Archive for Juli 2014

Sterbehilfe

22. Juli 2014

„Oder ist etwa das Abstellen eines Beatmungsgerätes oder der künstlichen Nahrung nicht ebenso aktiv (und vielleicht sogar weniger barmherzig) wie eine Überdosis Morphium?“ schreibt Küng in „Erlebte Menschlichkeit“ (Erlebte Menschlichkeit. Erinnerungen. Piper, München 2013, ISBN 978-3-492-05601-4.) auf Seite 612.

Ist das ein zulässiges Argument oder nutzt Küng nur aus, dass der Terminus „passive Sterbehilfe“ das Gemeinte nicht ganz treffend wiedergibt?

Wie wichtig Küng die Frage der Sterbehilfe ist, merkt man daran, dass er im Zusammenhang mit der Diskussion darüber sogar schon von Inquisition spricht:

„Man findet in der Frage »aktive« Sterbehilfe kaum Ärzte, die es wagen, ihre Meinung öffentlich zu sagen, wiewohl sie, die gesetzesfreie Grauzone nutzend, oft beim Sterben nach­ helfen. Eine sehr engagierte praktische Ärztin, mit der ich die Probleme des alltäglichen Sterbens eingehend und einvernehmlich diskutiert hatte, zieht ihre Zusage, an unserer Podiumsdiskussion mit der Justizministerin teilzunehmen, im letzten Moment zurück. Vonseiten der Ärztekammer, ihrer Standesorganisation, war ihr für den Fall ihrer Teilnahme mit der Ab­ erkennung ihrer ärztlichen Zulassung gedroht worden. Mich erinnert das an den Entzug meiner kirchlichen Lehrbefugnis durch die Inquisition.“   (Erlebte Menschlichkeit. Erinnerungen. Piper, München 2013, ISBN 978-3-492-05601-4, S.615)

Das ist ein starkes Wort. Doch auch ich finde, dass bei der heutigen Hochtechnologie- und Apparatemedizin der hippokratische Eid nicht mehr in jedem Fall eine eindeutige Handlungsanweisung  für die Sicherung der Menschenwürde im Sterbeprozess definiert.

Deshalb sollte über diese Fragen offen diskutiert werden dürfen, auch wenn die Diskussionsergebnisse in anderen Ländern für uns angesichts anderer historischer Erfahrungen keine Richtschnur zu sein brauchen.

Ergänzung:
Einer eigenen Reflexion wäre die heutige Meldung aus Belgien wert. (Sterbehilfegesuch eines Sexualstraftäters nach 30 Jahren Haft, der nicht freigelassen werden will)  (29.9.14)

Das Ehepaar Schneider und die EKiD oder was wichtig ist

20. Juli 2014

Dankenswerterweise ist dies Interview mit dem Ratsvorsitzenden der EKiD und seiner krebskranken Frau schon heute im Internet zu lesen:
 „Wir halten die Wahrheit aus“ Anne und Nikolaus Schneider über die Diagnose Krebs, den Rücktritt vom Ratsvorsitz der Evangelischen Kirche – und das, was am Ende zählt, ein Interview von EVELYN FINGER

In der ZEIT vom 17.7.14 steht nicht nur dies, sondern auch ein Interview mit Papst Franziskus. (Außerdem auch ein kritischer Artikel zu Amazon, in dem Schriftsteller sich kritisch zu Amazon äußern.)

Es ist eine gute Zeit, wenn Kirchenleute so problembewusst sind. Auch wenn man die Probleme gern nicht wahrnehmen würde.