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Hans Küng erklärt von Enzylexikon

12. Dezember 2015

Hans Küng 

eins seiner Werke zum Gottesbegriff: Existiert Gott?

Die zu erklärende Aussage:

Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!

Enzylexikon:

„Eine Interpretation wäre, das man Gott und Welt nicht trennen kann, so wie man Geist und Körper nicht trennen kann. Es gibt keinen Widerspruch zwischen beidem.

Immerhin soll die Welt Gottes Schöpfung und der Mensch sogar nach seinem Ebenbild geschaffen sein – wie könnte es also sein, dass die Schöpfung nicht selbst, das Göttliche inne hat?

Der Anblick einer grandiosen Landschaft beeindruckt uns – „wow, der Fluß muss Jahrmillionen gebraucht haben, sich so durch den Fels zu fressen….“

Aber ich denke, wir bewundern da nicht nur einfach die Leistung einer beeindruckenden Naturgewalt, sondern empfinden emotional, dass diese Welt viel größer und mächtiger ist, als wir als einzelnes Individuum jemals sein können.

Diese „Ehrfurcht“ vor der Macht von Zeit und Natur ist vielleicht mit der Ursprung des religiösen Empfindens.

Islam

Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!“

Das klingt beeindruckend, groß, riesig.

Im Islam sagt man „Allahu akbar“ – Gott ist größer. Aber da stellt sich natürlich die Frage – „größer als wer oder was?“

Größer als ein Mensch?

Wäre der Schöpfer eines Universums ganz sicher.

Größer als die eigene Schöpfung?

Vermutlich, denn sonst hätte er sie nicht schaffen können.

Gleichzeitig heißt es im konservativen Islam aber auch, das man den Körper nicht durch Tätowierungen verändern soll – er ist Gottes Geschenk. Man soll sich auch kein Bildnis von Gott machen.

Allerdings muss auch die Schöpfung etwas besonderes sein, dann im konservativen Islam ist auch die Darstellung von Lebewesen verboten, was gedeutet werden kann, dass man der Schöpfung den gleichen Respekt entgegen bringen soll, wie dem Schöpfer.

Das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz…..

Hinduismus

Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!“

Gott kann in diesem Zitat auch als Symbol für das Unergründliche gesehen werden, dass sich in der gesamten Schöpfung findet.

In den hinduistischen Upanischaden gibt es die Erzählung von der Feige oder Mango die immer weiter geteilt wird, bis sie so klein ist, das man sie nicht mehr sehen kann.

Dieses nicht mehr Wahrnehmbare und daher Unteilbare, sei der Wesenskern des Menschen (Atman) und identisch mit dem Göttlichen (Brahman), ohne sich dessen bewusst zu sein.

Es wäre also das „Unendliche im Endlichen“, wie Küng es nennt.“

Enzylexikon Sein gesamter Text auf gutefrage.net

Wenn ich – bis auf ein paar stillschweigende Änderungen der Rechtschreibung – den Text verbessern wollte, müsste er weit ausführlicher werden. Was mir an dem Text gefällt, ist, dass er immanent auf Küngs Konzept vom Weltethos hinweist. 

Küng hält eine Eucharistiefeier für Christen und Buddhisten

31. Mai 2014

Er geht aus von Markus 9,40 „Wer nicht wider uns ist, der ist für uns.“ und Lukas 9,50 „Jesus antwortete ihm: Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.“

Dann spricht er das Dankgebet. „Ich formuliere es nach ursprünglichem biblischem Verständnis so, dass die bekannten Worte “ Das ist mein Leib, das ist mein Blut – das bin ich “ in Jesu Selbstlosigkeit, Hingabe und Selbstentleerung für Buddhisten verständlich werden.“

(Küng: Erlebte Menschlichkeit, S.380)

„Mich beschäftigt besonders, wie viele Ähnlichkeiten es doch gibt zwischen den beiden Gründergestalten, zwischen Gautama und Jesus von Nazaret. Schon im äußeren Verhalten: beide Wanderprediger in der Volkssprache, mit allgemein verständlichen Spruchweisheiten, Kurzgeschichten, Gleichnissen, ohne Formeln, Dogmen, Mysterien. Beide durch kein Amt legitimiert, in Opposition zur religiösen Tradition und zur Kaste der Priester und Schriftgelehrten, die für die Leiden des Volkes keine Sensibilität zeigen. Für beide bedeuten Gier,  Hass und Verblendung die große Versuchung.
Eine grundlegende Ähnlichkeiten aber findet sich nicht nur im äußeren Verhalten, sondern auch in der Verkündigung von Gautama und Wesens: sie vermitteln eine frohe, befreiende Botschaft (das“dharma“; das „Evangelium“), die von den Menschen ein Umdenken (“ in den Strom steigen „; “ Metanoia“) und Vertrauen („shraddha“; “ Glaube „) fordern. Jedenfalls keine Orthodoxie, sondern Orthopraxie. Keine Welterklärung, philosophische Spekulation und gelehrte Gesetzeskasuistik. Vielmehr – angesichts der Vorläufigkeit und Vergänglichkeit der Welt – ein praktischer Weg aus der Ichsucht, Weltverfallenheit und Blindheit. Es geht um Befreiung durch inneren Wandel“

(Küng: Erlebte Menschlichkeit, S.382)

vgl. dazu Entwicklung des Buddhismus (Wikipedia)

Vorhellenisches Christentum in Äthiopien (Küng)

31. Mai 2014

Jede orthodoxe Kirche Äthiopiens hat einen Tabot, der die unabdingbare Voraussetzung ist für die Feier der Liturgie. Denn auf einen Tabot […] wird die Eucharistie vollzogen. An großen Feiertagen wird er in Prozessionen dreimal um die Kirche getragen und besonders von den Frauen mit hohen afrikanischen Zungenjubilieren, dem Gezwitscher eines riesigen Vogelschwarmes gleich, enthusiastisch begrüßt. […]

In Äthiopien scheint mir hinter der Fassade eines alexandrinisch-griechischen Christentums, das erst in den letzten 150 Jahren seine Macht auch über die ursprünglichen semitischen Stämme auszudehnen vermochte, ein Judenchristentum eigener Art zu begegnen. Dies würde erklären, dass die Liturgie in der äthiopischen Kirchen-und Literatursprache, dem Ge’ez, gefeiert wird, das eine semitische Sprache ist, deren Ursprünge im Südarabischen liegen. […] (S.314)

Sowohl in der Legende wie in der Historie zeigen zahlreiche Linien von Äthiopien über das nahe Arabien hin nach Jerusalem ihn. Aus ältester Zeit finden sich in Äthiopien bis auf den heutigen Tag auch jüdische Gemeinden […], die vor urdenklicher Zeit hierher gekommen waren. Da frage ich mich: Hat es in Aksum und in Äthiopien vielleicht schon vor der Ankunft jener zwei schiffbrüchigen Laien aus Syrien […], die im 4. Jahrhundert ohne priesterliche Ordination die äthiopische Kirche begründet haben sollen, so etwas wie ein vorhellenisches Christentum gegeben, das letztlich judenchristliche Wurzeln hat?

(Küng: Erlebte Menschlichkeit, S.313/314)

Hans Küng zum Dialog der Religionen

29. Mai 2014

Hans Küng

Von Teilnehmern am Religionsdialog zu verlangen, zunächst einmal die eigene Glaubensüberzeugung aufzugeben und von der Normativität der eigenen Tradition abzusehen, um von der prinzipiellen Gleich-Gültigkeit der verschiedenen Heilswege und der verschiedenen „Christusse“ – Mose, Jesus, Muhammad, Buddha, Krishna und Konfuzius – auszugehen, erscheint mir unhistorisch und unrealistisch.

Unhistorisch: Man vernachlässigt mit einer solchen Sicht die historischen Abhängigkeiten etwa von Jesus und Moses oder von Muhammad und Jesus. Und man nimmt nicht ernst, dass die verschiedenen Leitfiguren innerhalb ihrer Religion einen völlig unterschiedlichen Stellenwert einnehmen: Grundverschieden ist die Stellung Mose im Judentum, Jesu im Christentum und Muhammad im Islam, aber auch die Krishnas im Hinduismus und Buddhas im Buddhismus.

[…]

Die „pluralistische Religionstheologie“ John Hicks und anderer hat es leider dem Glaubensinquisitor Kardinal Joseph Ratzinger allzu leicht gemacht, sich in der Erklärung der Glaubenskongregation „Dominus Iesus“ gegen sie zu wenden. Ich selbst habe nie einen „Absolutheitsanspruch“ des Christentums verteidigt, wohl aber den Glauben an Jesus, der für die Glaubenden „der Weg, die Wahrheit und das Leben “ ist. Ich lehne Ratzingers römischen „Glaubensabsolutismus“ ab, bin aber auch nicht bereit, den “ Glaubensrelativismus “ der Pluralisten zu akzeptieren.“

Hans Küng: Erlebte Menschlichkeit, Seite 202

 

Aber, fragen mich nun die Muslime: „Wie verhält es sich dann mit der Trinität?“ Meine Antwort gebe ich  so einfach wie möglich: „Gott ist der unsichtbare Vater über uns; Jesus, der Sohn des Menschen, Gott mit uns, der Heilige Geist aus Gottes Kraft und Liebe in uns.“

 

Hans Küng: Erlebte Menschlichkeit, S.235

Küng 2

Es gilt in dieser Schuldfrage ebenfalls zu bedenken, dass jetzt – über sechs Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg – Generationen von Deutschen (und auch von Israelis!) herangewachsen sind, die sicherlich an der Gesamtverantwortung des Volkes mitzutragen haben, die aber in jener Zeit des Grauens noch nicht geboren oder politisch noch nicht mündig waren. Ist es da politisch richtig, die Notwendigkeit der Erinnerung der Deutschen (und anderer Staaten) zu instrumentalisieren, vor allem um die unbedingte Unterstützung einer hochproblematischen israelischen Außenpolitik gegenüber den Palästinensern und den Arabern zu erreichen? Kann gute Außenpolitik auf Dauer auf einer historischen Schuld aufgebaut werden?

[…] Selbst dialogbereite christliche Theologen verfolgen im Gespräch mit Juden öfters eine apologetische Tendenz, die Selbstkritik vermissen lässt. […]

Wäre es aber umgekehrt nicht viel sachtgemäßer, dass man unter christlichen Theologen ernst machte mit der Einsicht: Die späteren kirchlichen Dogmen sind selber im Licht gerade der jüdischen Überlieferung und der Hebräischen Bibel zu überprüfen? Schließlich waren Jesus selbst und seine ersten Jünger allesamt Juden, und christliche Dogmen dürften jedenfalls nicht gerade für sie, die ersten Christen, unverständlich bleiben. Angesichts einer solch selbstkritischen Position dürfte auch ein anspruchsvoller jüdischer Gesprächspartner bereit sein, das traditionell-jüdische Misstrauen, die Skepsis und oft gar Gehässigkeit gegenüber Jesus von Nazaret abzubauen. Doch dabei ist wichtig:

Zu unterscheiden sind der Glaube Jesu und der Glaube an Jesus. Oft zitiert man von christlicher Seite das Wort des großen jüdischen Regionsphilosophen Martin Buber von Jesus als seinem großen Bruder. Und ausführlich hat sich Schalom Ben-Chorin, mit den ich in Tübingen ein langes Gespräch führen konnte, mit der Gestalt Jesu auseinandergesetzt und mit Berufung auf Buber festgestellt: „Jesus ist für mich der ewige Bruder, nicht nur der Menschenbruder, sondern mein jüdischer Bruder. Ich spüre seine brüderliche Hand, die mich fasst, damit ich ihm nachfolge … Sein Glaube, sein bedingungsloser Glaube, das schlechthinnige Vertrauen auf Gott, den Vater, die Bereitschaft sich ganz unter den Willen Gottes zu demütigen, das ist die Haltung, die uns in Jesus vorgelebt wird und die uns – Juden und Christen – verbinden kann. “ […] “ Es ist nicht die Hand des Messias, diese mit Wundmalen gezeichnete Hand. Es ist bestimmt keine göttliche, sondern eine menschliche Hand, in deren Linien das tiefste Leid eingegraben ist. Der Glaube Jesu einig uns, aber der Glaube an Jesus trennt uns. „

Wenn uns aber sogar nach den dialogfreundlichsten jüdischen Theologen weniger der Glaube Jesu selber, sondern der Glaube an Jesus trennt, dann wird sofort deutlich, wie problematisch es ist, im christlich-jüdischen Dialog einfach vom Glauben an Jesus auszugehen und eine Christologie von oben zu entwickeln.

Hans Küng: Erlebte Menschlichkeit, Seite 264 bis 266

 

Christ sein

23. September 2008

Hans Küng hat sich mit dieser Schrift von 1974 eine „Neubegründung der christlichen Theologie“ (S.246) vorgenommen. Er will eine „kritische Sichtung des Christentums“ zwischen „den ’säkularen‘ Humanismen einerseits“ und „den großen Weltreligionen andererseits“ (S.248). Dabei will er „nicht von theologischen Fragestellungen und traditionellen Dogmen ausgehen“, sondern von den „Fragen des heutigen Menschen“ (S.287).
Bei meiner ersten Lektüre fand ich die Lektüre durchaus erfrischend. Heute spüre ich beim Hineinblättern freilich doch auch das Historische der Fragen, von denen er ausgeht.
Das klingt allerdings vielleicht kritischer, als es gemeint ist. Daher noch einmal ein Blick auf das Buch aus Küngs eigener Sicht:
Jesus verkündet das Reich Gottes, das aber ist die Sache des Menschen und zwar nicht des gerechten, sondern der Verlorenen, Armen und Unterdrückten. Deswegen ist sein Konflikt mit den Mächtigen in Staat und Religion unausweichlich. Seine Auferweckung ist keine Rückkehr ins raum-zeitliche Leben, sondern die Aufnahme in jene unfaßbare, umfassende letzte und erste Wirklichkeit, die wir Gott nennen Nicht als der Auferweckte […], sondern als der Erniedrigte, Gekreuzigte unterscheidet sich dieser Jesus Christus unverwechselbar von […] Göttern und vergöttlichten Religionsstiftern. (S.404)
Küng erinnert auch an seine Reformforderungen: Für die Ökumene Integration der verschiedenen Kirchen durch Reform und gegenseitige Anerkennung der kirchlichen Ämter, durch gemeinsamen Wortgottesdienst und offene Kommunion. Für die katholische Kirche Wahl der Bischöfe und des Papstes unter Mitwirkung eines Gremiums von Laien, freie Entscheidung der Priester über Ehelosigkeit oder Heirat, gleiche Rechte der Frauen im Kirchenrecht, konstruktive Einstellung zur Sexualität, Zulassung einer Geburtenregelung auch durch „künstliche“ Mittel. (S.423)

Bemerkenswert ist dabei, dass seine theologischen Auffassungen heute nicht ungewöhnlich modern klingen, aber von konservativen Theologen aller Konfessionen noch immer abgelehnt werden und dass seine Reformfordrungen für die katholische Kirche so utopisch klingen wie eh und je.
(Seitenzahlen von „Umstrittene Wahrheit“ 2007)

Vorstellungen von Gott

30. August 2008

Viele Menschen glauben, sie müssten sich ihre Vorstellung von Gott von anderen vorschreiben lassen.
Ich sehe das nicht so. Eher denke ich, dass sich unsere Vorstellung von Gott im Laufe des Lebens entwickelt. Wir übernehmen erst von den Eltern, dann von anderen Vorbildern eine Vorstellung. Durch Erfahrungen wandelt sie sich.
Bestätigt fühle ich mich durch Tejason, der schreibt:
„Da ich vielfach erlebt habe, dass Menschen sich von der Kirche entfremdet haben und sich selbst als „nicht richtig glaubend“ erlebt haben, weil sie mit vielem, was sie gehört haben, nichts anfangen konnten oder ihr Gefühl sich sogar heftig dagegen wehrte, erscheint es mir wichtig zu sagen, dass es schon in der Bibel viele verschiedene Gottesbilder, oder vielleicht sollte man besser sagen „Gottesbeziehungen“ gibt. […] Immer werden die Kultur, in der man lebt, die Zeit, in der man lebt und das persönliche Schicksal die Beziehung zu Gott mitbestimmen.“