Posts Tagged ‘Gott’

Sind göttliche Allmacht und menschliche Freiheit vereinbar?

24. Juni 2016

Wegen der logischen und ethischen Paradoxa, die sich aus einer Verbindung von göttlicher Allwissenheit und menschlicher Freiheit ergeben, bleibt für ein modernes Gottesbild nur die Vorstellung, dass Widersprüche zu menschlicher Logik kein Hinderungsgrund für Wahrheit sein müssen.
Diese Vorstellung des verborgenen Gottes (https://de.wikipedia.org/wiki/Deus_absconditus), gibt es in der Theologie spätestens seit Luther.
Aber auch die Wissenschaften sehen den Satz vom ausgeschlossenen Dritten schon längst als überholt an. So z.B. bei den imaginären und komplexen Zahlen (vergleichsweise trivial), noch grundsätzlicher bei Schrödingers Katze und bei der Quantentheorie allgemein. Danach gibt es nicht nur das – scheinbar – ausgeschlossene Dritte, sondern es gibt überhaupt keine gültige Wahrheit, weil die jeweilige Wahrheit durch das Experiment erzeugt wird.
Die menschliche Freiheit ist sozusagen nicht größer als die, die nach der Quantentheorie jedem einzelnen Quantum zukommt. Das von dir angesprochene Paradoxon also trivial.
Die christliche Theologie hat das Problem aber ebenfalls schon längst durch die Vorstellung „höher als alle menschliche Vernunft“, „bei Gott ist kein Ding unmöglich“ und „credo quia absurdum est“ usw. aufgelöst.
Die ersten Formulierungen in dieser Richtung finden sich schon bei Paulus (

Hans Küng erklärt von Enzylexikon

12. Dezember 2015

Hans Küng 

eins seiner Werke zum Gottesbegriff: Existiert Gott?

Die zu erklärende Aussage:

Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!

Enzylexikon:

„Eine Interpretation wäre, das man Gott und Welt nicht trennen kann, so wie man Geist und Körper nicht trennen kann. Es gibt keinen Widerspruch zwischen beidem.

Immerhin soll die Welt Gottes Schöpfung und der Mensch sogar nach seinem Ebenbild geschaffen sein – wie könnte es also sein, dass die Schöpfung nicht selbst, das Göttliche inne hat?

Der Anblick einer grandiosen Landschaft beeindruckt uns – „wow, der Fluß muss Jahrmillionen gebraucht haben, sich so durch den Fels zu fressen….“

Aber ich denke, wir bewundern da nicht nur einfach die Leistung einer beeindruckenden Naturgewalt, sondern empfinden emotional, dass diese Welt viel größer und mächtiger ist, als wir als einzelnes Individuum jemals sein können.

Diese „Ehrfurcht“ vor der Macht von Zeit und Natur ist vielleicht mit der Ursprung des religiösen Empfindens.

Islam

Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!“

Das klingt beeindruckend, groß, riesig.

Im Islam sagt man „Allahu akbar“ – Gott ist größer. Aber da stellt sich natürlich die Frage – „größer als wer oder was?“

Größer als ein Mensch?

Wäre der Schöpfer eines Universums ganz sicher.

Größer als die eigene Schöpfung?

Vermutlich, denn sonst hätte er sie nicht schaffen können.

Gleichzeitig heißt es im konservativen Islam aber auch, das man den Körper nicht durch Tätowierungen verändern soll – er ist Gottes Geschenk. Man soll sich auch kein Bildnis von Gott machen.

Allerdings muss auch die Schöpfung etwas besonderes sein, dann im konservativen Islam ist auch die Darstellung von Lebewesen verboten, was gedeutet werden kann, dass man der Schöpfung den gleichen Respekt entgegen bringen soll, wie dem Schöpfer.

Das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz…..

Hinduismus

Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!“

Gott kann in diesem Zitat auch als Symbol für das Unergründliche gesehen werden, dass sich in der gesamten Schöpfung findet.

In den hinduistischen Upanischaden gibt es die Erzählung von der Feige oder Mango die immer weiter geteilt wird, bis sie so klein ist, das man sie nicht mehr sehen kann.

Dieses nicht mehr Wahrnehmbare und daher Unteilbare, sei der Wesenskern des Menschen (Atman) und identisch mit dem Göttlichen (Brahman), ohne sich dessen bewusst zu sein.

Es wäre also das „Unendliche im Endlichen“, wie Küng es nennt.“

Enzylexikon Sein gesamter Text auf gutefrage.net

Wenn ich – bis auf ein paar stillschweigende Änderungen der Rechtschreibung – den Text verbessern wollte, müsste er weit ausführlicher werden. Was mir an dem Text gefällt, ist, dass er immanent auf Küngs Konzept vom Weltethos hinweist. 

Johannes Paul II. und Gott im Gespräch

31. Mai 2014

Johannes Paul II. fragt: „Wird zu meinen Lebzeiten das Zölibat abgeschafft?“

Gott: „Nein.“

Johannes Paul II. fragt: „Wird zu meinen Lebzeiten  die Frauenordination eingeführt?“

Gott: „Nein.“

Johannes Paul II. fragt: „Wird es noch einmal einen polnischen Papst geben?“

Gott: „Zu meinen Lebzeiten nein!“

(nach Küng: Erlebte Menschlichkeit, S.340)

Erst zu Ostern mit der Auferstehung wird Jesus als Christus Mitregent auf Gottes Thron

27. Mai 2014

Psalm 2,7; 110,1

Apostelgeschichte 2, 32-36 (in der Pfingstrede des Petrus) und 13, 33

Markus 10, 18 (Jesus erklärt: nur Gott ist gut; Jesus ist es nicht)

Römerbrief 1, 4 (Jesu Sohnschaft kommt erst durch die Auferstehung zustande)

Hans Küng: Erlebte Menschlichkeit, S. 234-235

 

Glanz und Elend der Philosophie

9. Januar 2010

„Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält, schau alle Wirkungskraft und Samen und tu nicht mehr in Worten kramen.“

„Du gleichst dem Geist, den du begreifst, nicht mir.“

„Ich Ebenbild der Gottheit“

Mit diesen Worten hat Goethe im Faust Glanz und Elend der Philosophie beschrieben:

Die Wesensschau, die Einsicht in die tiefsten Beweggründe des Lebens und der Welt. Nicht nur die Oberfläche, sondern die Sicht auf den Wesenskern, die Wahrheit. Das ist es, was die Philosophen erstreben.

Was sie erreichen, sind Teileinsichten oder Systeme. Systeme, denen man anmerkt, dass sie das, was wir als Fülle des Lebens in all seinen Widersprüchen erfahren, zwar ordnen, aber nie ganz erfassen können.

Wer statt dessen seine Zuflucht bei den Wissenschaften sucht, wird das Ziel Einsicht in die innersten Beweggünde von Leben und Welt ganz gewiss nicht erreichen. Zu deutlich ist, dass alle wissenschaftliche Erkenntnis vorläufig ist und dass Wissenschaft, die am Ziel angekommen zu sein wähnt, nur in einer Phase der Stagnation verweilt.

Weshalb nun das Elend der Philosophie?

Schon Plato hat erkannt und im Höhlengleichnis eindrücklich veranschaulicht, dass die Menschen aufgrund ihrer Beschränkung die eigentliche Wirklichkeit nicht erkennen können. Kant hat das mit seinem Blick auf Anschauungsformen (Raum und Zeit) und Kategorien (u.a. Ursache und Wirkung), die die Voraussetzungen menschlicher Erfahrung sind, präzisiert. Die moderne Hirnforschung analysiert immer mehr ins Einzelne gehend, wie der Apparat, mit dem wir Welt in uns aufnehmen, viel wichtiger für den Eindruck ist, den wir erhalten, als die Außenwelt selbst.

Dass man sich dazu bringen kann, eine Gummihand als seine eigene zu erleben, und dann auch die Berührungen an dieser Hand als Berührungen seiner selbst zu erleben. Dass man Schmerzen an Körperteilen haben kann, die gar nicht mehr existieren. Dass man das Gefühl, was zu seinem Körper gehört, ganz verlieren kann. All das beschreibt schmerzlich, wie wenig unsere Erfahrungen mit der Wirklichkeit, genau genommen: mit der menschlichen Wirklichkeit, zu tun zu haben brauchen.

Aber tiefer als zu der Erkenntnis, dass unser Gehirn und dass unsere spezielle Position in der Raumzeit unsere Erkenntnis unendlich beschränken, kann uns Wissenschaft nicht führen. Wir bleiben also auf die Erkenntnis der Welt für uns beschränkt. Und doch, was für ungeahnte Erkenntnisse können uns dabei zuteil werden. Die Fähigkeit, Schmerz völlig zu überwinden. Das Erlebnis, große Kunst schaffen zu können, selbst unter den Bedingungen äußerster Erniedrigung im Konzentrationslager. Das gibt es.

Wozu nun aber Philosophie?

Wir bleiben in unserer Welt „gefangen“. Aber immer wieder haben einzelne etwas von dem, was zu unserem Leben gehört, genauer betrachtet, eindrücklich beschrieben.

Wie konnte es gelingen, dass uns bewusst wird, dass das Unbewusste uns steuert? Wie, dass wir das Unvorstellbare selbstverständlich in unsere Lebenswelt aufnehmen? Unendlichkeiten verschiedener Größenordnungen; Räume mit mehr als drei Dimensionen; imaginäre Zahlen, die Rechenergebnisse zulassen, die von der Definition der Rechenoperationen an sich ausgeschlossen sind (minus mal minus gibt plus; plus mal plus gibt plus und doch Wurzel aus -1).

Wir wissen, dass wir nicht „Gottes Ebenbild“ sind. Schon deshalb, weil wir wissen, dass „Gott“ nicht von dieser Welt ist. Die Zeiten „da ihr noch die schöne Welt regiertet„, sind vorbei. Und doch, welches Glücksgefühl, wenn man etwas tiefer verstanden zu haben glaubt.

Vorstellungen von Gott

30. August 2008

Viele Menschen glauben, sie müssten sich ihre Vorstellung von Gott von anderen vorschreiben lassen.
Ich sehe das nicht so. Eher denke ich, dass sich unsere Vorstellung von Gott im Laufe des Lebens entwickelt. Wir übernehmen erst von den Eltern, dann von anderen Vorbildern eine Vorstellung. Durch Erfahrungen wandelt sie sich.
Bestätigt fühle ich mich durch Tejason, der schreibt:
„Da ich vielfach erlebt habe, dass Menschen sich von der Kirche entfremdet haben und sich selbst als „nicht richtig glaubend“ erlebt haben, weil sie mit vielem, was sie gehört haben, nichts anfangen konnten oder ihr Gefühl sich sogar heftig dagegen wehrte, erscheint es mir wichtig zu sagen, dass es schon in der Bibel viele verschiedene Gottesbilder, oder vielleicht sollte man besser sagen „Gottesbeziehungen“ gibt. […] Immer werden die Kultur, in der man lebt, die Zeit, in der man lebt und das persönliche Schicksal die Beziehung zu Gott mitbestimmen.“