Archive for September 2013

Jüdischer Widerstand gegen den Holocaust

18. September 2013

Geht nicht wie die Schafe zur Schlachtbank!“ so begann der Aufruf von Abba Kovner, der Anfang 1942 zur Gründung der Fareinikte Partisaner Organisatzije, der Widerstandsorganisation im Wilnaer Ghetto führte [zur Metapher „Schafe zur Schlachtbank“].

Ich habe über den Wilnaer Widerstand erst heute erfahren. Zum Glück findet sich aber einiges in der Wikipedia, was ich hier verlinken werde.

Weit ausführlicher informiert das Buch von Abraham Sutzkever:
Wilner Getto 1941–1944, übersetzt von Hubert Witt, Ammann Verlag, Zürich 2009. ISBN 978-3-250-10530-5

Abraham Sutzkever, „Überlebender des Wilnaer Ghettos, war einer der bedeutendsten Gegenwarts-Dichter in jiddischer Sprache. In seiner Frühzeit hat er in seinen Schriften vor allem die jüdischen Leiden während der NS-Zeit thematisiert, später wandte er sich mehr israelischen Themen zu. Seine Werke sind in über 30 Sprachen übersetzt worden.“ (Zitat aus dem verlinkten Wikipediaartikel)

Kurzbiographien von wichtigen Bewohnern des Wilnaer Ghettos

Wilna während des Holocausts

Als die Widerstandsorganisation von Wilna im Warschauer Ghetto vom Völkermord an den Juden berichtete, wollten die führenden Vertreter nicht daran glauben, dass die 500 000 Menschen im Ghetto wirklich alle getötet werden würden. Es bedurfte schrecklicher Erfahrungen, bis man ihnen Glauben schenkte und auch dort Widerstandsorganisationen gründete. Bis sie sich vereinigten, bedurfte es weiterer Schreckenstaten.

Aufstand im Warschauer Ghetto

Wenn man bedenkt, wie schlecht die Informationen über die Pläne der NS-Führung über eine Vernichtung aller Juden in Europa waren, braucht man sich über die Zweifel nicht zu wundern, die den Nachrichten über den unglaublichen Plan eines Völkermords entgegengebracht wurden. 

Angesichts der grausamen Vergeltungsmaßnahmen, mit denen die Deutschen jeden Widerstandsakt beantworteten, kann man auch die Skrupel gut verstehen, dass man nicht zum Auslöser einer solchen Maßnahme werden wollte. Selbst Jitzchak Wittenberg, der Kommandeur der Wilnaer Widerstandskämpfer, hat sich selbst den Deutschen ausgeliefert, als sie mit einer Bombardierung des Wilnaer Ghettos drohten, in dem  am Beginn der Vernichtungsaktion etwa 55 000 Menschen lebten. 

(Gerade heute wurde des Massakers von Oradour gedacht, das in Frankreich verübt wurde, wo die SS-Truppen  gewiss noch eher Hemmungen hatten, unmenschliche Grausamkeiten zu begehen, als gegen Juden. – Zum Gedenken von Hollande und Gauck an Oradour)

Abraham Sutzkever hat 2005 dem Sinne nach gesagt: Kämpft gegen den Hass, erzieht zur Liebe. Aber macht den Bösen klar, dass sie keine Gnade finden. (zu finden in: Wilner Getto 1941–1944, übersetzt von Hubert Witt, Ammann Verlag, Zürich 2009. ISBN 978-3-250-10530-5)

Darin ist ein Dilemma beschrieben, das jeden von uns trifft, das die Bewohner der Ghettos aber in schreckliche Auseinandersetzungen führte. Und dennoch und trotz der Unmöglichkeit, sich auch nur annähernd zureichend mit Waffen zu versorgen, hat der Widerstand sich organisiert und dazu geführt, dass viele (wenn auch viel zu wenige), die vernichtet werden sollten, überleben konnten und dass Abraham Sutzkever und Marek Edelmann (u.a.: Das Ghetto kämpft. Berlin, 1993) ISBN 3-927170-05-4 so eindrucksvoll Zeugnis ablegen konnten.

Über die Art des Lebens, aus dem heraus der Widerstand organisiert wurde, berichtet die

Chronik des Gettos Lodz

Dazu:

Innerhalb der jüdischen Getto-Verwaltung wurde im November 1940 ein Archiv gebildet, zu dessen Aufgaben die Sammlung von Dokumenten und Materialien für eine künftige Darstellung der Geschichte des Gettos gehörte. In diesem Archiv schrieben vom 12. Januar 1941 bis zum 31. Juli 1944 mehrere Mitarbeiter, vorwiegend Journalisten und Schriftsteller, die Getto-Chronik, zunächst auf Polnisch, später dann auf Deutsch.

Jeden Tag fertigten sie einen Tageseintrag an, in dem sie tagesaktuell über wichtige Ereignisse im Getto berichteten. Sie produzierten gewissermaßen eine Tageszeitung, allerdings eine Zeitung, die keine Leser hatte, da sie ausschließlich für das Archiv geschrieben wurde und einer späteren Generation für das Verständnis des Lebens und Sterbens im Getto dienen sollte.“ (Einführung in die Chronik)
Von der Länge her ist dies mehr als ein Schnipsel. Bezogen auf das, was es zu berichten gälte und woran die Erinnerung nicht verloren gehen darf, ist es viel zu wenig. 

Jüdischer Widerstand gegen den Holocaust

Man schätzt, dass europaweit bis zu 1,5 Millionen Juden am regulären militärischen Kampf und am Partisanenkampf gegen die NS-Herrschaft beteiligt waren.“

 Informationen zu Yad Vashem auf deutsch


Wahlargumente kurz und knapp

17. September 2013

Wer argumentiert, wer schwafelt?

Lokale Kandidaten formulieren ihre Argumente auf einem Bierdeckel.

Frage: Warum sollen Bürger sie wählen? 

Antworten:

Bierdeckel 1: Für mich steht der Mensch im Mittelpunkt. Das Wohl der Menschen muss an erster Stelle stehen, nicht eine politische Ideologie. Mein Fundament ist das christliche Menschenbild.

Bierdeckel 2: Endlich Handeln statt Aussitzen! Mindestlohn von 8,50 gleicher Lohn für gleiche Arbeit Null Toleranz bei Steuerhinterziehung

Bierdeckel 3: Weil die Freiheit kaputt geht, wenn man sie zu wenig benützt!

Bierdeckel 4: Eine wirkliche Energiewende gibt es nur mit uns … Ich trete für eine ehrliche und sachgerechte Politik ein. Keine neuen Schulden auf kosten künftiger Generationen Kein Zubetonieren der Landschaft als Prinzip

Bierdeckel 5: Ich weiß, dass die Mehrheit der Menschen mit der Art und Weise, wie die Demokratie in Deutschland funktioniert, nicht zufrieden ist und die Demontage des Sozialstaats ärgert, dass die Meinungen der Menschen zu wichtigen Themen wie Hartz IV, Rente mit 67, Gesundheit, Bildungsreform … ignoriert werden. Das und falsches Sparen zum Leidwesen der Bürger sind für mich unerträglich und fordert meinen Einsatz. Auch nach der Wahl 100% sozial!

Welche Partei erkennt man an den Argumenten, welche an den Schlagworten?

Noch etwas:

Wahlkampfthemen

Stellungnahme von Parteien zu Petitionsrecht

Twitterkonten von Parteien

Toleranz zu üben kann verdammt schwer sein

17. September 2013
Roma aus Rumänien und Bulgarien sind EU-Bürger. Mit ihnen kann man nicht so verfahren wie mit Flüchtlingen, die man nicht in die Festung Europa lässt oder, wenn das nicht geklappt hat abschiebt.
Allerdings braucht man ihnen keine Arbeit zu geben, doch sie können sich selbständig machen. (Mehr dazu weiter unten.)
Roma sind innerhalb ihrer Familienverbände soldarisch.
Dazu berichtet Ruhrbarone aus Dortmund:

Wie schon erwähnt, findet eine Romafamilie eine Wohnung, wird diese zu einer Anlaufstation für Freunde und Verwandtschaft. Diese haben aber keine Schlüssel. Um ins Haus zu gelangen wird dann geschellt. Häufig
überall. Bei mir im Haus ist eine Klingel mit Gegensprechanlage installiert. Bei dieser kann ich weder die Klingel abstellen noch den Klingelton in der Lautstärke regulieren. Das Klingelkonzert zu den unterschiedlich Tag und auch Nachtzeiten kann ganz schön an den Nerven zerren.
Ich suchte also das Gespräch. Die von meinen Roma- Nachbarn entwickelte Lösung war pragmatisch sorgte aber für neuen Ärger.

Das Türschloss der Haustür wurde ausgebaut. Fortan war unser Haustür immer offen. Die Hausverwaltung war entsetzt, meine sonstigen Nachbarn auch.

Aus Duisburg hörte ich in einem mündlichen Bericht: In einem Haus für 300 Personen wohnen 1600. Natürlich sind die meisten von ihnen, wenn irgend das Wetter es zulässt, auf der Straße. Wenn sie ins Haus wollen, sieh oben …
Wo 1600 Menschen wohnen, fällt ca. 5x so viel Müll an wie dort, wo 300 wohnen. Die Hausverwaltung erhöht also die Zahlungen für die Nebenkosten. In besagtem Haus waren allein die Nebenkosten für Müllabfuhr genauso hoch wie die Miete.
Wer sich selbständig machen will, braucht eine Geschäftsidee. Eine ist z.B. Recycling von Altmetall.
Dazu wieder Ruhrbarone aus Dortmund:

Da meine Nachbarn ihren Lebensunterhalt durch Schrott verdienten den sie einsammelten ergab sich bald ein Problem mit der Lagerung dieses Schrottes. Wohin damit? Sie verwendeten dazu unsere Kellerräume wo sie jeden freien Raum regelrecht verfüllten. Bald waren auch mein Keller und der Fahrradkeller unerreichbar, weil komplett zugestellt. Wenn nichts mehr reinging, kam es regelmäßig zu einer großen Verladeaktion. Abends versammelten sich dann mehrere Kleinlaster vor unsere Haustür. Diese wurden bis unters Dach beladen und fuhren den Schrott ab. Wohin habe ich nie erfahren.
Dieser Vorgang wiederholte sich alle 3-4 Wochen. Immer unter dem lautstarken Protest der Nachbarn. Die ersten Male wurde die Polizei gerufen, aber da es sich nicht um Diebesgut handelte und die Aktion auch ohne Lärm ablief ergaben sich irgendwann auch die hartnäckigsten Beschwerer ihrem Schicksal. Dieser Wechsel von Schrottflut und Schrottebbe hat auch mich gestört. Allerdings war Schrott zu sammeln die einzige Einnahmequelle meiner Nachbarn. Da ich die Armut kannte in der sie lebten blieb mir jede Kritik und Groll im Halse stecken. Mittlerweile ist aber auch dieser legale Einnahmeweg verschlossen. Gewerblich Schrott zu sammeln ist in NRW gesetzlich praktisch unmöglich geworden.

Wie die Geschichte in Dortmund weiterging, kann man bei Ruhrbarone nachlesen.

Was sich in Duisburg abgespielt hat, wird hier nicht völlig klar. Meine Solidarität gilt Roma und Polizei, betroffenen Anwohnern und den Menschen, die Roma schützen wollen.

Nur, wie wird man allen gerecht?

Wieder zitiere ich Ruhrbarone:

Toleranz zu üben kann verdammt schwer sein. Ratlos bin ich immer noch.

Meldung der WAZ vom 16.9.13 17:05