Posts Tagged ‘Bankensystem’

Überlegungen zur Schaffung eines gesunden Bankensystems

6. März 2009

Was uns Laien als Wahnsinn erscheint, nämlich dass Hunderte von Milliarden zur Rettung von Banken aufgebracht werden, die schlimmere Managementfehler gemacht haben als 90 Prozent aller in Konkurs gegangenen Unternehmen der letzten 10 Jahre, das erscheint offenbar auch manchen führenden Ökonomen als die falsche Strategie. Willem H. Buiter schlägt im Wallstreet Journal vor, man solle nicht die Banken, die sich hineingeritten haben, dafür belohnen, sondern neue Banken gründen, die unbelastet von alten Fehlern wieder bereitwilliger Kredite ausgeben könnten. Die alten Banken müsse man aber dem Stresstest aussetzen, wie sie ohne Regierungsunterstützung zurechtkämen. Was ihn überstehe, das könne beim neuen Bankensystem mitwirken.

Future government support, through guarantees or other means, would be focused exclusively on new lending and new borrowing by the new good banks and those old banks that passed the stress test.

Den Hinweis auf diesen Aufsatz verdanke ich Verlorene Generation.

Mir scheint allerdings nicht sicher, ob das nicht eine Gewaltkur in der Form würde, wie sie unter Jelzin durchgeführt wurde, und die dann die russische Wirtschaft weitgehend hat zusammenbrechen und in die Hände der Oligarchen fallen lassen. Eine Rettung aus der Hand von Oligarchen, wie Putin sie Russland hat angedeihen lassen, möchte ich lieber nicht erleben.
Da scheint mir eine Dauerrezession wie in Japan noch das kleinere Übel, zumal wir ohnehin endlich weltweit zum Nullwachstum bei Rohstoff- und Energieverbrauch kommen müssen.
Wenn die Krise ein Gutes haben könnte, dann dies, dass sie zur Steigerung der Ressourcenproduktivität führte.

Imperiale Überdehnung, Staatsbankrott und Bankensystem

5. März 2009

Paul Kennedy hat den analytisch hilfreichen Terminus „imperiale Überdehnung“ in die historische Fachsprache eingeführt. Dies Phänomen liegt vor, wenn ein Imperium sich überfordert, meist dadurch, dass es sich so weit ausdehnt, dass die Konflikte an den Grenzen und die inneren Konflikte aufgrund einer zu heterogenen Basis des Imperiums so zunehmen, dass sie die Wirtschaftskraft und die Regulierungsfähigkeit des Imperiums überfordern.
Dass George W. Bush die imperiale Überdehnung der einzig verbliebenen Supermacht USA gelungen ist, ist inzwischen bekannt. Ob Obama den Kurs genügend umsteuern kann, dass er mit kooperativer Außenpolitik wieder genügend Handlungsfähigkeit gewinnen kann, ist die Frage, die für die ganze Welt von höchstem Interesse ist.
Doch vorher erst der Blick auf den Staatsbankrott, der 1998 Russland, 2002 Argentinien und 2008 Island – mit unterschiedlichen Folgen – ereilte. In der ZEIT vom 5.3.09 wird auf S. 3 anschaulich dargestellt, wie ein Staat beim besten Willen, eine Krise abzuschwächen, sich in einen Bankrott hineinmanövrieren kann. Da heißt es u.a.:

So bitter die Zahlungsunfähigkeit ist: Sie ist nicht zwingend das Ende für einen Staat. In der Krise ist sie zuweilen, so skurril kann Ökonomie sein, gar die einzige Rettung. […] Doch da ist die Wut der Bevölkerung. Da ist die Erwartung, dass der Staat den alten Wohlstand wiederbringe – und zwar schnell. Und da ist die Politik, die so viele Erwartungen geweckt hat. Noch nie ist es Politikern in westlichen Wohlstandsländern gelungen, den Leuten klarzumachen, dass sie künftig mit weniger zufrieden sein sollen. Dass es mit der Zeit besser wird, nicht schlechter, galt bislang als systemimmanent. Wer Wahlen gewinnen will, so denken die Parteien, muss an dieser Lehre festhalten.

Gegenwärtig stehen eine ganze Reihe von Staaten dicht vor einem Staatsbankrott. In den Medien hören wir in Deutschland vor allem von den betroffnen EU-Staaten. Er droht freilich auch vielen Staaten in der Dritten Welt, die drohen, dann völlig zusammenzubrechen und wie Somalia ein Sammelplatz für internationales Verbrechen zu werden.
Wie weit die EU beim Versuch, ihre Mitglieder zu retten, sich selbst überfordern könnte, ist angesichts der unübersichtlichen Lage wahrscheinlich von niemandem sicher zu beurteilen.
Weshalb aber schreibe ich über diese Schwierigkeiten, die Imperien und Staaten drohen können, im Zusammenhang mit dem Bankensystem? Nicht nur deshalb, weil die Überforderung der Supermacht USA und vieler Einzelstaaten eng mit der Finanzkrise zusammenhängt, sondern deshalb, weil die Finanzkrise ein typisches Beispiel dafür ist, wie eine Supermacht, in diesem Fall das internationale Bankensystem, die weit mächtiger ist als die meisten Staaten der Welt, sich wegen ihres immer weiter ausdehnenden Erfolges so wie das späte Rom, wie das Mongolenreich und in anderer Weise das napoleonische Herrschaftssystem völlig überfordert hat.
Hätten die Banken nicht so erfolgreich nationale und internationale Regulierungsmechanismen ausschalten können, hätten sie noch Jahrzehnte weiter ihre Bonzen mit Superboni versorgen können.
So aber ist es ihnen vielleicht gelungen, die herrschende Weltwirtschaftsordnung zu zerstören.
Ein Fall von imperialer Überdehnung.