Wer bin ich? (3)

Wer bin ich? Oder, um den objektivierenden Blick anzudeuten, besser gefragt: Wer ist ich?

Doch weil uns das zu befremdend vorkommt, vorläufig distanzierter gefragt: Wer ist Ich?

Doch wohl jemand, der zwischen sich und der Umwelt zu unterscheiden weiß, wer ein Bewusstsein von sich selbst hat.

Das Neugeborene kann das noch nicht. Erst wenn erfahren wird, dass die Umwelt sich durch das Handeln verändert und dass man einen eigenen Willen hat, wird Selbstbewusstsein möglich.

Philosophisch Denkende unterscheiden sich von anderen Ichs dadurch, dass sie ihr Welterleben nicht selbstverständlich nehmen, sondern es durchschauen wollen. Sie machen sich – unabhängig von anderen – ihr eigenes Weltbild. Philosophen kann man sie nennen, wenn sie dabei einen hohen Grad an Unabhängigkeit und Stimmigkeit erreichen.

Der Abstand zur Weltsicht anderer Ichs ist groß. Der Philosoph hat sein Weltbild nicht selbstverständlich. Er hat es sich erarbeitet. Aber er nimmt es nicht spielerisch. Er wählt nicht einfach mal dies Weltbild, mal jenes. Das ist die Sache von Dichtern. Schiller hat sich vom übermäßigen Druck der Kantschen Philosophie befreit mit dem Satz „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ und hat in den „Göttern Griechenlands“ ausgemalt, wie schön und lebensvoll die Welt noch war, als sie noch von diesen Göttern regiert wurden und als die Menschen sie noch verehrten. Doch im selben Gedicht spricht er auch aus, dass diese Götter „Wesen aus dem Fabelland“, also erfunden, waren.

Max Frisch lässt seinen Erzähler in „Mein Name sei Gantenbein“ ganz viele Ichs erfinden und spielt durch, wie diese sein/ihr Leben erleben würden.

Hier legt sich nahe, den Titel „Wer bin ich und wenn ja, wie viele? “ anzuführen. Es ist aber nicht, wie der Titel vermuten ließe, ein psychologisches Buch, sondern ein Buch, das sehr locker in philosophische Fragen einführt, freilich nicht immer ganz exakt.

Schiller hat in seinem „Jüngling zu Sais“ vor der Erkenntnis der Wahrheit gewarnt. („Weh dem, der zu der Wahrheit kommt durch Schuld. Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein.“) Philosophen aber versuchten durchaus so viel von der Wahrheit zu erkennen, wie ihnen möglich war. Erst  im 20. Jahrhundert breitete sich die Vorstellung aus, dass Erkenntnis nicht wirklich möglich sei. (vgl. Hans Vaihinger, Konstruktivismus, Paul Feyerabends „Anything goes.“)

Das psychologische Konzept der Entstehung des Ichs lohnt einen eigenen ausführlicheren Blick. – Vielleicht ergibt sich dafür demnächst eine Gelegenheit.

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