Posts Tagged ‘China’

Du Yuesheng, der Pate von Shanghai

4. April 2015

ANGELA KÖCKRITZ: Der Pate von Shanghai, ZEIT Nr.8, 19.2.2015

Du Yuesheng in der Wikipedia:
„Du war 1887 als Sohn äußerst armer Eltern, die er mit neun Jahren verlor, in der Kleinstadt Gaoqiao zur Welt gekommen. 1902 verließ er seine Heimatstadt in Richtung Shanghai. […] Nachdem sich Du 1908 den bei den chinesischen Geheimgesellschaften üblichen Initiationsriten unterzogen hatte, stieg er rasch auf und machte die Grüne Bande innerhalb von 12 Jahren zu einem gefürchteten Zentrum des organisierten Verbrechens. […]“

A. Köckritz schließt ihren Bericht:

„Im Frühling 1949 besteigt er ein Schiff. Shanghai zieht ein letztes Mal an ihm vorbei, die Große, Flirrende, Unersättliche – bald wird sie eine ganz andere sein. Am 26. Mai weht die rote Flagge über der Stadt. Der Klassenkampf macht Dekadenz und Boheme ein Ende. In Hongkong zieht Du Yuesheng in ein Apartment in der Kennedy Road. Er hat Geldprobleme. Er ist schwer krank und muss seine Frauen und zehn Kinder versorgen. Am 16. August 1951, 24 Stunden vor seinem 63. Geburtstag, stirbt er. Der letzte der großen Banditen des alten China.“

Eisfreie Nordostpassage im Blick

2. März 2010

Besonders für China und Japan ist sie als Verkehrsweg nach Europa interessant, für Russland als mögliche Geldquelle wegen der Durchfahrtsrechte und neuen Exportmöglichkeiten: die eisfreie Nordostpassage, die im Zuge des Klimawandels entlang der russischen Nordküste entstehen wird. So berichtet das SIPRI.
6 500 km kürzer als der bisherige Seeweg und auf absehbare Zeit piratenfrei. Das macht attraktiv.
Die negativen Folgen des Klimawandels spüren wir in Europa nur sehr am Rande, Xynthia hat uns aber daran erinnert, dass wir nicht nur Vorteile davon haben werden. (Immerhin drohten Baustellenteile des Fernbahnhofes am Frankfurter Flughafen auf die Autobahn zu stürzen.)
Demnächst mehr zum Thema.

Korruption ist ansteckend

13. Mai 2009

Einen Fall, wo eine ausländische Firma sich gegen das Mitspielen bei chinesischer Korruption entscheidet, berichtet der China Law Blog.

Er weist darauf hin, dass er davor gewarnt hat, sich auf die Korruption einzulassen. Über die Fälle, wo es anders läuft, liest man natürlich nur in den seltenen Fällen, wo es aufgedeckt wird.

Wenn man liest, wie sehr sich der deutsch-chinesische Handel ausgeweitet hat, sollte man nicht annehmen, dass deutsche Geschäftsleute es nicht für praktisch halten, gelegentlich zu bestechen.

Auch wenn es beim ersten Mal noch schwer fällt. So etwas lässt sich lernen und auch für den deutsch-deutschen Hausgebrauch einsetzen.

Wer mehr Einzelheiten aus dem chinesischen Wirtschaftsleben werfahren will, wird beim China Law Blog ganz gut bedient.

Verantwortung in der Wirtschaft

12. Mai 2009

Die »Privatisierung des Eigentumsverfügungsrechts« läuft darauf hinaus, dass die Schicht der Manager in den staatseigenen Unternehmen ein Recht genießt, das der Kontrolle über Privatkapital gleichkommt. Die Kollektivierung der Vermögensverantwortung dagegen zeigt, dass bei Verlusten, egal aus welchem Grund sie entstanden sind, die Unternehmensmanager keine Verantwortung tragen, sondern diese vom Eigentümer, das heißt dem Staat, verantwortet werden. Dieses Phänomen, zum einen Verfügungsrecht über das Eigentum zu haben, zum anderen kein Eigentumsrisiko tragen zur müssen, ist die Ursache für die Krankheit der chinesischen Unternehmen Es ist ein vom planwirtschaftlichen System hinterlassenes, kaum zu bewältigendes Erbe.

So schreibt die chinesische Wirtschaftswissenschaftlerin und Historikerin Qinglian He 2006 in China in der Modernisierungsfalle (S.117).
Wäre nicht von Staatsbetrieben und Planwirtschaft die Rede, man könnte meinen, sie schriebe über die Bankmanager der Industriestaaten von 2009.
Das Schlimme ist, dass es den Regierungen nicht zu gelingen scheint, dies vom deregulierten „neoloiberalen“ System hinterlassene Erbe zu bewältigen.
Anders ist es doch kaum zu erklären, dass Josef Ackermann auf weitere Jahre als Vorstandssprecher der Deutschen Bank bestellt worden ist und schon wieder eine Kapitalrendite von 25% propagieren darf, ohne dass ihm irgendjemand aus Bank- oder Regierungskreisen widerspricht. Ist ein dereguliertes System genauso wenig reformierbar wie ein planwirtschaftliches?

… if corruption and bribery do occur, the media can expose it and the opposition party can criticize it. The so-called democracy is a process of mutual supervision, which means checking how the other party is behaving and if it is working correctly.
Wenn Korruption und Bestechung auftreten, können die Medien darauf hinweisen, und die Opposition kann sie kritisieren. Die so genannte Demokratie ist ein Prozess gegenseitiger Überwachung, d.h. es wird geprüft, ob sich die andere Seite korrekt verhält.

So äußert sich He in einem Interview vom 18.9.2004.

Die Praxis in den westlichen Demokratien im Zuge der Finanzkrise hat sie leider nicht bestätigt. Die Überwachung der Banken wurde mit Basel II ausgesetzt. Erst nach dem Zusammenbruch der Spekulationen wurden zaghafte Versuche gemacht, das zu ändern.

Gegenwärtig läuft der Test:

Funktioniert Gewaltenteilung in den westlichen Demokratien noch oder haben unsere Demokratien nur noch den Namen (wie die Deutsche Demokatische Republik), aber keine effizienten Kontrollmechanismen mehr?

Christen in China

28. Oktober 2008

Der Economist berichtet am 2.10.08 davon, dass es inzwischen nach einer – allerdings recht hochgreifenden – Schätzung 130 Millionen Christen in China gebe, mehr als Mitglieder der kommunistischen Partei. Danach wäre die im Beitrag am 1.6. notierte Schätzung von 40 Millionen Protestanten in Hauskreisen gar nicht so mutig, sondern vielleicht sogar eher konservativ.

Altes von Google neu gelesen

23. September 2008

Zur Erläuterung für seine AdSense-Anzeigen in E-Mails liefert Google folgenden Text:

Ihr Datenschutz

Google wird nie zu Marketing-Zwecken persönliche Informationen vermieten, verkaufen oder weitergeben, ohne davor Ihre ausdrückliche Genehmigung einzuholen. Kein E-Mail-Content oder andere persönliche Informationen werden an die Inserenten weitergegeben.

Der Datenschutz ist eine Angelegenheit, die wir sehr ernst nehmen. Nur als „jugendfrei“ eingestufte Anzeigen werden in unserem Content-Netzwerk und in Ihrem Google Mail-Posteingang geschaltet. So würde Google beispielsweise die Schaltung bestimmter Anzeigen neben einer E-Mail verhindern, deren Inhalt aus Nachrichten über Katastrophen besteht.

Wenn Sie sich ausführlicher darüber informieren möchten, wie Google Ihre Google Mail-Informationen verarbeitet, lesen Sie die Google Mail-Datenschutzbestimmungen.

Daraus entnehme ich: Zu allen anderen als zu Marketingzwecken wird Google „persönliche Informationen vermieten, verkaufen oder weitergeben, ohne davor Ihre ausdrückliche Genehmigung einzuholen“.
So hatte ich die Datenschutzbestimmungen bisher nicht verstanden. Aber ich bin ja lernfähig.

In China hat man allerdings offenkundig viel schneller gelernt. Schließlich heißt es in Googles Datenschutzbestimmungen (vgl. oben):

Die Computer von Google werten die Informationen in Ihren Nachrichten aus verschiedenen Gründen aus, unter anderem zur Formatierung und Darstellung der Informationen für Sie, zur Schaltung von Anzeigen und verwandten Links, zur Vermeidung von unerwünschten Massen-E-Mails (Spam), zur Sicherung Ihrer Nachrichten und zu anderen Zwecken im Zusammenhang mit dem Angebot von Google Mail.

Welche weiteren Gründe es geben kann, das herauszufinden, ist der Findigkeit des Lesers überlassen.

Philosophie ohne Wahrheit

10. September 2008

Asiatische Philosophie versucht nicht, durch radikale Kritik an jeder Tradition ein allein auf kritische Vernunft aufgebautes System zu schaffen, wie es in Europa im Gefolge von Descartes viele Denker versucht haben. Vielmehr baut sie bei aller Weiterentwicklung auf die alten Traditionen auf.
All diesen Traditionen ist gemeinsam, dass sie nicht nach einer Ursache hinter der Welt (nach Transzendenz) fragen, sondern die Realität als solche hinnehmen und aus dem gemeinsamen Vorverständnis zu erklären suchen. Deshalb geht es hier nicht um logische Beweise, die Allgemeingültigkeit, jederzeit und überall, beanspruchen, sondern um das Aufdecken von Ähnlichkeiten, Beziehungen, Analogien, die die Welt verständlicher machen sollen. Dafür wird häufig mit Parallelen, Metaphern und Bildern gearbeitet.

Globalisierung und Rolle der USA

4. September 2008

Robert Kagan, der Berater McCains, sieht in Die Demokratie und ihre Feinde wenig, was einen politischen Realisten zum Umdenken bringen könnte. Fareed Zakaria öffnet sich in The Post-American World multilateralem Denken, möchte den Aufstieg der anderen Mächte aber nicht als Niedergang der USA verstehen. Parag Khanna dagegen sieht das Ende der Hypermacht USA und ihrer Hegemonieträume in Der Kampf um die Zweite Welt Eine Dreimächtekonstellation USA, China, Europa hofft er sich durch ein intelligent operierendes Europa im Gleichgewicht gehalten. So schildert uns Thomas Assheuer unter dem Titel Der Aufstieg der Anderen in der heutigen ZEIT die Welt der Zukunft.

Eine krasse Unterbewertung der gesellschaftlichen Kräfte wie Multinationale Konzerne und NGOs zeichnet alle aus. So sehr ich dagegen bin, die Globalisierung als Himmelsmacht zu mythologisieren, dass Machtkonstellationen nicht mehr allein als Spiel der Groß- und Supermächte erfassbar sind, scheint mir doch unabweisbar.

Protestanten in China

1. Juni 2008

Die Zahl der nicht in der offiziellen Drei-Selbst-Kirche (Selbst-Finanzierung, Selbst-Propagierung und Selbst-Verwaltung mit etwa 15 Millionen Mitgliedern), sondern in Hauskreisen organisierten chinesischen Protestanten wird auf 40 Millionen geschätzt. (Mehr dazu)
Der Economist berichtet am 2.10.08 davon, dass es inzwischen nach einer – allerdings recht hochgreifenden – Schätzung 130 Millionen Christen in China gebe, mehr als Mitglieder der kommunistischen Partei.