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Wo ist das Geld geblieben?

30. November 2008

Nach Schätzung der Bank von England haben die Finanzinstitute während der Finanzkrise bisher schon 2,8 Billionen, also 2 800 Milliarden Dollar verloren. Das entspricht gut 80% der Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik im Jahr 2007.
Die gute Nachricht: Das Geld ist nicht verwendet worden, um Menschen zu töten, es liegt nicht als Landmine versteckt in der Landschaft, als namenloser Terrorist, der jeden tötet, der ihm zu nahe kommt und ihn nicht rechtzeitig zuvor auszuschalten weiß. (Jedenfalls nur ein Teil davon.)
Die schlechte Nachricht:
Erstens: Es hat nie einen realen Gegenwert dafür gegeben. Es ist nur erfunden worden, um anderen ihr Geld aus der Tasche zu ziehen. Mit seiner Hilfe konnten Gewinne von 25% und mehr für das eingesetzte Kapital gemacht werden, obwohl in der produktiven Wirtschaft weniger als 8% erwirtschaftet wurden. So ist das Geld von den Arglosen – meist Durchschnittverdienern – zu Spekulanten, vermutlich aber auch zu bewussten Betrügern gewandert.
Zweitens: Es hat zu einer ungeheuren Fehlleitung der Ressourcen an Arbeit, Rohstoffen und Energie geführt. Hunderttausende von Häusern stehen jetzt leer, für deren Erwerb es keine ausreichende Kaufkraft gab – und die deshalb – nach Marktgesetzen – gar nicht hätten nachgefragt werden dürfen. Eine gewaltige Fehlplanung des Marktes, der doch angeblich Wirtschaftsströme so sinnvoll steuern kann.
Und drittens: Beim – notwendigen – Versuch, eine noch schwerere Krise der Realwirtschaft zu verhindern, als sie jetzt trotz aller Gegenmaßnahmen eintreten wird, wird der Staat das Geld der Steuerzahler dazu verwenden, Kreditbetrügern und Spekulanten, selbst solchen, die sich verspekuliert haben, die Gewinne zu sichern. Und – was noch schlimmer ist – die Staaten werden zusätzlich für eine weitere Fehlleitung von Ressourcen sorgen, weil sie das Geld nicht in notwendigen Klimaschutz (wie Wärmedämmung und die Erschließung erneuerbarer Energien) und in Bildung investieren, sondern die Anschaffung von Klimakillern (z.B. technisch überholte, ineffiziente Spritfresser) zu finanzieren helfen.

Damit wird uns vorgeführt, wie die Banken die Marktmechanismen ausgenutzt haben, um genau das zu erreichen, was wir den sozialistischen Planwirtschaften – zu Recht – vorwerfen.

Für diejenigen, die konkreter wissen wollen, wohin das Geld gegangen ist: Der erfolgreiche Spekulant Porschechef Wendelin Wiedeking erhält für das Geschäftsjahr 2007/08 etwa 77 Millionen Euro ausgezahlt. Schließlich hat er erreicht, dass der Gewinn von Porsche größer war als der gesamte Umsatz. Das ließe sich mit der Produktion von Autos nicht erreichen, und wenn es die besten der Welt wären.

Und wenn man wissen will, woher die Staaten das Geld bekommen könnten, das sie jetzt zur Absicherung der Gewinne von Spekulanten und Kreditbetrügern ausgeben (und – wie gesagt – wohl auch ausgeben müssen, um Schlimmeres zu verhindern). Eine Erbschaftssteuer von 65% auf alle Vermögen über eine Milliarde Dollar brächte genauso viel Geld in die Staatskassen, wie jetzt durch die Spekulation der Finanzierungsinstitute verloren gegangen ist. Eine Diskussion wie gegenwärtig bei den Familienunternehmen brauchte man deswegen nicht zu fürchten, denn selbst Erben des ärmsten der Milliardäre blieben nach dieser exzeptionell hohen Erbschaftssteuer noch 350 Mill. $ zu verteilen. Aber – zur Beruhigung der Milliardäre – die Staaten werden sich auf die Durchsetzung einer solchen Steuer nicht einigen. Eher werden sie gemeinsam wirkungsvolle Maßnahmen zur effektiven Verminderung des Kohlendioxidausstoßes beschließen und durchführen.

Als eine Art Schleichwerbung: Meine Zahlen habe ich aus der ZEIT vom 27.11. und der WELT am Sonntag vom 30.11.08.

Ursachen der Finanzkrise

29. Oktober 2008

Immobilienspekulation in den USA und Devisenspekulation sind hier schon genannt. Es wird hundert andere Gründe geben, die letztlich alle darauf hinauslaufen, dass überbewertet worden ist und das nur so lange gut geht, wie genügend viele der Ansicht sind, dass die anderen trotz der Überbewertung das Spiel weiter mitmachen. Es ist also wie bei Kettenbriefen nach dem Schneeballsystem.
Irgendwann bricht das System zusammen, aber jeder vertraut darauf, dass er noch Gewinn mitnehmen kann, bevor es das tut. (Die Spekulation auf die VW-Aktie ist ein weiteres Beispiel dafür.)
Das ist leicht einzusehen und leicht auszusprechen.
Wenn die Frage heute gestellt wird, zielt sie aber meist nicht darauf, sondern darauf, weshalb alle Banken sich verspekuliert haben, weshalb ein weltweites Sicherungssystem, das von intelligenten Menschen aufgebaut wurde und von intelligenten Menschen am Laufen gehalten wurde, gescheitert ist.
Diese Frage im einzelnen zu beantworten, ist es noch zu früh. Vermutlich ist eine vollständige Aufzählung der Gründe auch unmöglich. Aber eine allgemeine Antwort kann gegeben werden: Weil die Banken sich selbst nicht mehr für kreditwürdig halten, weil das Vertrauen in das Funktionieren des Systems verlorengegangen ist, denn Kredit lebt vom Vertrauen.
Weshalb konnte der vollständige Zusammenbruch durch das Eingreifen der Staaten und Zentralbanken bisher noch verhindert werden? Weil man diesen Institutionen noch das Vertrauen entgegenbringt, dass sie eine halbwegs weiche Landung zustande bekommen werden. Das heißt: Noch vertrauen genügend Leute an den Börsen darauf, dass die Staaten wieder so viel Regelungshoheit gewinnen, dass sie das gescheiterte Bankensicherungssystem durch Einführung neuer Regeln wieder sicherer machen. (Vermutlich werden einige alte, die man wohl zu Unrecht verlassen hat, wieder dabei sein wie z.B. das Verbot von Handel mit Derivaten.)
Wie aber kann das geschehen? Die Einzelantworten müssen von denen gegeben werden, die das System in seinen Feinheiten kennen. Die allgemeine Antwort ist: indem Geld und Kapital wieder knapp gemacht werden. Geld war für die Unternehmer im Produktionsbereich weiterhin knapp. Es ist ja keine Hyperinflation entstanden. (So weit hat die Steuerung der Geldmenge funktioniert.) Denn das Geld wurde nur innerhalb des Bankensystems (nahezu) grenzenlos vermehrt, war nur dort nicht mehr knapp. Das kann nur rückgängig gemacht werden, indem die Staaten und Zentralbanken wieder Steuerungsinstrumente in die Hand bekommen, um die Geldmenge auch im Finanzbereich noch begrenzen zu können.
Wenn man auf diese Weise zu einer Vorstellung gekommen ist, was die Ursache der Finanzkrise war, kann man fundierter die Frage stellen: Wer ist schuld daran?

Woher kommt das Geld, wo geht es hin?

25. Oktober 2008

Finanzminister Steinbrück sagt voraus, dass die Finanzkrise noch bis Ende nächsten Jahres andauern wird. Denn zur Finanzkrise der Banken kommt jetzt die der Devisenspekulanten. Woher die?
Dass Banken das Geld, was sie in Krediten zur Verfügung stellen, nicht allein aus den Spareinlagen nehmen, sondern dass sie Geld schöpfen, hat man in der Schule gelernt. Dort hieß es aber auch, dass der Staat bzw. die Zentralbanken das Ausmaß der Geldschöpfung regulieren könne. Das ist aber im Zuge der globalisierten unregulierten Finanzmärkte längst nicht mehr der Fall. Vielmehr refianzieren sich die Banken jetzt nicht mehr bei der Zentralbank, sondern bei anderen Banken.
Dazu Wilhelm Hankel, einst Spezialist für Geld und Kredit beim Wirtschaftsminister Karl Schiller:

Die Institute können sich wechselseitig und untereinander anpumpen und aus diesen Schulden (die zugleich die Kredite anderer Banken sind) Kredite nach außen gewähren. Die bankinterne Schulden-Kreditpyramide ersetzt das Staatsgeld, die Zentralbank und den Sparer. Doch nur so lange, wie sie nicht wackelt oder zusammenbricht.
Welch grandiose banktechnische Innovation. Sie macht Kapitalbildung und Kreditbetrug identisch!

Doch damit nicht genug. Devisenspekulanten haben diese billigen Kredite – etwa aus der Schweiz und Japan – in Hochzinswährungen wie die von Island und Ungarn transferiert, so Franken und Yen nach unten spekuliert und ihre Krediten dann billig zurückgezahlt. Jetzt, wo die Kredite nicht mehr zu bekommen sind, müssen sie in Franken und Yen zurückzahlen, deren Kurse schießen nach oben und Island und Ungarn werden für die Sündern der Spekulanten bestraft: Staatsbankrott droht. Das wäre aber noch harmlos, denn das gesamte Geldsystem droht zusammenzubrechen, wenn die Staaten nicht auf diesem Sektor eingreifen – wieder zu Lasten des Steuerzahlers.
Das Schlusswort mag wieder Wilhelm Hankel haben:

Muss die Gesellschaft nun wieder ihre Banken retten?
Sie muss jetzt nur eines: Endlich dafür sorgen, dass die unendliche Geschichte der Finanzkrisen aus dem als Geldfortschritt getarnten Kreditbetrug zu Ende geht. Das globale Kreditgeschäft der Banken gehört an dieselbe Kette gelegt wie das nationale. Nur dann kann der Kapitalismus überleben.

Es muss freilich ein regulierter sein.
Was hat attac seit Jahren vertreten?