche Gebäude zu unterhalten. (Zur Not schießt der Staat ein paar Milliarden zu.)

Selbst bei den Kirchen sehen wir schon Schwierigkeiten. Die katholische Kirche hat ein etwas besseres Polster als manche protestantische Landeskirche, aber auch dort muss immer häufiger über Umwidmung oder Abriss nachgedacht werden.

Wirklich problematisch wird es aber auf dem Lande, wo der eine ein historisch wertvolles Fachwerkgebäude erbt, der andere ein Haus aus den 70er Jahren. Beide, fleißig und handwerklich geschickt, aber auf dem Arbeitsmarkt nicht übermäßig erfolgreich, gehen daran, ihr Erbe zu sanieren und zu erhalten. Der eine kann es über Nachbarschaftshilfe von Freunden und mit Materialien aus dem Baumarkt schaffen. Der andere ist verpflichtet, altes Holz, historische oder doch zumindest historisierende Schindeln, Fenster usw. zu verwenden. Zur fachgerechten Verarbeitung gehören Spezialkenntnisse, die Nachbarschaftshilfe oder den kleinen Unternehmer von nebenan überfordern. Die Sanierung kostet doppelt, manchmal fünfmal so viel wie die eines Hauses aus den 70ern. Er erhält Zuschüsse, manchmal 5, manchmal 10 oder gar 20%. Angesichts der Kostenunterschiede ein Tropfen auf den heißen Stein.

Wie lange werden er und seine Familie das Haus halten können, wie lange dauert es, bis sie verkaufen müssen, was bekommen sie auf dem Lande dafür?

Ist das schleichende Enterbung?

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2 Antworten to “Denkmalschutz oder schleichende Enterbung?”

  1. Peter N. Says:

    Und wie könnte die Lösung für Betroffene aussehen? Höhere Förderungen oder laxere Vorschriften?

  2. apanat Says:

    Beides wäre denkbar. Was immer richtig ist, weiß ich nicht.

    Ich denke aber: Wenn etwas extrem wichtig ist, soll es erhalten werden, zur Not muss der Staat es kaufen und unterhalten oder die Erhaltungsinvestitionen selbst leisten und vom Eigentümer nur einen Beitrag im Sinne ortsüblicher Preise verlangen.

    Wenn etwas weniger wertvoll ist, sollte man sozial abgestufte Förderung leisten oder ganz auf Vorschriften verzichten. Dafür müsste es Regeln und andererseits auch Ermessensspielraum geben. Je weniger Geld ein Staat und/oder seine Staatsbürger haben, desto weniger Denkmalschutz kann er sich leisten. Bei ganz wichtigen Objekten müsste Europa oder die internationale Staatengemeinschaft helfen, falls das Geld fehlt.

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