Archive for Dezember 2015

Jesus und der Islam

23. Dezember 2015

In Arte gab es eine Sendefolge mit 7 jeweils knapp einstündigen Sendungen zu dem Thema.

Außerdem liegt dazu ein Buch vor, bisher nur auf Französisch: Gérard Mordillat, Jérôme Prieur: Jésus selon Mahomet, 2015 E-Buch, über die Sicht auf Jesus im Koran[3]

Hier veröffentliche ich meine stark verkürzte Mitschrift der Sendefolge:

1. Sendung:

Die Hadithen erklären den Koran und heben manche Aussagen hervor. Sie sprechen sehr viel über seine Rolle als Weltenrichter (bereits im Koran) und beschäftigen sich mit der Frage, wieso die Juden glaubten, sie hätten Jesus getötet, obwohl sie es laut Koran nicht wirklich taten. Außerdem schreiben sie erstaunlich viel über sein Aussehen, obwohl dazu nichts im Koran steht. Insbesondere schreiben sie viel über die Schönheit seines Haares und sprechen fast immer davon, dass Wasser davon herunter tropft. Jesus/Isa ist im Koran in mancher Hinsicht wichtiger als Mohammed. Er ist das Wort Gottes, er hat Wunder getan, er ist im Unterschied zu Mohammed nicht gestorben und nicht begraben, er wird als Weltenrichter kommen. Was Mohammed Jesus voraus hat, ist, dass dieser nur der vorletzte Gesandte Gottes war, und dass er die endgültige Offenbarung Gottes, den Koran, den Menschen gebracht hat. Jesus ist derjenige, der dem Islam zum endgültigen Sieg verhelfen wird, indem er ihn gegen die „Leute des Buches“, Juden und Christen, durchsetzt. Die Juden behaupten zu Unrecht, sie hätten Jesus getötet/gekreuzigt. Die arabische Formulierung dazu lässt sich übersetzen mit „Es erschien ihnen so“ oder mit „Bei ihnen wurde der Eindruck erweckt, dass es so sei.“ Viel spricht dafür, dass Gott selbst das Geschehen bewirkt hat, was die Juden für die Kreuzigung halten mussten. Im Arabischen glaubt man dem Gehörten [durch die persönliche Autorität des Sprechers Verbürgten – Zusatz Fontanefan] mehr als dem Gesehenen (Möglichkeit der optischen Täuschung, Luftspiegelung, im konkreten Fall Jesus könnte ein Doppelgänger gekreuzigt worden sein.) Nach einer Version im Barnabasevangelium wird Judas anstelle von Jesus hingerichtet und Jesus gibt ihm sein Aussehen, so dass die Umstehenden getäuscht werden. Im Christentum gab es schon im 2. Jahrhundert Spekulationen darüber, dass es nur so geschienen habe, als wäre Christus gekreuzigt worden. Aber die Version des Koran ist vermutlich unabhängig von diesen Spekulationen entstanden.

2. Sendung:

Jesus wird im Koran auf drei Weisen genannt: Isa, Ben Mariam und der Gesalbte (hebräisch: Messias, griechisch: Christos). Dabei hat „der Gesalbte“ im Koran natürlich eine ganz andere Bedeutung als der Messias, der Befreier Israels, bei den Juden und Christus bei den europäischen Christen, für die Christus nicht mehr der Gesalbte bedeutet, sondern wie der Teil eines Eigennamens Jesus Christus für den auferstandenen Herrn, den Sohn Gottes, steht. Das arabische Massiach [meine sicher falsche Umschrift des arabischen Wortes im Unterschied zu „Messias“] im arabischen Neuen Testament hat für die syrischen Christen freilich nicht die aufgeladene Bedeutung von Christos/Christus, sondern heißt für sie auch schlicht der Gesalbte wie im Koran. Wenn in Sure 4, 157 über die Juden gesagt wird:Ihre Aus­sage lautete: «Wir haben Isa, den Sohn Maryams, den Ge­sandten Gottes, getötet.»“, dann ist das klar erkennbar kein historisches Zitat, denn sie hätten Jesus natürlich nie „den Gesandten Gottes“ genannt. Das ist Sprache des Koran. Bezeichnend, dass der Koran ihnen diese Selbstbeschuldigung in den Mund legt, die historisch – zu Unrecht – bei den frühen Christen in der Auseinandersetzung mit den Juden aufkam. Denn wenn der Koran auch in diesem Kontext den Juden vorwirft, sie hätten immer wieder ihre Propheten getötet, bzgl. Jesus kann er es ihnen ja gerade nicht nachsagen, wo er doch Wert darauf legt, dass gilt: „Aber sie haben ihn weder getötet noch gekreuzigt, doch kam es ihnen so vor. Diejenigen, die über ihn uneins sind, zweifeln an ihm. Sie haben kein Wis­sen über ihn, sondern gehen Vermutungen nach. Sie haben ihn ganz sicher nicht getötet. Nicht doch, Gott hat ihn zu sich erhoben.“ (Zitate nach ZUM-Wiki Die Kritik des Korans an den Juden ist, dass sie ihre Propheten getötet hätten (darin folgt der Koran frühen syrischen christlichen Quellen), und dass sie an den Gesetzen festhalten, die Jesus aufgehoben hat. Für die heutige Einschätzung des Judentums durch Muslime spielt diese alte Kritik freilich kaum noch eine Rolle. Insgesamt sei für den Islam kein Anti-Judaismus charakteristisch, wie er sich im Christentum schon früh herausgebildet hat. Der Vorwurf an die Christen ist, dass sie an die Göttlichkeit Jesu glauben, obwohl dieser selbst nicht daran geglaubt hat. 

3. Sendung: Jesus Ben Maryam

Im Neuen Testament wird nur Jesus nur einmal als Sohn Marias bezeichnet, im Koran kommt das sehr häufig vor. Maria spielt überhaupt im Koran eine weit wichtigere Rolle als im Neuen Testament. Sie ist im Koran die einzige Frau mit Namen. Andererseits wird am Christentum kritisiert, dass da Maria als dritte göttliche Figur neben Vater und Sohn existiere. Joseph wird im Koran nicht genannt, Maria aber über 30 mal, häufiger als in den vier Evangelien und der Apostelgeschichte zusammen. Jemanden als Sohn seiner Mutter zu bezeichnen, war damals eine Beleidigung. Denn wenn der Vater nicht genannt wird, kann man die Mutter verdächtigen, eine Prostituierte zu sein. Es gibt auffallende Gemeinsamkeiten zwischen der Darstellung der Geburt Jesu im Koran und in apokryphen Evangelien wie z.B. Protoevangelium des Jakobus und Pseudo-Matthäus-Evangelium, aber auch Abweichungen. Um das Jahr 2000 wurden von Theologen mehr Fragen nach den Einflüssen auf den Koran gestellt. So fällt auf, dass die hebräische Miriam, eine Schwester Aarons ist und dass die Maria des Korans auch Schwester Aarons genannt wird. Das ist aber sicher keine Verwechslung, sondern eine symbolische Formulierung für einen Bezug zwischen diesen beiden durch mehr als ein Jahrtausend geschiedenen Gestalten. Jesus des Korans wurde wie Adam aus Staub geschaffen. Gott haucht ihm Leben ein.

4. Sendung: Das Exil der Propheten

Der Name Mohammed (Bedeutung: der Gepriesene) kommt im Koran nur selten vor. Dabei spricht der Koran viel von Propheten (Gesandten Gottes). Hat Mohammed wirklich gelebt? Seine Lebensbeschreibung wurde erst 150 Jahre nach seinem Tod verfasst. Danach schließt man auf die Lebensdaten 570 bis 632. Doch vermutlich gab es in dieser Zeit in Arabien noch gar kein exaktes Datierungssystem, anhand dessen man Gleichzeitigkeit mit Ereignissen in anderen Weltteilen hätte feststellen können. Die Angaben über Mohammed besagen, er sei Waise gewesen, habe eine deutlich ältere Frau geheiratet und keinen Sohn, sondern nur eine Tochter gehabt. Keinen Sohn zu haben war damals unter Arabern ein großer gesellschaftlicher Makel. Für einen Mann, der wie Mohammed sich sehr fähig fühlte und gut reden konnte, war das eine große Motivation, eine Reform einzuführen, die diesen Makel von ihm nehmen würde.

Den zweiten Teil der 4. Sendung und die Sendungen 5 – 7 habe ich nicht gesehen.

Zeitgenössische Philosophen über Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“

20. Dezember 2015

Was bleibt von Immanuel Kant? (ZEIT 3.12.15, online seit 17.12.15)
„Philosophinnen und Philosophen aus aller Welt erklären, was der deutsche Denker uns heute bedeutet.
Ein Gastbeitrag von Achille Mbembe, Pankaj Mishra, Donatella Di Cesare, Raymond Geuss, Mohamed Turki, Kenichi Mishima, Ágnes Heller, Bruno Latour, Vladimir Kantor, Wang Hui und Robert B. Brandom“

Achille Mbembe: Er ist viele (Der kamerunische Philosoph  Mbembe lehrt an der Witwatersrand-Universität in Johannesburg)

Es gibt zwei Kants, die wir in der Gegenwart dringend brauchen. Da ist erstens der Kant, der den Menschen als Wesen mit einer souveränen Vernunft erkennt, auf der das moralische Urteil beruht. Auf diesen Kant sind wir angewiesen, weil die Leidenschaften und Affekte gegenwärtig überhandnehmen wollen und weil in den Krisen der globalisierten Welt zumeist unbegründete Ängste als Alibi für Gewaltexzesse dienen. Aber ebenso sehr brauchen wir den Kant des Ewigen Friedens, weil er der Menschheit als Weltgesellschaft einen Horizont öffnet, auf den wir gemeinsam zugehen müssen, wenn wir nicht in der planetarischen Katastrophe, in Krieg und Terror enden wollen.

Die Idee des ewigen Friedens bedeutet, dass wir uns als Gattung anstrengen können, die Erde unter all ihren Bewohnern, die ihre gemeinsamen Eigentümer sind, gerecht zu teilen. Aus afrikanischer Perspektive heißt ewiger Friede universelles Gemeingut. Dieser Kant ist zwar Europäer, aber darauf kommt es nicht an, er könnte ebenso Afrikaner, Chinese oder Inder sein, denn in allen Kulturen wird sein Gedanke der Weltgesellschaft als Eigentümergemeinschaft in Variationen gedacht. […]

Hans Küng erklärt von Enzylexikon

12. Dezember 2015

Hans Küng 

eins seiner Werke zum Gottesbegriff: Existiert Gott?

Die zu erklärende Aussage:

Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!

Enzylexikon:

„Eine Interpretation wäre, das man Gott und Welt nicht trennen kann, so wie man Geist und Körper nicht trennen kann. Es gibt keinen Widerspruch zwischen beidem.

Immerhin soll die Welt Gottes Schöpfung und der Mensch sogar nach seinem Ebenbild geschaffen sein – wie könnte es also sein, dass die Schöpfung nicht selbst, das Göttliche inne hat?

Der Anblick einer grandiosen Landschaft beeindruckt uns – „wow, der Fluß muss Jahrmillionen gebraucht haben, sich so durch den Fels zu fressen….“

Aber ich denke, wir bewundern da nicht nur einfach die Leistung einer beeindruckenden Naturgewalt, sondern empfinden emotional, dass diese Welt viel größer und mächtiger ist, als wir als einzelnes Individuum jemals sein können.

Diese „Ehrfurcht“ vor der Macht von Zeit und Natur ist vielleicht mit der Ursprung des religiösen Empfindens.

Islam

Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!“

Das klingt beeindruckend, groß, riesig.

Im Islam sagt man „Allahu akbar“ – Gott ist größer. Aber da stellt sich natürlich die Frage – „größer als wer oder was?“

Größer als ein Mensch?

Wäre der Schöpfer eines Universums ganz sicher.

Größer als die eigene Schöpfung?

Vermutlich, denn sonst hätte er sie nicht schaffen können.

Gleichzeitig heißt es im konservativen Islam aber auch, das man den Körper nicht durch Tätowierungen verändern soll – er ist Gottes Geschenk. Man soll sich auch kein Bildnis von Gott machen.

Allerdings muss auch die Schöpfung etwas besonderes sein, dann im konservativen Islam ist auch die Darstellung von Lebewesen verboten, was gedeutet werden kann, dass man der Schöpfung den gleichen Respekt entgegen bringen soll, wie dem Schöpfer.

Das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz…..

Hinduismus

Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!“

Gott kann in diesem Zitat auch als Symbol für das Unergründliche gesehen werden, dass sich in der gesamten Schöpfung findet.

In den hinduistischen Upanischaden gibt es die Erzählung von der Feige oder Mango die immer weiter geteilt wird, bis sie so klein ist, das man sie nicht mehr sehen kann.

Dieses nicht mehr Wahrnehmbare und daher Unteilbare, sei der Wesenskern des Menschen (Atman) und identisch mit dem Göttlichen (Brahman), ohne sich dessen bewusst zu sein.

Es wäre also das „Unendliche im Endlichen“, wie Küng es nennt.“

Enzylexikon Sein gesamter Text auf gutefrage.net

Wenn ich – bis auf ein paar stillschweigende Änderungen der Rechtschreibung – den Text verbessern wollte, müsste er weit ausführlicher werden. Was mir an dem Text gefällt, ist, dass er immanent auf Küngs Konzept vom Weltethos hinweist. 

Wikipedia in der Praxis. Geschichtsdidaktische Perspektiven

1. Dezember 2015

Die Tweets zur Tagung am 27./28.11.15 in Basel.

Die Tweets in einer Datei

Referat von Daniel Bernsen: „Wikipedia als Geschichtslexikon in der 8. Klasse