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Zhuangzi

15. März 2010

Das Zhuangzi ist in Europa weit weniger bekannt als das Daodejing des Lǎozǐ und das Lúnyǔ des Konfuzius.
Das mag damit zusammenhängen, dass es weniger Weisheitslehren als vielmehr Geschichten enthält. Dabei spricht viel dafür, dass die „inneren Kapitel“ des Zhuangzi die älteste Form des Daoismus enthalten.
Was teils wie ein perspektivisch verschobener Fichte anmutet,

„Gäbe es keinen ‚Anderen‘, gäbe es kein ‚Ich‘. Gäbe es kein ‚Ich‘, gäbe es nichts, was den ‚Anderen‘ wahrnähme. … was macht, dass dem so ist, das weiß ich nicht.“

„Jede Bejahung ist die Verneinung von etwas anderem, und jede Verneinung ist die Bejahung von etwas anderem.“

gipfelt nach Geschichten über den Fisch Kun, den Vogel Peng und den Kaiser Yao in den Sätzen:

„Der höchste Mensch hat kein Ich.

Der spirituelle Mensch hat nichts geleistet.

Der Weise hat keinen Ruhm.“

Philosophie ohne Wahrheit

10. September 2008

Asiatische Philosophie versucht nicht, durch radikale Kritik an jeder Tradition ein allein auf kritische Vernunft aufgebautes System zu schaffen, wie es in Europa im Gefolge von Descartes viele Denker versucht haben. Vielmehr baut sie bei aller Weiterentwicklung auf die alten Traditionen auf.
All diesen Traditionen ist gemeinsam, dass sie nicht nach einer Ursache hinter der Welt (nach Transzendenz) fragen, sondern die Realität als solche hinnehmen und aus dem gemeinsamen Vorverständnis zu erklären suchen. Deshalb geht es hier nicht um logische Beweise, die Allgemeingültigkeit, jederzeit und überall, beanspruchen, sondern um das Aufdecken von Ähnlichkeiten, Beziehungen, Analogien, die die Welt verständlicher machen sollen. Dafür wird häufig mit Parallelen, Metaphern und Bildern gearbeitet.