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Amazonassynode

27. Oktober 2019

„[…] Dom Edson Damian […] ist Amazonas-Bischof einer riesigen brasilianischen Diözese im Becken des Rio Negro, wo über 90 Prozent Indigene leben, die fast alle katholisch sind. 23 Ethnien mit 18 lebendigen Sprachen. Drei dieser Sprachen sind heute auch Amtssprache. Auf 500 Gemeinden kommen hier nur 21 Priester. Bischof Edson, 71, ist froh, dass Rom endlich hört, was das Volk an der Peripherie will. Von den 390 Völkern des Amazonas wurden vor der Synode ja 179 befragt. „Es schmerzt mich sehr, wenn die Indigenen Heiden genannt werden.“ Nicht nur weil so viele von ihnen Christen geworden sind. „Ich habe von ihnen gelernt, was die frohe Botschaft bedeutet. Sie beginnen jeden Tag mit einem Gebet. Sie nehmen von der Natur nur, was sie zum Leben brauchen. Sie leben in Genügsamkeit.“ Daraus lasse sich ableiten, was Dom Edson eine indigene Theologie nennt. Sie passt zu dem neuen Katakombenpakt*, den die Amazonas-Bischöfe am vergangenen Sonntag geschlossen haben. Eine Revolution: In den Katakomben der Dormitilla, wo während des Zweiten Vatikanischen Konzils in den Sechzigerjahren bereits Bischöfe ein Leben in Einfachheit gelobten, verpflichteten nun auch sie sich zu einem Leben des Dienstes, zum Verzicht auf die Insignien kirchlicher Macht, zur Einfachheit.

Kardinal Pedro Ricardo Barreto aus Peru war auch dabei. Der Vorsitzende der Synode gehört zu jenen Getreuen von Franziskus, die Zuversicht ausstrahlen: Diese Revolution gelingt. Aufgewachsen in der Stadt Lima am chemieverseuchten Fluss Rimac, habe er, sagt Barreto, die Natur erst finden müssen und damit einen tieferen Zugang zu Gott. Bei den Indigenen sei er in die klaren Gewässer eingetaucht, bei ihnen habe er buchstäblich gelernt, in den Fluss zu springen und sich ans andere Ufer tragen zu lassen. Den Machtkampf in seiner Kirche sieht der Jesuit gelassen. Denn die Macht, um die es hier gehe, sei nicht die Macht des Evangeliums. Barreto sagt, die Schöpfung zu verteidigen, heiße leiden und Jesus folgen bis zum Tod. Das mag in den Ohren westeuropäischer Christen pathetisch klingen. Barreto sagt es bescheiden lächelnd. Man versteht, was er meint, wenn man weiß: In seiner Heimat haben sie, weil er gegen die Minen und die Metallindustrie protestierte, schon einen Sarg mit seinem Namen darauf durch die Stadt getragen.“

https://www.zeit.de/2019/44/amazonas-synode-katholische-kirche-regenwald-papst/komplettansicht

https://www.zeit.de/2019/42/synode-vatikan-bischofsversammlung-primin-spiegel-miseror

https://www.katholisch.de/artikel/23330-wie-pseudo-fragen-die-amazonas-synode-in-verruf-bringen-sollen

Twitter: Amazonassynode

https://twitter.com/Strack_C/status/1186255627867299841

„We conclude under the protection of Mary, Mother of the Amazon, venerated with various titles throughout the region.“ (Christoph Strack)

Pachamama

* neuer Katakombenpakt

Baumpflanzung im Vatikan zum Ausdruck des symbolischen Zusammenhangs von Einsatz des Heiligen Franziskus für die Natur und der Amazonassynode

Papst Franziskus gegen ein „Weiter so“:

„[…] Queridos hermanos, sintámonos convocados aquí para servir, poniendo en el centro el don de Dios“, pidió el Papa en su sermón, en el que llamó a no defender el status quo, sino a una „prudencia audaz“ guiada por el Espíritu Santo. „Si todo permanece como está, si nuestros días están marcados por el ’siempre se ha hecho así‘, el don desaparece, sofocado por las cenizas de los temores y por la preocupación de defender el status quo“, subrayó. „La prudencia no es indecisión, no es una actitud defensiva. Es la virtud del pastor, que, para servir con sabiduría, sabe discernir, sensible a la novedad del Espíritu. Entonces, reavivar el don en el fuego del Espíritu es lo contrario a dejar que las cosas sigan su curso sin hacer nada. Y ser fieles a la novedad del Espíritu es una gracia que debemos pedir en la oración“, siguió. […]

[Hauptaussage des spanischen Textes: „Liebe Brüder, lassen Sie uns hierher gerufen werden, um zu dienen und die Gabe Gottes in den Mittelpunkt zu stellen […], nicht den Status quo zu verteidigen, sondern eine“ kühne Klugheit“, die vom Heiligen Geist geleitet wird. ]

https://www.lanacion.com.ar/el-mundo/el-papa-abrio-sinodo-panamazonico-denunciando-los-nid2294626

Thomas Seiterich: Die Amazonassynode: Wie Papst Franziskus die Kirche umbauen will

Zur Rolle der Frauen bei der Amazonassynode (spanisch)



Zur Kritik an der Amazonassynode

andererseits:

https://de.wikipedia.org/wiki/OTCA (Brasilien ist Mitglied)

Andreas Englisch: Franziskus. Zeichen der Hoffnung

6. Juni 2014

Man ahnt, dass der Informant sich wichtig machen will. Und wird trotzdem das Gefühl nicht los, dass er weiß, wovon er spricht.

So schreibt Lucas Wiegelmann unter dem Titel „Die Engel und die dunklen Lords des Vatikan“ in der Welt vom 23.4.14 über das Buch. Er weiß, wovon er spricht, aber er dramatisiert gewaltig und nimmt es mit der Übereinstimmung mit der Wirklichkeit nicht so genau. Das Buch besteht aus einer Reihe von Reportagen, denen man anmerkt, dass sie fern vom Geschehen geschrieben sind, und einer Menge emphatischem Lob für Franziskus wie für Johannes Paul II. und nicht nur für die. Kelvin Felix, der vom Priester zum Erzbischof, dann altershalber wieder zum Priester wurde und dann am 22.2.14 von Papst Franziskus zum Kardinal gemacht wurde, ist für ihn ein Heiliger, weil er bedingungslos und von ganzem Herzen für die Armen eintritt, genauso wie Johannes Paul II. der an einem Schutzbefohlenen von Felix eine Wunderheilung vollbracht habe (S.414/15). Hätte ich mich über Kelvin Felix informiert? Interessierten mich die Wunder, die Johannes Paul II.  amtlich beglaubigt vollbracht hat? Nein. Aber weil mich Papst Franziskus interessiert, erfahre ich darüber, auch über das Hitzekonklave von 1978, wo 110 Kardinäle in den Vatikanischen Museen in notdürftig mit Tüchern verhängten Bettstellen, nur mit Nachttöpfen und Waschschüsseln versehen, hausten, die älteren von ihnen immer kurz vor dem Kollaps. Auch von Emmanuel Milingo, den charismatischen, damals jüngsten Bischof Afrikas hätte ich nichts erfahren, der mit 71 Jahren Unterstützer der Vereinigungskirche wurde und die koreanische Ärztin Maria Sung heiratete. Das Buch liest sich gut. Man darf sich nur nicht zu genau merken, was darin steht. Das, was man erinnert, wird dann ungenau genug sein, dass es der Realität nicht widerspricht. Überzeugend wirkt Englisch nicht, aber durchweg interessant. Wer läse schon gern 428 Seiten Lexikoneintrag?