Archive for Oktober 2017

Reformationstag – zur Bedeutung der Reformation

29. Oktober 2017

Renaissance des Nordens
Über die Bedeutung der Reformation für die Deutschen heute von Evelyn Finger

„[…] Im Februar 2017, als die beiden deutschen Kirchenchefs den Papst besuchten, gab er dem Kardinal Reinhard Marx und dem Bischof Heinrich Bedford-Strohm den Auftrag zum gemeinsamen Abendmahl: Bei euch in Deutschland ist das Problem entstanden, ihr könnt es lösen, macht mir einen Vorschlag! – Der steht noch immer aus. Denn die deutschen Kirchengremien zaudern und zögern. Die Chefs sind ihnen voraus, aber können den Rest nicht ignorieren. Wenn Bedford-Strohm am Wochenende auf Einladung von Marx nach Rom reist, zum Treffen der katholischen Bischöfe Europas, müssen beide aufpassen, dass der Reformpapst sie nicht überholt.

Franziskus hat seine nächste Reformation im Sommer schon angetestet. Nach Informationen der ZEIT sagte er lateinamerikanischen Bischöfen, als sie im Vatikan zu Gast waren: Das Wort Gottes komme stets vor den Sakramenten, das Evangelium vor der Kirche. Klingt für Protestanten harmlos, für Katholiken aber rührt es an das Sakramentsverständnis und damit an die Grundfesten ihrer Kirche. Die Hälfte der Bischöfe soll denn auch entsetzt gewesen sein, die andere Hälfte habe Hosianna gerufen. […]“ (ZEIT 44/2017, 26.10.17)

sieh auch:

Es gibt was zu feiern (ZEIT 44/2017, 26.10.17, S.54)
Zum ersten Mal schreiben die deutschen Kirchenchefs einen Brief zum Reformationstag
Von Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Marx

„[…] Gemeinsam wollen wir in der Gesellschaft Zeugnis für den Glauben an Gott ablegen und auch so handeln. Das ist unser gemeinsamer Auftrag, der in Christus gründet! In der Flüchtlingsarbeit, im weltkirchlichen Engagement und im Einsatz gegen soziale Not arbeiten wir Hand in Hand. Wir können die Welt nicht perfekt machen, aber wir dürfen nicht aufgeben, sie verbessern zu wollen.[…]“

Wie hätte man eine Spaltung der Kirche vermeiden können? (ZEIT 44/2017)

Thema Luther und die Reformation

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Die weibliche Seite Gottes

27. Oktober 2017

Auf Hebräisch ist Geist, ruach, weiblich, im Griechischen ist Geist, pneuma, sächlich. erst im Lateinischen wird der Geist als spiritus männlch, so wie er es auch im Deutschen ist.

Wenn es in Der Schöfungsgeschichte heißt, der „Geist Gottes schwebte auf dem Wasser“, hatten die Juden also die Vorstellung eines weiblichen Wesens.

mehr dazu: Die weibliche Seite Gottes Katharina Seifert, 1997

Guglielmiten 

„Guglielma wurde zu Pfingsten 1210 geboren, erschien in Mailand irgendwann zwischen 1260 und 1270 und starb dort am 24. August 1281. […]
In den Annales Colmarienses maiores des Jahres 1301 vermerkt der Colmarer Dominikanerchronist, dass im Jahr zuvor (in precedenti anno), also 1300, „eine überaus würdevolle und gleichermaßen beredte Jungfrau aus England gekommen [sei], die sich für den Heiligen Geist ausgab, der zur Erlösung der Frauen Fleisch angenommen habe. Und sie taufte die Frauen im Namen des Vaters, des Sohnes und in ihrem eigenen Namen. Nach ihrem Tod wurde sie nach Mailand gebracht und dort verbrannt: ihre Asche behauptete Bruder Johannes von Weißenburg (Iohannes de Wissenburc) vom Orden der Predigermönche gesehen zu haben.“ (Wikipedia: Guglielmiten)

Die Guglielmiten im Mittelalter. von Imogen Rhia Herrad,  SWR2 Wissen 27. Oktober 2017

Koran von jüdischen Gelehrten neu entdeckt

26. Oktober 2017

Der Koran ist aufgrund seiner inhaltsfernen Gliederung und der Durchmischung von Texten mit unterschiedlichen Aussageabsichten für Leser, die nicht den Gesamtinhalt überblicken, äußerst schwer angemessen zu verstehen. Kein Wunder, dass Christen ihn als Angriff auf ihre Tradition verstanden und lange keinen objektivierend-historisierenden Zugang zu ihm fanden. Doch jüdischen Gelehrten ist es im 19. Jh. gelungen. Dazu Angelika Neuwirth:

„Der Koran galt in Europa als Teufelswerk – bis jüdische Gelehrte ihn im 19. Jahrhundert neu entdeckten und die Islamwissenschaft erfanden. […]

Der wichtigste jener jüdischen Pioniere war Abraham Geiger aus Frankfurt am Main. Seit Jugendtagen hatte er sich auf eine Laufbahn als Rabbiner vorbereitet, dann aber ein Studium der orientalischen Philologie in Heidelberg begonnen. 1830 wechselte er nach Bonn, wo er sich auch wieder der Theologie zuwandte. Seine Pionierarbeit Was hat Mohammed aus dem Judenthume aufgenommen? zeichnete die Universität Bonn 1832 mit einem Preis aus. 1833 erschien sie in gedruckter Form, da war Geiger schon in Wiesbaden zum Rabbiner gewählt worden. Die Universität Marburg verlieh ihm für das Werk einen Doktortitel.

Kurz zuvor hatte Goethe mit seinem West-östlichen Divan (1819/1827) die literarische Entdeckung des Korans initiiert und mit seinem feinen Gespür für poetische Raffinesse einen unbefangenen Blick auf den Text ermöglicht. Doch es waren Forscher wie Abraham Geiger – junge Akademiker, die selbst im Kreuzfeuer der Polemik von christlicher wie jüdischer Seite standen –, die den Boden für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Islam bereiteten. […]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich aus der Arbeit der jüdischen Wissenschaftler die allgemeine Islamwissenschaft; besonders das Werk des Gelehrten Ignaz Goldziher (1850–1921) aus Österreich-Ungarn setzte Standards, die bis heute gültig sind. In seinen Muhammedanischen Studien, die 1889/90 erschienen, erforschte er die Hadithe, also die Überlieferungen dessen, was Mohammed gesagt und getan haben soll. […]

Der Koran ist denn auch, liest man ihn mit historisch-kritischem Blick, ganz und gar das Dokument einer religiösen Debatte, die um die biblische Tradition kreist und sie erneuern will. Er ist gerade nicht, wie die antiislamische Polemik es will, eine missverstandene Reproduktion der Bibel selbst, sondern eine neue Auslegung.

Die Entstehung und Expansion des Islams im 7. und 8. Jahrhundert trägt dabei durchaus Züge einer Reformation. So wie Luther die Aneignung religiösen Wissens zur Sache jedes einzelnen Gläubigen erklärte und damit aus der Institution der katholischen Kirche befreite, so unterstellte auch der Islam die Gläubigen als Individuen einer neuen ethischen Ordnung. Mohammed ist nicht umsonst mit Luther verglichen worden: Auch er wirft die Vorherrschaft bestehender Institutionen ab, auch er grenzt das Rituelle auf minimale Zeremonien ein. Der Koran stiftet eine „kommunitäre Religion“, in welcher der Zusammenhalt der Gemeinde nicht mehr auf angeordneten Opfern, sondern auf der persönlichen Frömmigkeit des Einzelnen beruht.

Die politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Parallelen zum Reformationszeitalter sind nicht minder verblüffend: Wird die Wende in Europa nach 1517 durch die Verbreitung der Gutenbergschen Drucktechnik immens beschleunigt, so ermöglicht im Islam eine ähnlich bahnbrechende Neuerung – die Entwicklung der Papierherstellung im 8. Jahrhundert – die Verschriftlichung und Publikation von bis dahin nur mündlich tradiertem Wissen. Schrift und Buch gewinnen höchste Bedeutung; Gott selbst gilt im Islam als Schriftproduzent, der über ein himmlisches Archiv wacht. […]“

(Licht aus dem Osten von  ZEIT 44/2017 26.10.17 – Links im Text von mir hinzugefügt)

Soziales Bekenntnis der Evangelisch-methodistischen Kirche

15. Oktober 2017

Wir glauben an Gott, den Schöpfer der Welt,
und an Jesus Christus, den Erlöser alles Erschaffenen,
und an den Heiligen Geist,
durch den wir Gottes Gaben erkennen.

Wir bekennen, diese Gaben oft missbraucht zu haben
und bereuen unsere Schuld.

Wir bezeugen,
dass die natürliche Welt Gottes Schöpfungswerk ist.
Wir wollen sie schützen
und verantwortungsvoll nutzen.

Wir nehmen dankbar
die Möglichkeiten menschlicher Gemeinschaft an.

Wir setzen uns ein für das Recht jedes Einzelnen
auf sinnvolle Entfaltung in der Gesellschaft.

Wir stehen ein für das Recht
und die Pflicht aller Menschen,
zum Wohl des Einzelnen
und der Gesellschaft
beizutragen.

Wir stehen ein für die Überwindung
von Ungerechtigkeit und Not.

Wir verpflichten uns zur Mitarbeit
am weltweiten Frieden
und treten ein für Recht und Gerechtigkeit
unter den Nationen.

Wir sind bereit,
mit den Benachteiligten
unsere Lebensmöglichkeiten zu teilen.
Wir sehen darin eine Antwort auf Gottes Liebe.

Wir anerkennen Gottes Wort
als Massstab in allen menschlichen Belangen
jetzt und in der Zukunft.

Wir glauben
an den gegenwärtigen und endgültigen Sieg Gottes.
Wir nehmen seinen Auftrag an,
das Evangelium in unserer Welt zu leben.

Amen.

http://www.emk-kircheundgesellschaft.ch/de/soziales-bekenntnis/das-soziale-bekenntnis.html

Gottesdienst am 15.10.2017 in der ev-methodistischen Erlöserkirche in Karlsruhe

Manfred Walz überträgt das Gleichnis vom Hausbau an der Orgel in dramatische Klänge. Heitere Lieder zum Mitsingen spielt die Band der Gemeinde mit Timo Körner (Keyboard), Günther Mayer (E-Bass), Berthold Wolfinger (Schlagzeug) und Boglárka Mitschele (Gesang).

Nach der Sendung gibt es ein telefonisches Gesprächsangebot der evangelischen Kirche unter der Telefonnummer: 0700 – 14 14 10 10 (6 Cent/Minute. Mobilfunkkosten abweichend).