Doping für Arbeitswelt und Rendite

»Ritalin ist die Droge für die Pflichterfüller-Generation.« Es ist etwas Wahres daran: In den Siebzigern nahm man LSD, um dem Muff der Nachkriegszeit zu entkommen. In den Achtzigern nahm man Kokain, um sich trotz Pershing-II-Raketen gut zu fühlen. In den Neunzigern nahm man freitags Ecstasy-Pillen, um bis montags zu tanzen. Es waren Spaßdrogen, mit denen die Jugend gegen die Erwartungen der Gesellschaft rebellierte. Heute nehmen Studenten Ritalin, weil es ihnen hilft, sich den Erwartungen der Gesellschaft anzupassen. Sie sind die erste Generation, die eine Vernunftdroge konsumiert. Eine traurige Droge, ein Armutszeugnis.

So schreibt ein anonymer Philosophiestudent, der Ritalin im Selbstversuch nahm, am 18.2.09 in der ZEIT.
Es ist aber eine Droge, die mehr und mehr Schulkinder nehmen, um dem ADS-Syndrom zu entkommen, an manchen Schweizer Schulen sieht man Ritalin durchaus recht positiv. In der Tat sind viele Schüler so leicht ablenkbar, dass man sich kaum vorstellen kann, wie sie den erhöhten Anforderungen, die G8 mit Sprach- und Mathematikunterricht in der 8. und 9. Stunde mit sich bringt, gewachsen sein sollen. Und die Wirtschaft braucht immer qualifiziertere Arbeitskräfte. Schließlich dopen auch viele Manager und auch kleine Angestellte, um dem Druck am Arbeitsplatz standzuhalten.

Freilich, eine Droge ist es, und immer wieder einmal kommt es nach Ritalineinnahme zu Todesfällen.

Um 1969 beobachtete man in den USA, Anfang der 70er Jahre dann auch in Deutschland das Phänomen, dass die von Keynes empfohlene Wirtschaftssteuerung durch Deficit spending nicht mehr recht funktionierte. Trotz hoher Investitionen des Staates gelang die Ankurbelung der Wirtschaft nicht mehr wie beabsichtigt. Man erfand für die neue Kombination von Inflation trotz fehlendem Wachstum das Kunstwort Stagflation.
Dann kam die angebotsorientierte Wirtschaftssteuerung mit immer weiter um sich greifender Deregulierung auch für Geldinstitute. Endlich konnten die Banken in Eigenständigkeit neues Geld schaffen und zugleich die neuen Finanzprodukte, die das zusätzlich geschaffene Geld aufzusaugen imstande waren und so gewaltige zusätzliche Umsätze und Gewinnmöglichkeiten schufen und dennoch Inflation verhinderten (Basel II).
Inzwischen hat die Finanzkrise Katerstimmung verbreitet und zur stärksten Rezession in der produzierenden Wirtschaft seit Jahren geführt und das trotz einmalig hoher Staatshilfen und -garantien und noch ehe die faulen Wertpapiere überhaupt schon alle erkannt und ausgeschieden wären.
Es schien so ein schönes Mittel zu sein, jetzt leidet die Weltwirtschaft unter Entzugserscheinungen.

Fortwährendes Wachstum führt in die ökologische Katastrophe. Warum sollten wir die Wirtschaft dopen, damit sie künstlich noch schneller Ressourcen, Energie und unsere Lebensumwelt verbraucht?

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