Archive for the ‘Literatur’ Category

Shakespeare Sonnet 73

29. Oktober 2014

SONNET 73

That time of year thou may’st in me behold
When yellow leaves, or none, or few, do hang
Upon those boughs which shake against the cold,
Bare ruin’d choirs, where late the sweet birds sang.
In me thou see’st the twilight of such day,
As after sunset fadeth in the west,
Which by-and-by black night doth take away,
Death’s second self, that seals up all in rest.
In me thou see’st the glowing of such fire
That on the ashes of his youth doth lie,
As the death-bed whereon it must expire
Consum’d with that which it was nourish’d by.
This thou perceivest, which makes thy love more strong,
To love that well which thou must leave ere long.

Kongenial übersetzt von Michael Mertes. Ich gebe zu, dass ich die Übersetzung zuerst kennen und lieben lernte: Die herbstlichen Farben, die Ähnlichkeit der eigenen Lebenssituation mit dem Herbst von Ende Oktober / Anfang November, die menschliche Haltung.
Natürlich findet sich das im Barock tausendfach; aber so wenig artifiziell mit so großem Kunstverstand gesagt, berührt es mich sehr.

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Hilaire Mbakop: Mambés Heimat

6. Oktober 2013

Wer sich sein heiles Bild von Afrika bewahren möchte: Sahara, Nil, Pyramiden, Serengeti und Badestrände am Meer, der sollte dies Buch besser nicht lesen.

Doch wenn er verstehen möchte, weshalb so viele Afrikaner so gar nicht „heimattreu“ sind, weshalb sie große Strapazen, ja ein
monatelanges, manchmal jahrelanges Wanderleben auf sich nehmen, um endlich an der Mittelmeerküste in das Schlauchboot zu steigen, das sie nach Europa, dem Kontinent der unbegrenzten Möglichkeiten und der Freiheit, bringen wird, dann ist „Mambés Heimat“ für ihn der richtige Zugang.

„Nachdem Mambé 20 Jahre in Amerika verbracht hatte, kehrte er in seine Heimat zurück.“ So lautet der erste Satz.
Rückkehr zum Ort der Kindheit? Eine Welt der Abenteuer? Ein Start-up, das die alte Heimat „fit für die Zukunft“ macht? Was erwartet uns?
Zunächst einmal Hitze ohne Klimaanlage, halsbrecherische Autofahrten über von Schlaglöchern durchsiebte Straßen und die allgegenwärtige Korruption. In Jaunde (Yaoundé) lernt man dann
gesellschaftliches Leben von Kamerun kennen. So in einer der fünf Warteschlangen in der Bank, wo Mambé stundenlang warten muss, um Geld abholen zu können.
Das nützt ein „Verrückter“ aus, um den Wartenden eine Rede zu halten. Mit wirtschafts- und regierungskrischen Tönen weckt er allgemeines Interesse, bis er eine Bombe ankündigt, mit
der er das Land von der Diktatur befreien und sich selbst zum Präsidenten machen will. Auch will er einen Bestseller schreiben, den er bereits im Kopf habe.
Danach beginnt ein längerer Abschnitt, der in diesem Bestseller des „Verrückten“ stehen könnte. Immer wieder folgen auf kurze Erlebnisse Mambés reflektierende Passagen, in denen über die
Verhältnisse in Kamerun berichtet wird. So, als der im Hotel im Kabelfernsehen einen französischen Tierfilm sieht:

„Das kamerunische Fernsehen wäre nicht in der Lage gewesen, eine solche Sendung zu produzieren. Dazu müssten die Journalisten über eine gute technische Ausrüstung verfügen. In der Schule, in der die kamerunischen Journalisten ausgebildet wurden, fand man nur veraltete Geräte. Die meisten davon waren nicht funktionstüchtig. Schlimmer
als die schlechte Ausrüstung dieser Schule war die Tatsache, dass sie die Kritikfähigkeit der Menschen unterdrückte. Sie brachte linientreue Journalisten hervor. Das war ihre einzige Aufgabe. […] 

Der Staat hatte auch seine eigene Presse. Sie war ebenfalls linientreu. Wenn der Präsident sich ins Ausland begab, erzählte er gern dort, dass die kamerunische Medienlandschaft vielfältig sei. Das stimmte ja auch. Aber wenn er hinzufügte, dass diese Medienvielfalt mit der Pressefreiheit einherging, war es falsch. Denn die privaten Medien
unterlagen der Zensur. Ein Journalist, der sich kritisch über die Regierung äußerte, wurde ohne Gerichtsurteil ins Gefängnis geworfen oder gar liquidiert. Gleichzeitig wurde seine Wohnung durchsucht. Es war verboten, sich über den Gesundheitszustand des Staatschefs zu äußern. Der Herausgeber einer Privatzeitung wurde inhaftiert, weil er einmal gesagt hatte, dass der Präsident krank sei. Tatsächlich war dieser krank. Er war nämlich nach Europa gereist, um sich behandeln zu lassen.“ (S.58/59)

 
Anschaulich wird es, als Mambé auf Wohnungssuche geht. Mit Maklern macht er bald übergenug schlechte Erfahrungen. Stets muss er die Gebühr im Voraus bezahlen und dann bekommt er nie etwas Brauchbares angeboten.
Schließlich sucht er auf eigene Faust in den Vierteln, wo er hoffen darf, etwas Preisgünstiges zu finden.
Jetzt streift er durch Gassen, die so eng sind, dass sie den Tag in Nacht verwandeln, er wird immer wieder in Schwaden von Gestank eingetaucht und erlebt öffentliches Familienleben.

„Wenn man sich in den Armenvierteln Yaoundés befand, brauchte man nicht lange zu warten, um das, was man dort „kostenloses Theater“ nannte, zu sehen. Die Szenen des Dramas spielten sich auf der Straße ab und überboten sich gegenseitig an Sensation und Tragik. In den vornehmen Vierteln dagegen waren solche Geschehnisse eher selten.
Ihre Einwohner befanden sich hinter den hohen Mauern, die ihre Villen umgaben, oder in ihren Privatfahrzeugen, deren Fenster meistens aus Rauchglas waren. Die wenigen Probleme, die sie hatten, ließen sie die Passanten nicht mitbekommen. Die Armen hingegen hatten zu viele Probleme und scheuten sich nicht, sie vor aller Augen zu besprechen.
Man wanderte durch die Straßen und sah und hörte eine skandalöse Geschichte um die andere.“ (S.114f.)

Diese skandalösen Geschichten prägen den letzten Teil des Buches, bis Mambé sich entschließt, zur Abwechslung mal ein Motorradtaxi zu besteigen, von dem man freilich nicht viel Gutes gelesen hat.

„Vor ihnen stand ein Haus in Flammen. Fünf Personen waren damit beschäftigt, Wasser aus einem Ziehbrunnen zu schöpfen und es in die aus dem Haus schlagenden Flammen zu schütten. Doch ihre Aktion war wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Einige Kinder weinten. Die schaulustige Menge schrie weiter. Die Brandstifterin war eine Frau von 30 Jahren. Nach ihrer Aktion hatte sie sich aus dem Staub gemacht. Ihr Ex-Freund war unter denjenigen, die das Feuer
verzweifelt zu löschen versuchten. Sie hatte das Haus, in dem er wohnte, in Brand gesteckt, weil er sie angelogen hatte. Als sie mit ihm zusammen gewesen war, hatte er ihr häufig gesagt, dass er nur sie liebe und nur sie heiraten würde. Dann hatte er sein Wort gebrochen und eine andere geheiratet.“ (S.116)

 
Konventioneller wäre es, wenn Mbakop uns eine dieser Geschichten ausgestaltet und möglichst dramatisch erzählt hätte. So aber zeigt er uns eine Art Dokumentarfilm mit vielen kurzen Szenen und begleitendem intensivem Geruchskino.

Faszinierend ist daran die Authentizität. Was uns sonst nur gefiltert durch eine Übersetzung und entsprechende Bearbeitung erreichen würde, ist hier der Originalwortlaut des Verfassers. In seiner Muttersprache gibt es keinen Buchmarkt, er publiziert nur auf Deutsch und Französisch. Und man darf annehmen, dass in “Mambés Heimat” einiges von dem eingeflossen ist, was er nach seiner Rückkehr von einem Studienaufenthalt in Deutschland in seiner Heimat Kamerun erfahren hat.
Hilaire MbakopMambés Heimat.
Ein Streifzug durch den Alltag Kameruns. Roman, Athena-Verlag, 2007. 172 Seiten, broschiert. ISBN: 978-3-89896-294-0

Karl Mays Helden- und Höllenreise

3. Mai 2013

Karl May wurde vom Zuchthäusler zum erfolgreichsten deutschen Jugendschriftsteller, doch dann kam für ihn die Hölle.

Wie das zuging, versuche ich einmal anhand des Schemas der Heldenreise des amerikanischen Mythenforschers Joseph Campbell vorzuführen. 
Besonderen Reiz hat das Verfahren für mich, weil Karl May seinerseits zwei Gestalten geschaffen hat, die über Generationen hin männlichen Jugendlichen als Helden vorgeschwebt haben: Old Shatterhand und Winnetou. Ich werde deshalb im Folgenden die einzelnen Stationen des Mythenforschers durchgehen und anzugeben versuchen, ob sich in Karl Mays Leben oder in dem seines alter ego Old Shatterhand diese Stufe nachweisen lässt.
Dabei hilft mir das Karl-May-Wiki, das die Stationen des Lebens Karl Mays genau dokumentiert und auch die Gestalten seiner Bücher recht genau vorstellt.
1. Ruf: Erfahrung eines Mangels oder plötzliches Erscheinen einer Aufgabe
Karl May wurde aus der Lehrerausbildung ausgeschlossen und damit arbeitslos. Er versuchte, sich durch das Schreiben von Erzählungen über Wasser zu halten, aber erfolglos. Die Aufgabe, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, versucht er durchHochstapelei zu erfüllen.
Eine Erfahrung des Mangels gibt es bei Old Shatterhand nicht. Er tritt von Anfang an als ein Mann von Talenten auf, der – ohne sich zu bewerben – eine Ingenieursstelle angetragen bekommt.
2. Weigerung : Der Held zögert, dem Ruf zu folgen, beispielsweise, weil es gilt, Sicherheiten aufzugeben.
Wenn es Karl Mays Aufgabe war, Schriftsteller zu werden, so zögert er in der Tat, dem Ruf zu folgen, weil er als Hochstapler erfolgreicher ist. Old Shatterhand weiß von Anfang an, was er wert ist.
3. Aufbruch: Er überwindet sein Zögern und macht sich auf die Reise.
Karl May versucht es lange nicht ernsthaft mit dem Schreiben, sondern immer wieder mit Hochstapelei, bis er im Zuchthaus landet. Dort entwickelt er freilich schon erste Pläne, was er schreiben könnte.
Old Shatterhand kennt kein Zögern, meist erleben wir ihn erst nach dem Aufbruch.
4. Auftreten von Problemen, die als Prüfungen interpretiert werden können.
Karl May ist immer wieder ohne Arbeit und wird bei seinen Hochstapeleien ertappt und ins Gefängnis geworfen.
Bei Old Shatterhand treten ca. alle 10 Seiten  auf, die ihn aber meist nicht ernsthaft auf die Probe stellen können.
5. Übernatürliche Hilfe: Der Held trifft unerwartet auf einen oder mehrere Mentoren.
Karl May trifft auf den Verleger Heinrich Gotthold Münchmeyer. Der hat ein ganz normales Geschäftsinteresse.

Old Shatterhand trifft auf Sam HawkensDick Stone und Will Parker (das noch sehr normale „Kleeblatt“ von Westmännern), die ihm vieles beibringen wollen, im Zweifelsfallweiß er es aber aufgrund seiner Lektüre besser. Zunächst ist ihm freilich Winnetou, eine Gestalt mit geradezu mythischen Fähigkeiten, wirklich überlegen.

6. Die erste Schwelle: Schwere Prüfungen, Kampf mit dem Drachen etc., der sich als Kampf gegen die eigenen inneren Widerstände und Illusionen erweisen kann.
Karl May hat ständig Prüfungen zu bestehen, um sich beruflich durchzusetzen.

Old Shatterhands große Probe ist sein Kampf mit Intschu-tschuna. Um Leben und Tod geht es bei ihm zwar immer wieder, doch macht es ihm wenig aus,  weil er sich seiner selbst sicher ist.

7. Fortschreitende Probleme und Prüfungen, übernatürliche Hilfe.
Karl May: Er hat lange Zeit Probleme. Der Helfer, der ihm zum Durchbruch als Schriftsteller verhilft, ist Friedrich Ernst Fehsenfeld, der Karl Mays Erzählungen als gesammelte Reiseromane herausgibt.
Old Shatterhand ist der unermüdliche Helfer aller Bedürftigen. Er selbst braucht – von seiner Meisterlehre bei Winnetou ab – keine Hilfe. Selbst wenn er einmal in Gefangenschaft gerät und in Todesgefahr schwebt, kann er meist sich selbst befreien. Wird er befreit, zeigt er bald darauf seinem Befreier, wer der Fähigere ist.
8. Initiation und Transformation des Helden: Empfang oder Raub eines Elixiers oder Schatzes, der die Welt des Alltags, aus der der Held aufgebrochen ist, retten könnte. Dieser Schatz kann in einer inneren Erfahrung bestehen, die durch einen äußerlichen Gegenstand symbolisiert wird.
Karl May lernt es, in erstaunlichem Tempo erfolgreiche Romane zu schreiben. Das Zeichen seines Arriviertseins wird sein Haus, die Villa Shatterhand.
Old Shatterhand schließt Blutsbrüderschaft mit Winnetou.
9. Verweigerung der Rückkehr: Der Held zögert in die Welt des Alltags zurückzukehren.
Karl May identifiziert sich mit seinen Helden und ihren Fähigkeiten. Er gibt vor, wirklich viele indianische Sprachen zu beherrschen und in all den Ländern, von denen er berichtet, gewesen zu sein. Er will als mehr gelten denn als erfolgreicher Schriftsteller.
Old Shatterhand zögert nicht zurückzukehren, vielmehr deutet er mehrmals an, dass es ihn an seinen Schreibtisch zurück zieht. Er wird nur immer wieder durch neue Abenteuer daran gehindert.
10. Verlassen der Unterwelt: Der Held wird durch innere Beweggründe oder äußeren Zwang zur Rückkehr bewegt, die sich in einem magischen Flug oder durch Flucht vor negativen Kräften vollzieht.
Karl May wird seine Karriere als Hochstapler nachgewiesen, und es wird an seinen Reisen gezweifelt
Old Shatterhand
 braucht nicht zu fliehen. Er handelt frei.
11. Rückkehr: Der Held überschreitet die Schwelle zur Alltagswelt, aus der er ursprünglich aufgebrochen war. Er trifft auf Unglauben oder Unverständnis, und muss das auf der Heldenreise Gefundene oder Errungene in das Alltagsleben integrieren. (Im Märchen: Das Gold, das plötzlich zur Asche wird.)

Als Karl May entlarvt zu werden droht, lässt er Kostümfotos als Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi von sich machen, lässt die Waffen Old Shatterhands aus den Büchern in der Wirklichkeit nachbilden. Er reist in den Orient und schreibt Bücher, die deutlich erkennen lassen, dass sie fiktiv sind. Darin schildert er aber allegorisch Wirklichkeit, wie er sie selbst erlebt hat.

Old Shatterhand trifft auf Unglauben immer nur, wenn er sich als der große Held zu erkennen gibt, der er ist. Dagegen nimmt man ihm immer wieder ab, dass er ganz unerfahren sei.
12. Herr der zwei Welten: Der Heros vereint Alltagsleben mit seinem neugefundenen Wissen, und lässt somit die Gesellschaft an seiner Entdeckung teilhaben.
Karl May wollte als dieser Herr beider Welten anerkannt werden und viele seiner Anhänger – und sicher auch manche heutige Leser – nahmen und nehmen es ihm ab. Aber die Öffentlichkeit, auf die es ihm ankam, verweigerte ihm die Anerkennung, als er seine ursprüngliche Aufgabe, seinen Lebensunterhalt zu sichern, grandios gemeistert hatte.
Old Shatterhand hat in seiner Welt nicht nötig, mit dem Hinweis auf sein Schriftstellertum Eindruck zu schinden. Aber er deutet gelegentlich an, dass er Schriftsteller ist.
Fazit:
Wenn man Karl May mit Old Shatterhand vergleicht, stellt man fest, dass nur Karl May die mythische Heldenreise gemacht hat. Old Shatterhand hat allzu viele Stufen der Reise ausgelassen. Die eigentlich mythische Figur ist also er selbst. Sein Held ist dafür viel zu glatt.
Mays Unglück war, dass er den dauerhaften Erfolg der Heldenreise nur dem von ihm erschaffenen Helden verschaffen konnte. Er selbst verlor die Anerkennung als großer Schriftsteller und wurde erst über dieser Enttäuschung zu mehr als einem höchst erfolgreichen Vielschreiber.
Für Verbesserungen meines Versuches bin ich dankbar, aber auch für Kritik und Nachfragen. Vielleicht reizt es Sie aber auch, an einer anderen  Heldengestalt zu testen, ob sie die Stationen durchlaufen hat.
 
Dieser Text wurde zuerst am 9.2.2011  in „Bücher“ (http://literarisch.posterous.com) veröffentlicht.

Wenn die Börsenkurse fallen

30. Oktober 2008

dann entsteht auch einmal etwas, was man Volkspoesie nennt, ein hübsches anonymes Gedicht. Das wird mehrmals zitiert und schon hat Tucholsky ein neues Gedicht geschrieben. So entsteht ein Internetgerücht.
Die Tucholskygesellschaft weist inzwischen ganz offiziell darauf hin, dass das Gedicht nicht von ihm ist.

Muckensturm

29. September 2008

Muckensturm Ein Jahr im Leben einer kleinen Stadt. ist ein Schlüsselroman von Paula Buber, geb. Winkler, der Frau von Martin Buber, über die Verhältnisse in Heppenheim an der Bergstraße.

Sie veröffentlichte ihn unter dem Pseudonym Georg Munk. Er erschien 1953 in Heidelberg bei Lambert Schneider. Er löste große Empörung über die vermeintlich tendenziöse und verfälschende Darstellung in der Kleinstadt aus. Dabei zeichnet er ein sehr lebendiges und differenziertes Bild der Reaktionen der Kleinstadtgesellschaft auf den Nationalsozialismus. Etwa im Bild des Reaktionärs, der im Nationalsozialismus die Verwirklichung seiner Ideale gekommen glaubt und sich als Obernazi empfindet, dann aber bald mit der NS-Obrigkeit in Konflikt gerät, weil er nicht zur absoluten Unterordnung unter die aufgestiegenen Opportunisten bereit ist.

Pustkuchen

26. September 2008

In der Frühzeit der Geltung des Urheberrechts ergab sich eine merkwürdige Art seiner Verletzung, der selbst heute nicht leicht beizukommen wäre. Da Goethe Wilhelm Meisters Lehrjahre über Jahre hin nicht fortsetzte, sondern nur die Fortsetzung ankündigte, ergriff der Lehrer Pustkuchen die Initiative und veröffentlichte 1821 anonym eine Parodie auf Goethes Wilhelm Meisters Wanderjahre drei Monate, bevor Goethes Werk erschien. Mit dem Nimbus der Lehrjahre Goethes im Rücken gewann Pustkuchens Roman eine breite Leserschaft, während Goethes eigener Roman als zu langweilig sich nicht recht verkaufte. Rowling hatte diese Art von Urheberrechtsverletzung im Blick, als sie Harry Potters Leben bis in seinen Verlust der Zauberfähigkeit verlängerte und im Epilog ihres letzten Romans vorstellte.

vorgemerkt

19. September 2008

Uwe Tellkamps Der Turm ist, den Rezensionen nach zu urteilen, etwas für mich. Man kennt freilich die Urteile wie „chinesische Buddenbrooks“ für den „Traum der roten Kammer„. Aber ich bin gespannt.

notiert

16. September 2008

„Outside a dog, a book is your best friend. Inside a dog, it’s too dark to read.“

(Groucho Marx)

Goethe – kompakt oder zerstückelt?

28. August 2008

Das gesamte dramatische und lyrische Werk Goethes ohne Pause in etwa 50 Stunden gelesen. Das ist kompakt.
Aber von über 1000 Schülerinnen und Schülern, jede(r) nur um 200 Sekunden lang. Das ist zerstückelt.

Rekordverdächtig. Hier zu sehen und auch diskutiert. Wie sinnlos ist das Ganze? Wodurch könnte es Sinn erhalten? Darf Unterrichtszeit der Schüler verschwendet werden? Lesenächte für Schüler gibt es schon lange; aber doch nicht zum Zusehen.
Eventcharakter liegt vor. Fersehanstalten melden sich an. Hat es Sinn, wenn am Schluss mehr zählt, dabei gewesen zu sein, als einen einzigen Satz verstanden zu haben?
Wo geschieht das? Natürlich an einem Goethe-Gymnasium. Was sagt das über den Bildungsstand an Gymnasien aus. Vermutlich nichts, oder?

und der Menschenfreund braucht keine Zweifel zu haben …

14. Juni 2008

Die Derwische sind erschlagen und versprengt. Sie lebten durch das Schwert. Weshalb sollten sie nicht durch das Repetiergewehr umkommen? Eine Herrschaftsform wurde hinweggefegt, die, selbst wenn sie den Betroffenen erträglich gewesen wäre, für die zivilisierte Welt ein Ärgernis war. Die Welt ist den Khalifa los – mit seiner ganzen Habe. Die Macht der Mahdisten ist für immer gebrochen, die Anhängerschaft zertreut, und der Menschenfreund braucht keine Zweifel zu haben, daß, was sich im Sudan 1898 abgespielt hat, zum Besten der Welt, Englands und Ägyptens geschehen ist. Wie indessen ist es um den Sudan selber bestellt?

Keine Zweifel?

Die Ausschnitte aus Churchills Roman River War werden zu Recht in diesen Tagen im Feuiellton der FAZ veröffentlicht, besonders dieser. Sie sollten uns anleiten, die Folgen unseres Handelns in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Auch die des Handelns und Nicht-Handelns im Darfur-Konflikt.