Archive for Oktober 2009

Greenspan fordert Zerschlagung der amerikanischen Großbanken

29. Oktober 2009

Mit geballter Lobbymacht kämpfen die US-Banken gegen das Gesetz, durch das Obama sie kontrollieren will. Einzelne Kongressabgeordnete erhalten schon einmal 300 000 $, damit sie richtig stimmen.
Den Banken geht es darum, dass das Risiko für faule Kredite auch weiterhin wie in dieser Finanzkrise vom Steuerzahler getragen werden soll, damit die moralische Versuchung (moral hazard), unseriöse Kredite auszugeben, erhalten bleibt. Alan Greenspan, der ehemalige Chef der US-Zentralbank, forderte deshalb, die Banken, die so systemrelevant seien, dass der Staat sie im Krisenfall retten müsse, zu zerschlagen.
Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman (Die neue Weltwirtschaftskrise, S.79) verweist darauf, dass die letzten Finanzkrisen, angefangen mit der japanischen Immobilienkrise, dadurch entstanden seien, dass die Banken sich darauf verlassen hätten, dass letztlich der Staat das Risiko trägt.

Erst Norwegen, dann Deutschland, dann EKD

28. Oktober 2009

Die Evangelische Kirche in Deutschland zieht nach. Erstmalig steht eine Frau an ihrer Spitze. Ich gestehe, dass mir Margot Käßmann sympathischer ist als Angela Merkel. Beide sind um ihren Job nicht zu beneiden. Margot Käßmann, weil sie nicht nur in der orthodoxen Kirche mit Patriarchen zu tun haben wird, die mit einer Frau in einem kirchlichen Spitzenamt ihre Schwierigkeiten haben werden. Angela Merkel, weil sie beharrlich so tun muss, als ob es ihr recht wäre, dass sie aberwitzige Steuersenkungen für die FDP-Klientel gegen die Landesfürsten der christlichen Union und entgegen ihrer eigenen Einsicht zu verteidigen hat.
Zum Glück hat sie ja Schäuble, der seinen eigenen Umgang mit Geld hat, nicht nur mit den berüchtigten 100 000 DM.

Schwarz-gelb und Banken

27. Oktober 2009

Am 5. März dieses Jahres habe ich geschrieben:

Hätten die Banken nicht so erfolgreich nationale und internationale Regulierungsmechanismen ausschalten können, hätten sie noch Jahrzehnte weiter ihre Bonzen mit Superboni versorgen können.

Jetzt sieht alles danach aus, als ließe die neue Regierung die Banken wieder weitermachen wie vor der Krise, und außerdem gibt es auf Kosten der Steuerzahler Steuererleichterungen für Besserverdienenden und die Unternehmen.

Unverständliche Werbung

16. Oktober 2009

Mir ist ja auch unverständlich, wie Werbung funktioniert. Schließlich sehe ich keine Werbepausen und nehme ich Werbebanner vornehmlich als Provokation wahr.
Meine Umgebung macht mich aber im Laufe der Jahre mit den berühmtesten Werbefilmen und Werbesprüchen vertraut.
Dabei habe ich in Zeiten von „Ja, der Lindes, Lindes, Lindes, ja der schmeckt“ und „Aus gutem Grund ist Juno rund“ auch oft genug das HB-Männchen in die Luft gehen sehen und „Warum gleich in die Luft gehen“ gehört.
Zum Raucher bin ich nicht geworden, und trotz „Alle redem vom Wetter, wir nicht“ weder Bahnfahrer noch Marxist geblieben. So viel für beides spricht. Auch weiß ich nicht, welche Firma mit dem schönen englischen Werbefilm warb, wo sich ein Mann durch endlose Gänge kämpfte, schließlich auf ein altertümliches spinnwebenumwobenes Telefon zuging und dann sagte „Falsch verbunden!“. Der Film war schön, bevor ich den Untertitel „Beschwerdeabteilung von …“ gelesen hatte.
Jugendliche haben mir erklärt, ohne Werbung sei man nicht genügend über die Produkte, die man braucht, informiert. Für mich ist es die Einrichtung, die Suchmaschinen und Blogs finanziert und damit das Internet so billig macht, obwohl es doch eigentlich die Einrichtung ist, die uns, den „kleinen Mann“, in die Finanzkrise gezogen hat, längst bevor wir als Steuerzahler auch noch ganz offiziell die Rekordboni der Bankmanager von 2009 (!) zahlen, den Steuerzahler Obama eingeschlossen, obwohl der mit dem Spruch „Yes, we can!“ eigentlich etwas anderes meinte. Und doch ist so der schlagende Beweis gelungen, dass Renten und Arbeitslosengeld in vor-Hartz-IV-Höhe sehr wohl zahlbar wären, nämlich mit Hilfe der Inflation, die schon so oft Staatsschulden abgebaut hat.
Aber jetzt muss ich doch noch den Link loswerden, für den ich meinen Eintrag begonnen habe. Briten verstehen „Vorsprung durch Technik“ nicht und Deutsche nicht „come in and find out“. Werbewirksam sind die Sprüche aber trotzdem. Wieso trotzdem? Gab es eckige Zigaretten, die Juno Konkurrenz gemacht hätten?

Wahl in der Krise 3

9. Oktober 2009

Das Komitée für die Benennung des Friedensnobelpreisträgers hat sich für Barack Obama entschieden.
Die Entscheidung kommt überraschend. Denn noch hat er die Hoffnungen nicht erfüllen können, die die Welt in ihn setzt. Aber es ist eine Wahl in der Krise. Wie Willy Brandt, als er den Friedensnobelpreis erhielt, erlebt Obama kräftigen Widerstand. Anhänger sind von ihm enttäuscht, Gegner sehen ihre Chance.
Das Nobelpreiskomitée mag fürchten, dass es mit seiner Ehrung für seine ungeheure Kraftanstrengung zu spät kommen könnte, wenn es nicht das Seine dazu tut, ihm jetzt den Rücken zu stärken. Dass seine Politik nobelpreiswürdig ist, steht für mich außer Frage. Ob er genügend von seinen Zielen durchsetzt, um als „großer Präsident“ in die Geschichte einzugehen, ist noch offen. Wenn es ihm nicht gelingen, wird es aber an den Widerständen gelegen haben, nicht an der Zielsetzung.

Wahl in der Krise 2

8. Oktober 2009

Im Netz findet sich ein weiterer Aufsatz zur Frage der ZEIT nach der Wahl in der Krise. Der Verfasser fordert ein Umdenken von der Wachtstums- auf die Überlebensgesellschaft.

Mein Kommentar dazu: In Griechenland sind in der Zeit der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg 350 000 Menschen verhungert.
Die Nationalsozialisten hatten eine Wahl: Faire Behandlung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten oder Förderung des Krieges und sicherstellen, dass die deutsche Bevölkerung von dem Krieg so wenig materielle Nachteile hat wie möglich. Sie hat sich gegen die faire Behandlung entschieden.
Die Aussage, wir haben die Wahl zwischen Wachstums- und Überlebensgesellschaft, klingt mir zu pathetisch. Die Reichen in unserer Gesellschaft werden noch einige Zeit eine steigende Lebenserwartung haben.
Wir haben die Wahl zwischen einer „Weltordnung“, in der es fair zugeht, in der also angestrebt wird, dass die Ressourcen nicht für einen kleinen Teil der Menschheit verbraucht werden, und einer, wo sie nur wenigen zugute kommen.
In dieser Frage hat sich Obama entschieden. Vorläufig sieht es freilich so aus, dass er seine Entscheidung in den USA kaum wird durchsetzen können.
In Deutschland sieht es nach der Bundestagswahl nicht besser aus.

Deutsche 1943 – 1944 in Griechenland

7. Oktober 2009

Am 25.8.1944 gab Hitler den Befehl an die deutsche Wehrmacht, Griechenland zu räumen. Aber noch im August liefen Dutzende von Razzien zur Zusammentreibung von griechischen Zwangsarbeitern.
„Gegen die ab Mitte 1943 erstarkende Partisanenbewegung stellte das LXVIII. Armeekorps der Wehrmacht Sicherheitsbataillone aus der griechischen Bevölkerung auf. […] Im Zeitraum vom Juni 1943 bis Juni 1944 töteten die Besatzungstruppen nach eigenen Berichten 20.650 mutmaßliche Partisanen, nahmen weitere 25.728 gefangen und erschossen 4.785 Geiseln.“ (vgl. Wikipedia) Die Aufstellung der Sicherheitsbataillone führte letztlich zum griechischen Bürgerkrieg, bei dem zeitweise die von den Nazis eingerichteten Sicherheitsbataillone zusammen mit den britischen Soldaten kämpften.

Nur noch 99

6. Oktober 2009

Wo möglich wird man demnächst wieder von Multimillionären reden, denn Euro und Finanz- und Wirtschaftskrise haben die Zahl der deutschen Milliardäre auf 99 gedrückt. Zudem verteilen sich die Milliardenvermögen nicht selten auf große Familienclans, so dass manchem Familienmitglied nur noch 100 Millionen oder gar noch weniger (!) bleiben. Man könnte meinen, sei seien hoffnungslos ins Multimillionärsdasein abgestürzt.
Die Familie Porsche und Frau Schaeffler haben zwischen 5 und 11 Milliarden Euro beim Versuch, wesentlich größere Unternehmen in einer feindlichen Übernahme zu schlucken, verloren, Frau Schickedanz nach unglücklich verlaufener Geschäftspolitik bei Quelle ist vielleicht nicht einmal mehr Multimillionärin.
Im Schnitt haben die Vermögen der deutschen Milliardäre in der Fianzkrise bis heute um 12 Prozent abgenommen.
Nicht auszudenken, wie lange die deutschen Hartz IV-Empfänger sparen müssten, um den Milliardären desen Betrag wieder zurückzuzahlen!
Doch es wird keiner Rechenexempel bedürfen. Die schwarz-gelbe Koalition wird im praktischen Experiment nachweisen, dass den Milliardären das Geld in weit kürzerer Zeit rückerstattet werden kann. Vielleicht ist ja auch Familie Porsche dann wieder dabei.

Ökowende durch Russland?

5. Oktober 2009

Präsident Medwedew will bis 2020 den russischen Energieverbrauch um 40% senken.
Hat das irgendwelche Chancen oder will er nur noch einmal in die Schlagzeilen, bevor Putin ihn vollends zur lahmen Ente macht?

Ich wage nicht, es zu beurteilen, doch klingt es so unwahrscheinlich wie die Hoffnung, dass Westerwelle sich in den Koalitionsverhandlungen gegen den Überwachungsstaat profiliert. Oder sollte wenigstens das Letztere nicht ganz falsch sein?

Was will Westerwelle?

2. Oktober 2009

Markt oder Monopol?
Die Entscheidung steht im Energiesektor an. Die Energieriesen propagieren eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke.
Was bedeutet das?

1. unerwartete Mehreinnahmen für die Konzerne. Die Regierung will davon ca. 50% abschöpfen. Dann bleiben für die Konzerne (nach einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg) noch 19 – 38 Milliarden Euro.
2. eine Verlängerung des Risikos eines Reaktorunfalls mit über eine Million Tote.
3. das Ende der Konkurrenzfähigkeit für alle die, die gerade anfangen, Alternativen zum Oligopol der Stromkonzerne aufzubauen. Denn ihnen fehlt diese Finanzspritze von zig Milliarden.
Wird Westerwelle hier auf das Marktprinzip setzen und die Konkurrenzfähigkeit stärken? Oder setzt er auf Managermacht und darauf, dass die ihn stützen und anschließend mit einem schönen Job belohnen wird?