Bundespräsident Köhler ist lernfähig

In seiner heutigen Berliner Rede hat Bundespräsident Horst Köhler zwar über zwei Drittel der Rede nur taktischen Fragen des Krisenmanagements gewidmet, aber dann ist er doch auf die großen strategischen Fragen eingegangen:
Ressourcen aufbrauchendes Wachstum löst keine Probleme, sondern es verschäft sie nur.
Die Gesellschaft muss es honorieren, wenn Menschen Menschen helfen. Es darf nicht sein, dass jemand, der nur getarntes Glücksspiel betreibt, hunderttausendmal besser bezahlt wird als jemand, der tröstet und Leben rettet.
Wir dürfen unseren Lebensraum nicht zerstören, wenn wir überleben wollen.
Andere haben zwar schon seit Jahrzehnten darauf hingewiesen. Aber Host Köhler hat am 15.3.2005 eine Rede gehalten, in der er folgende haarsträubende These aufgestellt hat:

Was der Schaffung und Sicherung wettbewerbsfähiger Arbeitsplätze dient, muss getan werden. Was dem entgegensteht, muss unterlassen werden. Was anderen Zielen dient, und seien sie noch so wünschenswert, ist nachrangig.

Bewahrung der Schöpung, Schutz der Menschenrechte, Trost und Hilfe für Notleidende und Sterbende. Alles galt ihm nichts im Vergleich zu renditeschaffenden Erfindungen zur verantwortungslosen Übertragung von Risiken auf andere.
Heute denkt er anders. Er ist lernfähig.

Doch mit dieser Feststellung werde ich ihm nicht gerecht. Ich berücksichtige nicht, wie viel es bedeutet, als bekannter Politiker in der gegenwärtigen Situation dazuzulernen.
Angela Merkel wusste schon lange, dass Umsteuern in Richtung von Nachhaltigkeit für die Menschheit überlebenswichtig ist, jetzt aber ist sie bereit, dieses Ziel beiseite zu lassen, um eine Rezession abzuschwächen, die nicht im entferntesten so katastrophale Folgen haben würde wie das dauerhafte Leugnen der Umweltfolgen menschlichen Handelns.

Deshalb danke ich dem Bundespräsidenten, dass er den Blick auch auf die Fragen richtet, die über das Überleben der Menschheit entscheiden werden.

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Eine Antwort to “Bundespräsident Köhler ist lernfähig”

  1. Horst Köhler « Apanat – Notizen zur Meinungsbildung Says:

    […] Einstellung und dem, was in der Politik geschah, nicht mehr ausgehalten. Sein Problem: er hat dazugelernt. Er trat an als wirtschaftspolitischer Hardliner, der glaubte, die Menschen nur noch von dem […]

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