Posts Tagged ‘Dritte Welt’

Milliardensummen

15. Februar 2009

Ende 1984 schätzte der IWF, daß er etwa $ 22 Milliarden Dollar verliehen hatte, um die Anpassungsprobleme für 66 Länder zu finanzieren.

So berichtet uns Paul Kennedy (in Parlament der Menschheit, 2007, S.160). Und für 1992 weiß er von einem ‚riesigen Finanzpaket‘ von 24 Milliarden Dollar, das die beiden Weltbanken und die westlichen Regierungen gemeinsam für die kritische Aufbauphase der ehemaligen Sowjetunion aufbrachten, zu berichten.
Offenbar hat man damals „keine Opfer gescheut“, um den armen Ländern und den Opfern von 70 Jahren Sowjetdiktatur zu helfen.

Wenn heute die deutsche Regierung für ein einzelnes Unternehmen mehr als viermal so viel Milliarden bereitstellt als früher für 66 Länder aufgebracht wurden, so muss man bedenken …

Ja, das gibt wirklich zu denken.

Zum Glück heißt es bei demselben Paul Kennedy:

Eine Finanzkrise […] führte oft zu verbesserten Reaktionen und Instrumenten […] ermöglichte es, in Zukunft bessere und realistischere Maßnahmen zu befördern.

Das weckt Zukunftshoffnungen. Doch ist zu beachten: Oft war es so, längst nicht immer. Wir könnten also auch nach der kommenden Wirtschaftskrise weiter die alten Fehler machen, wenn wir nichts dazu lernen.

Abkehr vom System Bush – Hoffnung für die Welt?

28. Dezember 2008

Die große Mehrheit der Bevölkerung der USA wollte endlich ein Ende der Herrschaft der Neocons, die George W. Bush gesteuert haben. Das ermöglichte den Sieg eines Außenseiters.

Für mich ist das eine Parallele zum Aufstieg Gorbatschows ins Politbüro der KPdSU.

Ist mit all den damit verknüpften Erwartungen in den USA und im „Rest der Welt“ Barack Obama hoffnungslos überfordert?

Ein amerikanischer Traum, sein 1995 geschriebener autobiographischer Bericht, gibt mir die Hoffnung, dass er es nicht ist, sondern dass er tatsächlich die Chance hat, manchen überfälligen Wechsel zu unterstützen.

Die Kindheit auf Hawai und in Indonesien, das Aufwachsen mit der weißen amerikanischen Mutter, dem indonesischen Stiefvater und den weißen Großeltern und dass er den Dreams from my Father (wie der den Inhalt besser treffende Originaltitel lautet) nachstrebt, lassen Obamas Ziel Versöhnen statt Spalten glaubwürdiger erscheinen, als es meine bisherige Rezeption des Medienechos mir vermittelte.
Dreams from my Father scheint nämlich zwei Bedeutungen zu haben: Das Bild vom Vater, das sich der Junge gemacht hat, der seinen Vater erst im Alter von zehn Jahren wenige Tage kennen gelernt hat. Und die Träume des Vaters von individueller Freiheit mit Ausbildung in Harvard und schwarzen und weißen Frauen und Kindern auf mehreren Erdteilen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Verantwortung und Zuständigkeit für die afrikanische Großfamilie und zusätzlich auch der Traum, in Harvard Gelerntes in die Regierung Kenyattas einbringen zu können, obwohl er sich nicht der bedingungslosen Loyalität mit dessen Herrschaftssystem verschreiben wollte, das seinerseits von unbedingter Solidarität mit der Kiambu-Sippe eines anderen Stamm, den Kikuyu geprägt war (aus westlicher Sicht spricht man vom “Kiambu-Clan” oder stärker  von der „Kiambu-Mafia).
Nachdem Barack Obama in Chicago Stadtteilarbeit gemacht hat, fährt er nämlich nach Kenia und lernt dort seine Wurzeln und die Gründe kennen, weshalb die Träume seines Vaters diesen in die Irre geführt haben.
Das Buch macht seine Solidarität mit den Schwarzen in den USA wie mit den durch die Globalisierung Entwurzelten in der Dritten Welt glaubhaft.