Archive for Februar 2012

Selbstzitat von 2009

26. Februar 2012

„Wie wünschte ich mir Herrhausen zurück, einen Mann, der wusste, dass eine Bank – und das gilt für alle Banken der Welt zusammen um so mehr – rechtzeitig eine realistische Bewertung ihrer Außenstände vornehmen muss. Das jetzt schlagartig zu tun, würde zu viel Luftgeld auf einmal verschwinden lassen.“ (Kommentar vom 6.3.2009)
Damals antwortete mir ketzerisch: „Das Luftgeld muss aus dem System raus. Das Problem ist, dass dann die Zahlungsfähigkeit der Staaten sinkt. Die Politiker wollen aber gerne keine Ausgabenkürzungen durchführen, sondern lieber weiter Wohltäter spielen und Gelder verteilen. Wenn die Politiker aber auf die Rettung der Banken mit Staatsgeld verzichten würden, dann sähe die Lage deutlich besser aus. Die Banken könnten ohne Staatsgeld viel schneller auf eine vernünftige Eigenkapitalquote gebracht werden.

Das aktuelle Vorgehen führt zu einem verlorenen Jahrzehnt wie beim Japan der 90er – nur mit hoher Inflation. Langsam Luftablassen heisst nämlich auch: die Krise hält lange an.

Hier Vorschläge zur Bankenrettung ohne Staatsgeld:
http://verlorenegeneration.wordpress.com/2009/02/22/good-bank-zur-rettung-des-finanzsystems/

Dass die Krise lange dauert, ist schon jetzt nicht zu bestreiten. Doch nicht immer ist ein „Ende mit Schrecken“ so wie am 8.5.1945 viel besser als ein „Schrecken ohne Ende.“ Jedenfalls nicht für den, der wie wir gegenwärtig in Deutschland die komfortable Seite der Krise erlebt.
Doch wie lange noch?

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Allein sein

20. Februar 2012

Ein eindrucksvoller Artikel von Daniel Rehn zum Alleinsein regte einen Kommentar von mir an, den ich hier ein wenig ergänzen und bei Gelegenheit ausbauen und mit korrekten Zitaten und Links versehen möchte:

Bei Borchert hieß es noch:

„Und nun hat man mich mit dem Wesen allein gelassen, nein, nicht nur allein gelassen, zusammen eingesperrt hat man mich mit diesem Wesen, vor dem ich die meiste Angst habe: Mit mir selbst.“

(Die Hundeblume)

Der altersheimreife Goethe sagte zu Familie und Freunden: Liebe Leutchen feiert schön! Es ist schön bei euch, aber was wäre, wenn ich meine Arbeit im Stich ließe (sehr frei aus der Erinnerung).

Und Fontane berichtet von dem Gefangenen, der in 27 Jahren in der Steinplatte des Tisches eine tiefe Spur da hinterlassen hatte, wo er beim Herumlaufen mit dem Finger Kontakt mit der Platte gehalten hatte.

Extremer (?) die sensorische Deprivation, wie dazu passende Experimente belegen.

Oder die Kombination von Alleinsein und Ausgestelltsein im Quedlinburger Raubgrafenkasten, von der Fontane in Cécile ( im 7. Kapitel)  seinen Gordon plaudern lässt:

[…]  aus Brettern zusammengeschlagenen großen Kastens mit Vorlegeschloß, darin der Regensteiner, natürlich ein Buschklepper oder dergleichen, eine hübsche Weile gefangensaß.«

»Mit Vorlegeschloß«, wiederholte Cécile neugierig, die sich für den Regensteiner augenscheinlich mehr als für Klopstock interessierte. »Mit Vorlegeschloß. War es ein großer Kasten, darin man ihn einsperrte?«

»Nicht viel größer als eine Apfelkiste, weshalb mir auch, bei seinem Anblick, diese bevorzugten Versteckplätze meiner Jugend wieder in Erinnerung kamen, mit ihrem Glück und ihrem Grusel. Besonders mit ihrem Grusel. Denn wenn die Krampe zufiel und eingriff, so saß ich allemal voll Todesangst in dem stickigen Kasten, um kein Haarbreit besser als der Regensteiner. Aber der wirkliche Regensteiner (der übrigens kein Asthmatikus gewesen sein kann) ließ sich’s, trotz Stickigkeit und Enge, nicht anfechten und steckte zwanzig Monate lang in dem Loch, ohne mehr Luft als die, die durch die spärlichen Ritzen eindrang. Und nur dann und wann kamen die Quedlinburger und wohl auch die Quedlinburgerinnen und sahen hinein und grinsten ihn an.«

Verglichen mit diesen Arten des Alleinseins erscheint mir manches, was heute darunter verstanden wird, besonders hier, schon wie aus einem Zeitalter, zu dem ich nicht mehr gehöre.

70 Stunden Busfahrt

16. Februar 2012

„Das Navi von meinem Telefon gab folgende Richtung an von Darwin nach Alice Springs: nach 432 m rechts abbiegen, dann 1490 km geradeaus, links abbiegen und dann noch 353 m. Das sollte zu finden sein.“ (Blog „Einmal um die halbe Welt„)