Posts Tagged ‘Bankenkrach’

Vom Vogel Strauß zum schwarzen Schwan – Wie man sich erfolgreich weigert, aus der Finanzkrise zu lernen

10. Dezember 2008

Wir kennen das Prinzip „Vogel Strauß“, dass man den Kopf in den Sand steckt, wenn man Gefahren nicht sehen will. Was macht man aber, wenn bereits Kopf und Federn versengt sind, so dass alles sich blind stellen nichts hilft?
Auch für diesen Fall gibt es einen Ausweg.
Die Tatsache der Finanzkrise ist nicht zu leugnen. Inzwischen sind auch die Folgen für die Realwirtschaft nicht mehr abzustreiten. Aber man kann auch behaupten, für die Finanzkrise gebe es überhaupt keinen Grund, sondern sie sei nur durch einen dummen Zufall entstanden. Nassim N. Taleb hat in seinem Buch Der schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse allerlei angebliche Zufälle angeführt, so auch das Attentat auf das Welthandelszentrum vom 9.11. 2001, und die Welt am Sonntag findet prompt heraus, damit habe er auch die einzig mögliche Ursache der Finanzkrise gefunden. Selbstverständlich seien dauerhafte Renditen von 25% in der Finanzbranche ohne größeres Risiko möglich, selbstverständlich hätten die Immobilien in den USA ohne Probleme weiter im Preis steigen können. Nur eine unglückselige Verkettung von Zufällen habe dazu geführt, dass gegen jede Wahrscheinlichkeit der Immobilienmarkt zusammengebrochen sei.
Nachzulesen dies alles im Schwarzen Schwan.

Was wollen die Banken? Wie man aus der Finanzkrise nichts lernt (3)

26. November 2008

Die Welt am Sonntag behauptet von den Banken, sie handelten gegenwärtig nach dem Grundsatz:

Nur kein Geld verleihen. Jeder Euro wird gehütet wie ein Goldschatz, …

Richtig ist, dass sie anderen Banken kein Geld mehr leihen wollen, weil sie denen nicht vertrauen und zwar völlig zu recht. Dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau Hunderte von Millionen an Lehmann Brothers überwiesen hat, als diese schon pleite war, wird zu recht kritisiert.
Aber dem zuverlässigen Kleinsparer gibt man gerne Kredit. Denn natürlich gehört es zum Geschäft der Banken, durch Verleihen von Geld Geld zu verdienen. Nur an solch unsichere Kantonisten wie Banken und von der Wirtschaftskrise bedrohte Großunternehmen – wie zum Beispiel General Motors, lange Zeit der größte Automobilbauer und zeitweise das größte Unternehmen der Welt – will man keinesfalls mehr Geld herausrücken.

Was die Banken sich wünschen, ist, dass möglichst bald alles wieder von vorn beginnt und nur nichts geändert wird. Dafür muss der Steuerzahler einige hundert Milliarden Euro bzw. Dollar bereitstellen, bis der kleine Mann keine Angst mehr vor den Banken hat und man wieder an ihm verdienen kann. Nur Regulierung darf nicht sein.

Das kann man dem Interview der Schülerinnen der 7. Klasse mit Josef Ackermann in der Welt am Sonntag entnehmen. Da sagt er nämlich:

Deshalb ist es so wichtig, dass der Staat jetzt den Banken Garantien anbietet, im Notfall für die Schulden einzustehen. Damit soll der Geldverkehr wieder in Gang gebracht werden. […]
Wenn der Staat jetzt schnell und entschlossen hilft, und das passiert ja auch, wird es hoffentlich bald wieder besser.

Was er sich von dieser Staatshilfe verspricht, ist auch klar:

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Position der Deutschen Bank nach dieser Krise stärker sein wird als vorher. Wir sind bisher besser als die meisten anderen Banken durch diese schwierige Zeit gekommen und wir sind auch für die Zukunft richtig aufgestellt.

Freilich, der kleine Mann wird noch einige Zeit zu bluten haben. Ackermann dazu:

Die Finanzkrise wird uns noch einige Zeit begleiten. Ich glaube, wir werden noch zwei, drei Jahre unter dieser Krise leiden.

In dieser Zeit will er von seinen 14 Millionen Euro Jahresgehalt auch armen Leuten helfen, nur will er es „nicht an die große Glocke hängen“.

Und ganz fest vertraut er darauf, dass Merkel („Wir haben ein Vertrauensverhältnis zueinander.“) den Banken aus der Krise hilft. Was sagt er dazu?

Als Chef eines Unternehmens muss man trotz aller Beratung mit Kolleginnen und Kollegen am Ende häufig allein entscheiden, und niemand kann einem die Verantwortung für diese Entscheidung abnehmen.

Frau Merkel, Herr Steinmeier und der Steuerzahler sollen dieser Niemand sein.
Damit das auch so funktioniert, hat uns die Welt am Sonntag geholfen, dass wir aus der Finanzkrise nichts lernen.

Ärgerlich wäre es freilich für ihn (und die WamS), wenn wir doch etwas daraus gelernt hätten und gar auch noch durch unser Wahlverhalten erkennen ließen.

Woher kommt das Geld, wo geht es hin?

25. Oktober 2008

Finanzminister Steinbrück sagt voraus, dass die Finanzkrise noch bis Ende nächsten Jahres andauern wird. Denn zur Finanzkrise der Banken kommt jetzt die der Devisenspekulanten. Woher die?
Dass Banken das Geld, was sie in Krediten zur Verfügung stellen, nicht allein aus den Spareinlagen nehmen, sondern dass sie Geld schöpfen, hat man in der Schule gelernt. Dort hieß es aber auch, dass der Staat bzw. die Zentralbanken das Ausmaß der Geldschöpfung regulieren könne. Das ist aber im Zuge der globalisierten unregulierten Finanzmärkte längst nicht mehr der Fall. Vielmehr refianzieren sich die Banken jetzt nicht mehr bei der Zentralbank, sondern bei anderen Banken.
Dazu Wilhelm Hankel, einst Spezialist für Geld und Kredit beim Wirtschaftsminister Karl Schiller:

Die Institute können sich wechselseitig und untereinander anpumpen und aus diesen Schulden (die zugleich die Kredite anderer Banken sind) Kredite nach außen gewähren. Die bankinterne Schulden-Kreditpyramide ersetzt das Staatsgeld, die Zentralbank und den Sparer. Doch nur so lange, wie sie nicht wackelt oder zusammenbricht.
Welch grandiose banktechnische Innovation. Sie macht Kapitalbildung und Kreditbetrug identisch!

Doch damit nicht genug. Devisenspekulanten haben diese billigen Kredite – etwa aus der Schweiz und Japan – in Hochzinswährungen wie die von Island und Ungarn transferiert, so Franken und Yen nach unten spekuliert und ihre Krediten dann billig zurückgezahlt. Jetzt, wo die Kredite nicht mehr zu bekommen sind, müssen sie in Franken und Yen zurückzahlen, deren Kurse schießen nach oben und Island und Ungarn werden für die Sündern der Spekulanten bestraft: Staatsbankrott droht. Das wäre aber noch harmlos, denn das gesamte Geldsystem droht zusammenzubrechen, wenn die Staaten nicht auf diesem Sektor eingreifen – wieder zu Lasten des Steuerzahlers.
Das Schlusswort mag wieder Wilhelm Hankel haben:

Muss die Gesellschaft nun wieder ihre Banken retten?
Sie muss jetzt nur eines: Endlich dafür sorgen, dass die unendliche Geschichte der Finanzkrisen aus dem als Geldfortschritt getarnten Kreditbetrug zu Ende geht. Das globale Kreditgeschäft der Banken gehört an dieselbe Kette gelegt wie das nationale. Nur dann kann der Kapitalismus überleben.

Es muss freilich ein regulierter sein.
Was hat attac seit Jahren vertreten?

Steueroase

21. Oktober 2008

Jahrzehnte wäre Zeit gewesen, jetzt kündigt die Bundesregierung den Kampf gegen Steueroasen an.
Für mich ist sie damit nicht glaubwürdig. Die Maßnahmen zur Vertrauenssicherung bei den deutschen Banken setzen zwar viel Geld aufs Spiel, aber wegen des Prinzips der Freiwilligkeit gehen sie das Risiko ein, dass alles verpulvert ist, bevor die Risikobelastetsten zugeben, dass ihnen das Wasser bis zum Halse steht.

Lohn für die Pleite

18. Oktober 2008

Eine Abfindung in dreistelliger Millionenhöhe erhält Merrill-Lynch-Chef Stan O’Neal dafür, dass er seiner Bank einen Verlust von 8 Milliarden Dollar bescherte.
Nach einer Recherche des Guardian zahlen Wall-Street-Firmen für den schlimmsten Bankenkrach seit 1929 70 Milliarden Dollar als Belohnung. Kein Wunder, dass deutsche Manager ein „Askeseprogramm“ wie die Beschränkung der Gehälter von gescheiterten Bankmanagern auf 500.000 € im Jahr entrüstet zurückweisen.

Moneymaker

18. Oktober 2008

Aus dem Titel des Buches Moneymaker über John Law von Janet Gleeson machte der deutsche Verlag „Der Mann, der das Geld erfand“.
Das Geld geht gewiss nicht auf John Law im ausgehenden 17. Jahrhundert zurück. Aber wie er als Spieler durch genaue Kenntnis von Wahrscheinlichkeiten zu Geld kam und wie er die Mississippi-Kompanie dazu benutzte, Geld zu machen, das ist schon höchst eindrucksvoll.
Die Speklationsblase, die dem französischen Staat erlaubte, zwei Drittel seiner Schulden auf pleitegehende Spekulanten abzuwälzen, erinnert beängstigend an die heutige Fianzkrise. Nur dass damals der Staat die Infation ind Grenzenlose trieb, während er heute für die Fehler der Banker einspringt. Gleich geblieben ist, dass wenige Gewinn machen und die große Mehrheit den Schaden davon trägt.

Zum Umfang der Krise

14. Oktober 2008

Fred Goodwin, Generaldirektor der Royal Bank of Scotland, verliert seinen Posten. Nur wenn er mit seinem privaten Geld genauso unvernünftig umgegangen sein sollte wie mit dem seiner Bank, träfe es ihn hart. Bei ca. 12 Millionen Euro Jahreseinkommen sollte er auch jetzt nicht darben müssen, auch wenn er jetzt nicht die in Bankenkreisen nicht unübliche Abfindung in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe erhält. 2002 wurde er von Forbes zum „globalen Geschäftsmann des Jahres“ erklärt, der Marktwert seiner Bank war größer als der der Deutschen Bank. Jetzt musste die Regierung 60% der Bank übernehmen, um die Pleite zu verhindern. Er ist ein Musterbeispiel dafür, dass das Risiko der Bankgeschäfte nur von den kleinen Angestellten und dem Steuerzahler getragen wird, nicht von dem, der die Fehlentscheidungen zu verantworten hat.
Unser System sieht keine Möglichkeit vor, diese Ungerechtigkeit zu verhindern.
So schlimm das sein mag. Das Problem ist weit größer. Denn die Finanzderivate, die in die Krise geführt haben, die Politik unregulierter Bankengeschäfte, die dazu führt, dass über 98% der Finanztransaktionen nichts mit Handeln mit realen Gütern zu tun hat, sind ja nicht nur zu Rechtfertigung märchenhafter Managergehälter entwickelt worden. Sie dienen ja dazu, eine Krise unseres Wirtschaftssystems zu überwinden, gegen die man kein anderes Mittel gefunden hat: die Stagflation.
Die Reagonomics, die Politik der Steuererleichterungen, die zum Überkonsum in den USA und zu ihren riesigen Auslandsschulden führte, wurde ja auch in Europa begrüßt, weil man aus der Stagflation herausfinden wollte.
Dabei wurde die Stagflation ja durch ein realwirtschaftliches Problem, die Verknappung der Energie, die dann zu erhöhten Preisen führte, hervorgerufen worden. Begegenet wurde ihr dadurch, dass man die Augen vor dem Problem verschlossen hat, künstlich den Ölpreis heruntertrieb und den Konsum durch Schaffung privater Kaufkraft erhöhte. Dabei hätte die Reaktion sein müssen, Energie einzusparen und Arbeitsplätze auf dem Sektor alternativer Energien zu schaffen.
Die Finanzkrise von heute beruht nicht vornehmlich auf der Gier der Manager – die hat es schon immer gegeben -, sondern darauf, dass man auf das realwirtschaftliche Problem die falsche Antwort gab und diese durch die entsprechende Geldpolitik absicherte.

Verstaatlichung von Banken

9. Oktober 2008

Jezt kommt selbst Bush darauf, dass so etwas gut sein könnte. Festgehalten, bevor man es sich anders überlegt.

Wirtschaftsdiktatur

1. Oktober 2008

Spiegel online titelt „Die ganze Welt hofft auf die zweite Abstimmung“ und verweist auf Politiker und „Notenbanker“ rund um die Welt.

Es ist kaum anzunehmen, dass die Bevölkerung in Bagladesh und Myanmar schon etwas über die Bedeutung dieser Abstimmung weiß. Aber auch ich sehe dieser Abstimmung eher gleichmütig entgegen. Natürlich will ich mit Politikern und Notenbankern die Wirtschaftskrise vermieden sehen, die entstehen, wenn man das „Schmiermittel“ Geld nicht reichlich genug für die bereit hält, die Nutznießer des wirtschaftlichen Wahnsinns unregulierter Finanzmärkte waren (und vermutlich auch über eine zweite tiefe Weltwirtschaftskrise hin auch in der Mehrzahl bleiben werden). Aber warum müssen in diesem System ständig die Reichen vor Risiken geschützt werden, indem man die Armen noch ärmer macht? Haben die Repräsentanten der Demokratie wirklich schon keine Möglichkeit mehr, erfolgreich gegen die Wirtschaftsdiktatur aufzubegehren?

Könnte nicht ein heilsamer Schock endlich aufrütteln und zum Handeln auch in der ökologischen Krise bereit machen? Mein Sohn hat schon vor Jahren darauf gesetzt, dass die Menschheit spätestens durch einen Schock vor dem irreversiblen ökologischen Zusammenbruch lernen werde. Ist der Zeitpunkt bereits da?

Aber im Grunde glaube ich nicht daran, dass die US-Abgeordneten auch angesichts der drohenden katastrophalen wirtschaftlichen Entwicklung, die ihnen die Börse in den nächsten Tagen ankündigen wird, hart bleiben.So dass ich eher mit resigniertem Gleichmut eine weitere Verfestigung der Wirtschaftsdiktatur erwarte.

Aber ich hoffe dennoch. Eine kleine Hoffnung bleibt mir doch, dass die Abgeordneten – ähnlich wie der Internationale Währungsfonds es mit Entwicklungsländern in der Krise tut – ihre Regierung verpflichten, die zur Verhinderung einer zweiten Krise dieser Art notwendigen Finanzkontrollen einzubauen und sie so zum Kampf gegen die Wirtschaftsdiktatur verplichten, bevor sie sich auf den Kredit einlassen.

Wer weiß freilich, ob die Börse bis dahin noch mit 700 Milliarden zufrieden ist?

Wer ist schuld an der Bankenkrise?

26. September 2008

Für Hilmar Kopper, ehemals Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, liegt die Schuld eindeutig bei den Verbrauchern: Die Banken hätten sich nicht falsch verhalten. „Gezockt haben doch die Hausverkäufer. Die glaubten, die Hauspreise verdoppeln sich alle zehn Jahre“, erläutert er voll Mitleid mit den armen Bankern, die in gutem Glauben den Zockern die Kredite gegeben haben, die die unverschämterweise „verzockt“ haben.