Archive for 31. Mai 2014

Küng hält eine Eucharistiefeier für Christen und Buddhisten

31. Mai 2014

Er geht aus von Markus 9,40 „Wer nicht wider uns ist, der ist für uns.“ und Lukas 9,50 „Jesus antwortete ihm: Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.“

Dann spricht er das Dankgebet. „Ich formuliere es nach ursprünglichem biblischem Verständnis so, dass die bekannten Worte “ Das ist mein Leib, das ist mein Blut – das bin ich “ in Jesu Selbstlosigkeit, Hingabe und Selbstentleerung für Buddhisten verständlich werden.“

(Küng: Erlebte Menschlichkeit, S.380)

„Mich beschäftigt besonders, wie viele Ähnlichkeiten es doch gibt zwischen den beiden Gründergestalten, zwischen Gautama und Jesus von Nazaret. Schon im äußeren Verhalten: beide Wanderprediger in der Volkssprache, mit allgemein verständlichen Spruchweisheiten, Kurzgeschichten, Gleichnissen, ohne Formeln, Dogmen, Mysterien. Beide durch kein Amt legitimiert, in Opposition zur religiösen Tradition und zur Kaste der Priester und Schriftgelehrten, die für die Leiden des Volkes keine Sensibilität zeigen. Für beide bedeuten Gier,  Hass und Verblendung die große Versuchung.
Eine grundlegende Ähnlichkeiten aber findet sich nicht nur im äußeren Verhalten, sondern auch in der Verkündigung von Gautama und Wesens: sie vermitteln eine frohe, befreiende Botschaft (das“dharma“; das „Evangelium“), die von den Menschen ein Umdenken (“ in den Strom steigen „; “ Metanoia“) und Vertrauen („shraddha“; “ Glaube „) fordern. Jedenfalls keine Orthodoxie, sondern Orthopraxie. Keine Welterklärung, philosophische Spekulation und gelehrte Gesetzeskasuistik. Vielmehr – angesichts der Vorläufigkeit und Vergänglichkeit der Welt – ein praktischer Weg aus der Ichsucht, Weltverfallenheit und Blindheit. Es geht um Befreiung durch inneren Wandel“

(Küng: Erlebte Menschlichkeit, S.382)

vgl. dazu Entwicklung des Buddhismus (Wikipedia)

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Johannes Paul II. und Gott im Gespräch

31. Mai 2014

Johannes Paul II. fragt: „Wird zu meinen Lebzeiten das Zölibat abgeschafft?“

Gott: „Nein.“

Johannes Paul II. fragt: „Wird zu meinen Lebzeiten  die Frauenordination eingeführt?“

Gott: „Nein.“

Johannes Paul II. fragt: „Wird es noch einmal einen polnischen Papst geben?“

Gott: „Zu meinen Lebzeiten nein!“

(nach Küng: Erlebte Menschlichkeit, S.340)

Vorhellenisches Christentum in Äthiopien (Küng)

31. Mai 2014

Jede orthodoxe Kirche Äthiopiens hat einen Tabot, der die unabdingbare Voraussetzung ist für die Feier der Liturgie. Denn auf einen Tabot […] wird die Eucharistie vollzogen. An großen Feiertagen wird er in Prozessionen dreimal um die Kirche getragen und besonders von den Frauen mit hohen afrikanischen Zungenjubilieren, dem Gezwitscher eines riesigen Vogelschwarmes gleich, enthusiastisch begrüßt. […]

In Äthiopien scheint mir hinter der Fassade eines alexandrinisch-griechischen Christentums, das erst in den letzten 150 Jahren seine Macht auch über die ursprünglichen semitischen Stämme auszudehnen vermochte, ein Judenchristentum eigener Art zu begegnen. Dies würde erklären, dass die Liturgie in der äthiopischen Kirchen-und Literatursprache, dem Ge’ez, gefeiert wird, das eine semitische Sprache ist, deren Ursprünge im Südarabischen liegen. […] (S.314)

Sowohl in der Legende wie in der Historie zeigen zahlreiche Linien von Äthiopien über das nahe Arabien hin nach Jerusalem ihn. Aus ältester Zeit finden sich in Äthiopien bis auf den heutigen Tag auch jüdische Gemeinden […], die vor urdenklicher Zeit hierher gekommen waren. Da frage ich mich: Hat es in Aksum und in Äthiopien vielleicht schon vor der Ankunft jener zwei schiffbrüchigen Laien aus Syrien […], die im 4. Jahrhundert ohne priesterliche Ordination die äthiopische Kirche begründet haben sollen, so etwas wie ein vorhellenisches Christentum gegeben, das letztlich judenchristliche Wurzeln hat?

(Küng: Erlebte Menschlichkeit, S.313/314)