Archive for the ‘Psychologie’ Category

Das Ich ein intentionaler Begriff

3. Oktober 2013

Wie Liebe und Gerechtigkeit sei das Ich ein intentionaler Begriff, meint die Publizistin Ursula P. Jauch (SZ 2.10.13).

Dazu sieh auch Funktionen des Ich.

Wer bin ich? (4)

11. März 2010

Zunächst möchte ich jetzt die Sicht Freuds einbringen: Das Ich als die Instanz, die sich aus dem Widerstreit zwischen den Forderungen der Triebe (dem Es) und den Erwartungen von außen (Überich) als steuernde herausbildet. Diese Vorstellung hat für mich mehr Erklärungswert als der Ego-Tunnel Metzingers.
Freud ist inzwischen weitgehend ins Allgemeinwissen eingegangen.
Dagegen ist das Bewusstsein dafür, dass ein Identitätsbewusstsein die Voraussetzung für ein sinnvoll steuerndes Ich ist, nicht ganz so allgemein verbreitet.
Dazu möchte ich – möglichst bald – eine Geschichte erzählen. Es ist eine Geschichte von Gedächtnisverlust, wie sie literarisch wertvoll Kathrin Schmidt in Du stirbst nicht gestaltet hat. Für meine Zwecke reicht aber eine ganz kurze Geschichte über einen Bekannten von mir.

Er kam eines Tages von einem Spaziergang nach Hause und erkannte (stressbedingt) Frau und Kinder nicht mehr. Zum Glück war sein Sohn wegen der Semesterferien zu Hause und war bereit, viel Zeit aufzuwenden. Tagelang ließ mein Bekannter sich erzählen und fragte ihn aus. Denn er wusste nicht nur nichts über seine Familie, sondern auch nichts mehr über seinen Beruf, seinen Arbeitgeber usw. .

Ohne Erinnerung an unser früheres Selbst haben wir keine Orientierung mehr im Leben, haben keine Ahnung, woran wir anknüpfen können … .

Wer bin ich? (3)

23. Februar 2010

Wer bin ich? Oder, um den objektivierenden Blick anzudeuten, besser gefragt: Wer ist ich?

Doch weil uns das zu befremdend vorkommt, vorläufig distanzierter gefragt: Wer ist Ich?

Doch wohl jemand, der zwischen sich und der Umwelt zu unterscheiden weiß, wer ein Bewusstsein von sich selbst hat.

Das Neugeborene kann das noch nicht. Erst wenn erfahren wird, dass die Umwelt sich durch das Handeln verändert und dass man einen eigenen Willen hat, wird Selbstbewusstsein möglich.

Philosophisch Denkende unterscheiden sich von anderen Ichs dadurch, dass sie ihr Welterleben nicht selbstverständlich nehmen, sondern es durchschauen wollen. Sie machen sich – unabhängig von anderen – ihr eigenes Weltbild. Philosophen kann man sie nennen, wenn sie dabei einen hohen Grad an Unabhängigkeit und Stimmigkeit erreichen.

Der Abstand zur Weltsicht anderer Ichs ist groß. Der Philosoph hat sein Weltbild nicht selbstverständlich. Er hat es sich erarbeitet. Aber er nimmt es nicht spielerisch. Er wählt nicht einfach mal dies Weltbild, mal jenes. Das ist die Sache von Dichtern. Schiller hat sich vom übermäßigen Druck der Kantschen Philosophie befreit mit dem Satz „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ und hat in den „Göttern Griechenlands“ ausgemalt, wie schön und lebensvoll die Welt noch war, als sie noch von diesen Göttern regiert wurden und als die Menschen sie noch verehrten. Doch im selben Gedicht spricht er auch aus, dass diese Götter „Wesen aus dem Fabelland“, also erfunden, waren.

Max Frisch lässt seinen Erzähler in „Mein Name sei Gantenbein“ ganz viele Ichs erfinden und spielt durch, wie diese sein/ihr Leben erleben würden.

Hier legt sich nahe, den Titel „Wer bin ich und wenn ja, wie viele? “ anzuführen. Es ist aber nicht, wie der Titel vermuten ließe, ein psychologisches Buch, sondern ein Buch, das sehr locker in philosophische Fragen einführt, freilich nicht immer ganz exakt.

Schiller hat in seinem „Jüngling zu Sais“ vor der Erkenntnis der Wahrheit gewarnt. („Weh dem, der zu der Wahrheit kommt durch Schuld. Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein.“) Philosophen aber versuchten durchaus so viel von der Wahrheit zu erkennen, wie ihnen möglich war. Erst  im 20. Jahrhundert breitete sich die Vorstellung aus, dass Erkenntnis nicht wirklich möglich sei. (vgl. Hans Vaihinger, Konstruktivismus, Paul Feyerabends „Anything goes.“)

Das psychologische Konzept der Entstehung des Ichs lohnt einen eigenen ausführlicheren Blick. – Vielleicht ergibt sich dafür demnächst eine Gelegenheit.

Wer bin ich? (2)

12. Februar 2010

Bei meiner vorigen Argumentation habe ich (absichtlich) vorschnell die Möglichkeit verworfen, dass man beides ist: so, wie man sich von innen sieht, und so, wie man von außen gesehen wird. Ganz krasse Abweichungen dieser beiden Bilder für entscheidende Bereiche sind außergewöhnlich, meist krankhaft.
Aber selbstverständlich gibt es immer gewisse Abweichungen von Innen- und Außensicht, und es lohnt sich, seine Innensicht durch Urteile von außen in Frage stellen zu lassen. Gegebenenfalls kann man dann versuchen, sie zu korrigieren.
Einen Test, wie man von außen gesehen wird, kann man hier in die Wege leiten.
Speziell für Lehrer gibt es bei schule.net eine Möglichkeit sich von Schülern anonym, aber nicht-öffentlich bewerten zu lassen.

Allerdings habe ich einen Bereich, der es schwerer macht, die Identität einer Person zu bestimmen, weggelassen: das Unbewusste und das Unterbewusste. Schon vor Freud haben manche einiges davon gesehen. Erst seit Freud ist zumindest ein Grobverständnis der Bedeutung des Unterbewusstseins Allgemeingut geworden.

Auch in einem anderen Bereich habe ich zunächst das Verwirrende betont: bei den Erkenntnissen der Gehirnforschung.
Der Widerspruch zwischen Selbsterfahrung und den Erkenntnissen der Gehirnforschung ist nämlich nicht so bedeutsam, wie manche Gehirnforscher ihn darstellen. Denn – wie jede Wissenschaft – so betrachtet auch die Gehirnforschung nur ein Teilsegment der Wirklichkeit und das mit spezifischen, speziell für diesen Bereich entwickelten Methoden. Niemand wird von der Soziologie Erkenntnisse über den Aufbau des Atomkerns erwarten noch von der Physik eine Analyse von Rollenkonflikten.
Freilich behandelt die Gehirnforschung nicht etwa einen Bereich, der mit Psychologie, Pädagogik, Anthropologie und Philosophie nichts zu tun hat. Daher müssen diese Wissenschaften ihre Erkenntnisse einbeziehen und gegebenenfalls ihre bisherigen Annahmen korrigieren. Dazu später mehr.

Vorläufig halte ich an dieser Stelle ein Link zur Psychotherapie als Seelenaufräumungsmittel fest. Die darin angesprochenen Fragen sind m.E. durchaus interessant, ich werde sie vermutlich auch später nur sehr unvollständig behandeln.