Posts Tagged ‘Betrug’

Was für Guttenberg spricht …

28. Februar 2011

Was für Guttenberg spricht:
1. Was er sich vorgenommen hatte, hätte auch andere überfordert. Das Thema war für eine Dissertation zu umfangreich. Professor Häberle hat nicht dafür gesorgt, dass das Thema auf die tatsächlichen Möglichkeiten des Promovierenden zugeschnitten wurde.
2. Er tut anscheinend nur nach außen so, als ob der die Kritik nicht ernst nähme.
3. Im Unterschied zu der Behauptung, Guttenberg habe Betrüger ermutigt, hat er vielmehr – unfreiwillig – darauf aufmerksam gemacht, wie unverfroren bei Promotionen betrogen wird und dass einige Professoren das in einigen Fällen offenbar billigend in Kauf nehmen.
Dass er dazu beigetragen hat, könnte zu einer gewissen Eindämmung der Betrugskultur führen.

Was dennoch gegen Guttenberg spricht:
All das, was für ihn spricht, hat er bisher nicht wahrhaben wollen.

Was zu hoffen ist:
Dass Guttenberg folgenden Hinweis von Ministerpräsident Böhmer beachtet:

Es gibt Dinge, die sind in der Öffentlichkeit merkwürdig schnell vergessen. Andere nicht. Das hat Einfluss auf die politische Bedeutung. (Wolfgang Böhmer (CDU) im Tagesspiegel vom 26.2.11)

Dass der Promotionsbetrug vergessen wird, dafür kann Guttenberg sehr viel tun. Entweder dadurch, dass er zurücktritt oder dadurch, dass er wirklich gute gute Arbeit macht.

Nach meiner Einschätzung ist beides relativ unwahrscheinlich. Aber ein guter Politiker bewährt sich erst in der Krise. Das Talent zum guten Politiker hat Guttenberg, ob er auch das Zeug dazu hat, aus dieser Krise das Nötige zu lernen, wird sich zeigen.

Ratingagenturen oder Lob der Justiz

13. Mai 2010

Die Exekutive (Regierungen) hat sich bisher unfähig erwiesen, die Deregulierung, die vor der Finanzkrise ablief, wieder zurückzunehmen. Ja, nicht einmal ein so harmloses Instrument wie die Tobinsteuer (Börsentransaktionssteuer) wagt sie in die Hand zu nehmen. Ganz zu schweigen davon, dass sie die Macht der privaten Ratingagenturen anzugreifen wagte, die sie mit der Macht ausgestattet hat, ganze Staaten in den Bankrott zu treiben.
Überraschend treten jetzt die Gerichte (Judikative) auf den Plan und versuchen, einen Komplott zwischen Banken und Ratingagenturen nachzuweisen. Ob sie mehr Erfolg haben?
Einen Vorzug haben die Gerichte: Dank der Gewaltenteilung können sie gelegentlich einen Rest von Unabhängigkeit bewahren, da sie nicht auf Gedeih und Verderb auf wirtschaftlichen Erfolg – die Voraussetzung von Wahlerfolg – angewiesen sind und daher dem Druck der Manager eher ausweichen können.

Erfolgreicher Betrüger

29. Juni 2009

Um etwa 65 Milliarden $ hat Bernard Madoff seine Kunden gebracht. Darunter waren auch viele Banken.
Jetzt ist er zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Aber auch wenn man ihn nur für alle 2 Milliarden $ für ein Jahr ins Gefängnis geschickt hätte, hätte der 75jährige wohl keine großen Chancen, noch einmal freizukommen.
Die Größe des Schadens scheint mir symbolhaft für die Finanzkrise.