Archive for April 2009

Üblicher Managerwahnsinn

27. April 2009

Porsche hat mehr Gewinn gemacht als Umsatz. Daraufhin hat das Unternehmen jetzt 9 Milliarden Euro Schulden. Die Fäden in der Hand hat der ehemalige Vorstandschef des übernommenen Unternehmens: Ferdinand Piëch.
Fiat will Opel übernehmen, garantiert den Erhalt aller Standorte. Vermutlich sollen die Gebäude stehen bleiben, weil es zu teuer käme, sie abzureißen. Forschung und Entwicklung dagegen würden sicher nach Italien verlagert.
Nach Milliardenverlusten seines Unternehmens, die mit dem Kauf der Postbank mühsam kaschiert wurden, hat Ackermann jetzt 1,2 Milliarden Euro Gewinn gemacht, solange die Anleihen den Kurs halten, und den Job als Vorstandsvorsitzenden um drei Jahre verlängert. Da es offenbar keine Alternative gab, wird er gute Boni herausgehandelt haben und im Zweifelsfall einklagen.
Aber da offenbar alles zum alten System zurückkehrt, kann er gewiss 25% Rendite erreichen.
Das Management von General Motors bittet um Verstaatlichung. (Schließlich gilt es zig Milliarden Verluste zu sozialisieren.)
Die Bayerische Landesbank wirft Angela Merkel Dramatisierung vor. Offenbar haben nicht die Bankenverluste, sondern Angela Merkel und ihre Helfershelfer die Weltrezession auf dem Gewissen?

Kurz erinnert: Manager 2007

22. April 2009

Sy Schlüter von der CAI Analyse und Beratungs GmbH, seit 1994 in Hedgefonds tätig, erläuterte am 31.3.2007 in der Jugendzeitschrift Fluter nur wenig verklausuliert, dass er als Hedgefondsmanager versuche, den Aktienkurs einer Firma, die in Schwierigkeiten sei, noch weiter zu drücken und dass er einer gesunden Firma so viel Kapital zu entziehen versuche wie nur irgend möglich, ohne sie direkt in den Ruin zu treiben. Dass „Anteile eines Mittelständlers mit geliehenem Geld gekauft“ und „die Schulden für das geliehene Geld dem Mittelständler aufgebürdet werden“, hielt er nämlich durchaus nicht für unmoralisch oder gefährlich. Kritisch wurde es für ihn erst, „wenn die Umsätze nicht mehr genügen, um die Schuldenlast zu bezahlen. Einst gesunde Unternehmen können dann pleitegehen.“ Doch dann fuhr er fort: „Aber ich glaube: Auch das wird langfristig der Markt regeln. Schließlich entsteht dort, wo ein Unternehmen pleitegeht, auch die Chance auf etwas Neues.“
Und dabei blieb er nicht stehen. Auch die Demokratie wollte er durch den allgewaltigen Markt und die segenbringende Börse ersetzt wissen: „Da jede Aktie eines Unternehmens eine Stimme hat, drücken sich in den Kursen immer die Entscheidungen der Mehrheit aus, der Aktienmarkt ist daher für mich Demokratie.“
Es ist also nicht so, dass unbekannt gewesen wäre, wer die Feinde unserer Demokratie waren. Sie wurden mit Millionensummen dafür bezahlt, dass sie Wirtschaftsunternehmen in den Konkurs trieben und dass sie unsere Demokratie unterhöhlten. Und sie haben es schon damals ganz offen zugegeben.

Was charakterisiert unser Land?

21. April 2009

Ein Lehrer an einer deutschen Auslandsschule in Budapest, regt an, dass Schüler mit Deutsch als Fremdsprache versuchen, eine zweite Strophe für die deutsche Nationalhymne zu schreiben. Aus den Ergebnissen werde man sehen können, wie Deutschland von außen gesehen wird.
Ein Anstoß für mich, darüber nachzudenken, was aus meiner Sicht unser Land charakterisiert. Dabei stieß ich auf eine Formulierung von mir aus dem Frühling 2007:

Gerechtigkeit, Verantwortungsgefühl, Mitgefühl, Werte, die unsere Gesellschaft einmal auszeichneten, versucht man uns systematisch als uncool auszureden und das seit 1989. Eine sehr bedauerliche Folge der deutschen Einigung.
Aber man hätte sonst ja auf den Gedanken kommen können „Unsere Brüder und Schwestern im Osten“ wären etwa gleichberechtigt.

Gerechtigkeit und Verantwortungsgefühl sind einem Teil der angeblichen „Elite“ in Deutschland bis Ende 2008 noch fremder geworden. Daher fiel mir als Text für eine zweite Strophe der Nationalhymne nur das Folgende ein:

Burka oder Kopftuch tragen
müssen Manager auch nicht,
wenn sie uns um Kopf und Kragen
brachten, weil auf Geld erpicht
sie zu sehr beim Zocken waren,
haben unser Geld verspielt,
|:aber weil sie Deutsche waren,
ihnen unsre Liebe gilt.:|

Dabei würde ich so gern positive Entwicklungen in Deutschalnd ansprechen:
– die Akzeptanz der Verantwortung für eine Zukunft in Kenntnis des Holocaust
– die Bereitschaft, an einem größer werdenden Europa mitzuarbeiten und sich darin einzufügen
– eine hie und da zu beobachtende Öffnung für die Probleme der Welt und eine Bereitschaft, Mitverantwortung für ihre Lösung zu übernehmen.
Aber es ist sehr schwer, dieses Positive in eine Liedstrophe zu fassen.

Konjunkturprogramme für Umweltschutz einsetzen!

21. April 2009

Nicht nur ich predige ständig die Notwendigkeit der Umstellung der Förderung von Arbeitsproduktivität auf Förderung von Ressourcenproduktivität.
Jetzt melden es auch viele Fachwissenschaftler im Zusammenhang mit den Konjunkturprogrammen an.

Realitätssinn

17. April 2009

Ich habe an diesem Tag ein für alle Mal gelernt, dass Verhältnisse von Menschen gemacht sind, dass man sie nie für unveränderbar halten sollte.

Das schreibt Andreas Dresen über sein Erleben des Mauerfalls vom 9.11.1989. (ZEIT vom 16.4.09, S.42)
Verfechter eines ungeregelten Weltfinanzmarktes haben uns jahrelang einzureden versucht, dass das nicht richtig sei, obwohl sie ja wussten, dass der ungeregelte Finanzmarkt Schritt für Schritt politisch hatte durchgesetzt werden müssen (bis zu Basel II).
Vor allem aber haben sie darauf vertraut, dass Bürger und Politiker der westlichen Demokratien sich nicht wehren würden, weil sie angesichts der Managerherrschaft eins nicht gelernt hatten, was Dresen auch am 9.11.89 lernte:

Und dass es sich immer lohnt, die Stimme zu erheben. Das galt damals, und das gilt heute.

Einige wenige wussten das schon vor dem 9.11.89, im Westen wie im Osten.
Die Finanzkrise und die kommende Rezession führen hoffentlich dazu, dass noch mehr Bürger es lernen und dass sie ihre Stimme auch für die notwendigen Maßnahmen gegen Klimawandel und für nachhaltige Ressourcennutzung einsetzen werden.

Zur Erklärung

16. April 2009

Jean-Pol Martin hat mich Kenner der Szene genannt und dabei offenbar Blogs, Wikipedia und Twitter gemeint.
Wenn man diesen Blog liest, könnte man meinen, er hätte damit völlig Unrecht. Zwar lobt er in der Tat, wie ein guter Lehrer es tun soll, so dass die Balken sich biegen; aber in der Tat bin ich in dieser „Szene“ unter einer ganzen Reihe von anderen Namen unterwegs und sammle da Erfahrungen, auf die ich hier nicht oder doch allenfalls selten eingehe.

Lesenswert zum Thema Schule und Lernen

16. April 2009

Wer etwas zur Innensicht von Schule erfahren will, findet in den 10 von Lehrerfreund herausgestellten Lehrerblogs viel Lesenswertes und manche interessante Diskussion.
Leider fehlen in dieser Aufstellung Schülerblogs. Deshalb verweise ich hier auf die Blogliste von Herrn Rau (Lehrerzimmer), wo 14 Schülerblogs angeführt sind, und weise auf meinen derzeitigen Lieblingsschülerblog hin: Klassenraum. Da Schüler zum Glück nicht Schüler bleiben, wird man diese Listen freilich immer wieder aktualisieren müssen.
Ich wünsche allen Schülerbloggern einen guten Schulabschluss und hoffe, gelegentlich auf den einen oder die andere wieder im Netz zu treffen. Da wird es dann neue Innensichten zu studieren geben.

Wie internationale Zusammenarbeit interner Demokratie helfen kann

11. April 2009

Das Sprengen des Asien-Gipfels (ASEAN) durch einige tausend Demonstranten zeigt, dass internationale Gipfel sen internen gesellschaftlichen Kräften eine verstärkte Einwirkungsmöglichkeit auf ihre Eliten verschaffen.

Ethik oder „Landesverteidigung“?

10. April 2009

Fredmund Malik, Gründer des Malik-Management-Zentrums in St. Gallen, hebt hervor: „Wirtschaftsethik ist gerade jetzt in der Krise wichtig. Innerhalb der Wirtschaftswissenschaften braucht es mehr kritische Positionen, sonst kommen wir nicht weiter. In den vergangenen Jahren wurde sehr viel Mainstreamökonomie nach amerikanischem Vorbild gelehrt. Jetzt sieht man, dass das ausnahmslos falsch war.“
Man könnte das für Selbstverständlichkeiten halten. Das sind diese Aussagen aber nicht. Brisant werden diese Aussagen angesichts einer Hetzjagd auf Ulrich Thielemann, Wirtschaftsethiker an der Universität St. Gallen, der im Finanzausschuss des deutschen Bundestages sagte:

Mein Eindruck ist, dass in der Schweiz – und das zeigen auch die gegenwärtigen Verwerfungen – keinerlei Unrechtsbewusstsein besteht. Offenkundig hat die Schweiz nur darum Zugeständnisse gemacht, weil der internationale Druck da war.

Man hat gefordert, Thielemann zu entlassen. So die schweizerische Wochenzeitung.
Deutlicher kann man es nicht machen, dass es an Unrechtsbewusstsein mangelt.

Twitterer

10. April 2009

Unter den deutschen Twitterern ist laut Umfrage die Mehrzahl männlich, zwei Drittel haben einen eigenen Blog, 50% sind aus der Medien- oder Marketingbranche und ein Viertel ist – laut Angabe – Führungskraft oder Unternehmer. Nur 83% von ihnen bloggen hauptsächlich in ihrer Muttersprache.