Einkommensungleichheit gefährdet die Ökonomie

Inzwischen denken viele Volkswirte um. Denn es mehren sich die Belege dafür, dass krasse Gegensätze zwischen Arm und Reich nicht nur eine moralische Dimension haben, sondern handfesten ökonomischen Schaden anrichten. (ZEIT online vom 1.2.11)

Moralisch falsch ist eine extreme Kluft zwischen Arm und Reich schlicht deswegen, weil sie einer großen Gruppe empfindliches Übel zufügt, ohne einer anderen einen wesentlichen Vorteil zu bringen.
Politisch gesehen gefährdet eine solche Kluft die Stabilität einer Gesellschaft, weil die Unzufriedenheit der Benachteiligten früher oder später zu Aufständen und Umstürzen führt.
Ökonomisch falsch ist sie, weil Ressourcen nicht dahin geleitet werden, wo sie den größten Nutzen erbringen.

Das war im Prinzip schon lange bekannt. Nur waren viele Ökonomen von der Vorstellung beherrscht, die Chance, größere Vermögen zu bilden, werde auch zu immer größeren ökonomischen Leistungen führen („Leistungsanreize schaffen!“) Die Finanzkrise brachte jetzt freilich so schlagende Beweise dafür, dass Extremrenditen die wirtschaftliche Stabilität gefährden, dass immer mehr Ökonomen umdenken

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6 Antworten to “Einkommensungleichheit gefährdet die Ökonomie”

  1. ehrenpreis Says:

    Fehlt in dem HANDELSBLATT/ZEIT Artikel der Beleg für die Mutmaßung in der Überschrift oder habe ich ihn übersehen?

    Oder soll dafür folgende Mutmaßung reichen:

    „Steigende Einkommensungleichkeit kann dazu führen, dass ärmere Schichten versuchen, ihren Lebensstandard immer stärker über Kredite aufrechterhalten zu wollen – und dass sie sich zumindest eine Zeit lang immer leichter Geld leihen können.“

    Und weil die Kreditinstitute solche schlechten Kredite als Finanzpapiere hoher Güte weiterverscherbeln konnten/können – das liegt an der steigenden Einkommensungleichheit? Versteh ich nicht…

    Es nützt mir gar nix, wenn mein Nachbar 1 Cent weniger hat; es würde mir aber viel nützen, wenn der Staat nicht auf Grund seiner Dauerverschuldung versuchen müsste, mir so viel Geld abzunehmen wie ich mir in Ermangelung der Hoffnung auf kollektiven Steuerverweigerung abnehmen lassen muss.

  2. apanat Says:

    Laut ZEIT sind „Kriminalität und Drogenkonsum in einem Land umso höher, je größer die Kluft zwischen Arm und Reich“.
    Kriminalität und Drogenkonsum mögen zwar das Bruttoinlandsprodukt erhöhen, der Produktion von Gütern zur Bedürfnisbefriedigung stehen sie im Wege.
    Zu der von dir ageführten Passage: „Steigende Einkommensungleichkeit kann dazu führen, dass ärmere Schichten versuchen, ihren Lebensstandard immer stärker über Kredite aufrechterhalten zu wollen …“
    Überschuldete Arme können ihre Kredite nicht zurückzahlen. Das war der Grund für die Finanzkrise. – Hinzufügen sollte man noch, dass kein halbwegs wirtschaftlich denkender Bankier solch unsicheren Kandidaten Kredite geben würde, wenn nicht so viel Anlage suchendes Geld der Superreichen unterwegs wäre. (Auch eine Folge der extremen Ungleichheit der Eigentumsverteilung.)

  3. Franz Xaver Says:

    >>Laut ZEIT sind „Kriminalität und Drogenkonsum in einem Land umso höher, je größer die Kluft zwischen Arm und Reich“.<<

    Kausalzusammenhang oder bloße Koinzidenz?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Koinzidenz

  4. apanat Says:

    Sicher reiner Zufall. Wieso sollte ein Jaguar mehr zum Diebstahl reizen als ein Golf?

    • Franz Xaver Says:

      Ja, teurere Autos werden lieber geklaut:

      Die Lieblingsmodelle der Autodiebe 2009
      Kaskoversicherung insgesamt
      Modelle (Auswahl) Pro 1.000 versicherte Autos wurden geklaut Durchschnittliche Entschädigung
      Toyota Lexus RX400, Hybrid 16,5 35.883 Euro
      BMW X5/X6 3.0 SD 15,0 56.847 Euro
      VW Caravelle T4 Multivan 2.5 TDI 15,0 15.597 Euro
      BMW X5/X6 3.0 D 9,3 47.514 Euro
      BMW M3 Coupe 9,0 61.297 Euro
      VW Golf IV 1.9 TDI 8,3 9.864 Euro

      Werden Billigautos in eigentumsgerechten Gesellschaften mehr geklaut?

  5. apanat Says:

    Eben nicht. Deshalb wird weniger geklaut, weil es weniger teure gibt, wo es sich richtig lohnt.

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