Posts Tagged ‘Holocaust’

Passiver Widerstand gegen den Holocaust

27. Oktober 2014

Den bekanntesten erfolgreichen passiven Widerstand haben die deutschen Frauen Tausender Juden geleistet, die in die Vernichtungslager deportiert werden sollten. Sie haben tagelang die Berliner Rosenstraße besetzt, bis die Nazis auf die Deportation verzichteten.

Die Wikipedia schreibt dazu: „Der Rosenstraße-Protest war die  größte spontane Protestdemonstration im Deutschen Reich während der Zeit des Nationalsozialismus. Ende Februar/Anfang März 1943 verlangten „arische“ Ehepartner aus „Mischehen“ und andere Angehörige von verhafteten Juden in Berlin deren Freilassung.“
Den umfassendsten passiven Widerstand haben die Judenräte geleistet, die von den Nazis dazu gezwungen wurden, ihnen bei der Erfassung und Ermordung ihrer Schicksalsgenossen zu helfen.

Zitat aus dem Wikipediaartikel:
„Die ersten Judenräte mussten für sie vor allem die jüdische Bevölkerung ihres Ortes zählen, Wohnungen räumen lassen und ihnen übergeben, Zwangsarbeiter zur Verfügung stellen, Wertsachen konfiszieren, Tribute sammeln und auszahlen.
Durch diese Maßnahmen der Besatzer, die zudem alle staatlichen Dienstleistungen strichen und verhinderten, entstanden enorme Versorgungsprobleme in den jüdischen Gemeinden. Daher nahmen die Judenräte auch am Aufbau eigener Ersatzinstitutionen teil. Sie versuchten, die Lebensmittelverteilung zu organisieren, Krankenstationen, Altenheime, Waisenhäuser und Schulen aufzubauen. Zugleich versuchten sie mit den ihnen verbliebenen Möglichkeiten, den Zwangsmaßnahmen entgegenzuwirken und Zeit zu gewinnen.
Dazu verzögerten sie die Umsetzung der Befehle und bemühten sich, diese abzuschwächen, indem sie Rivalitäten verschiedener Besatzungsstellen auszunutzen versuchten. Sie stellten ihre Arbeitskräfte als möglichst unentbehrlich für die Deutschen dar, um ihre Versorgungslage zu verbessern und die Deutschen zur Rücknahme einiger Kollektivstrafen zu bewegen.“ (Hervorhebung von mir)
Meinen vollständigen Artikel findet man auf dem Blog Fontanefan.

Jüdischer Widerstand gegen den Holocaust

18. September 2013

Geht nicht wie die Schafe zur Schlachtbank!“ so begann der Aufruf von Abba Kovner, der Anfang 1942 zur Gründung der Fareinikte Partisaner Organisatzije, der Widerstandsorganisation im Wilnaer Ghetto führte [zur Metapher „Schafe zur Schlachtbank“].

Ich habe über den Wilnaer Widerstand erst heute erfahren. Zum Glück findet sich aber einiges in der Wikipedia, was ich hier verlinken werde.

Weit ausführlicher informiert das Buch von Abraham Sutzkever:
Wilner Getto 1941–1944, übersetzt von Hubert Witt, Ammann Verlag, Zürich 2009. ISBN 978-3-250-10530-5

Abraham Sutzkever, „Überlebender des Wilnaer Ghettos, war einer der bedeutendsten Gegenwarts-Dichter in jiddischer Sprache. In seiner Frühzeit hat er in seinen Schriften vor allem die jüdischen Leiden während der NS-Zeit thematisiert, später wandte er sich mehr israelischen Themen zu. Seine Werke sind in über 30 Sprachen übersetzt worden.“ (Zitat aus dem verlinkten Wikipediaartikel)

Kurzbiographien von wichtigen Bewohnern des Wilnaer Ghettos

Wilna während des Holocausts

Als die Widerstandsorganisation von Wilna im Warschauer Ghetto vom Völkermord an den Juden berichtete, wollten die führenden Vertreter nicht daran glauben, dass die 500 000 Menschen im Ghetto wirklich alle getötet werden würden. Es bedurfte schrecklicher Erfahrungen, bis man ihnen Glauben schenkte und auch dort Widerstandsorganisationen gründete. Bis sie sich vereinigten, bedurfte es weiterer Schreckenstaten.

Aufstand im Warschauer Ghetto

Wenn man bedenkt, wie schlecht die Informationen über die Pläne der NS-Führung über eine Vernichtung aller Juden in Europa waren, braucht man sich über die Zweifel nicht zu wundern, die den Nachrichten über den unglaublichen Plan eines Völkermords entgegengebracht wurden. 

Angesichts der grausamen Vergeltungsmaßnahmen, mit denen die Deutschen jeden Widerstandsakt beantworteten, kann man auch die Skrupel gut verstehen, dass man nicht zum Auslöser einer solchen Maßnahme werden wollte. Selbst Jitzchak Wittenberg, der Kommandeur der Wilnaer Widerstandskämpfer, hat sich selbst den Deutschen ausgeliefert, als sie mit einer Bombardierung des Wilnaer Ghettos drohten, in dem  am Beginn der Vernichtungsaktion etwa 55 000 Menschen lebten. 

(Gerade heute wurde des Massakers von Oradour gedacht, das in Frankreich verübt wurde, wo die SS-Truppen  gewiss noch eher Hemmungen hatten, unmenschliche Grausamkeiten zu begehen, als gegen Juden. – Zum Gedenken von Hollande und Gauck an Oradour)

Abraham Sutzkever hat 2005 dem Sinne nach gesagt: Kämpft gegen den Hass, erzieht zur Liebe. Aber macht den Bösen klar, dass sie keine Gnade finden. (zu finden in: Wilner Getto 1941–1944, übersetzt von Hubert Witt, Ammann Verlag, Zürich 2009. ISBN 978-3-250-10530-5)

Darin ist ein Dilemma beschrieben, das jeden von uns trifft, das die Bewohner der Ghettos aber in schreckliche Auseinandersetzungen führte. Und dennoch und trotz der Unmöglichkeit, sich auch nur annähernd zureichend mit Waffen zu versorgen, hat der Widerstand sich organisiert und dazu geführt, dass viele (wenn auch viel zu wenige), die vernichtet werden sollten, überleben konnten und dass Abraham Sutzkever und Marek Edelmann (u.a.: Das Ghetto kämpft. Berlin, 1993) ISBN 3-927170-05-4 so eindrucksvoll Zeugnis ablegen konnten.

Über die Art des Lebens, aus dem heraus der Widerstand organisiert wurde, berichtet die

Chronik des Gettos Lodz

Dazu:

Innerhalb der jüdischen Getto-Verwaltung wurde im November 1940 ein Archiv gebildet, zu dessen Aufgaben die Sammlung von Dokumenten und Materialien für eine künftige Darstellung der Geschichte des Gettos gehörte. In diesem Archiv schrieben vom 12. Januar 1941 bis zum 31. Juli 1944 mehrere Mitarbeiter, vorwiegend Journalisten und Schriftsteller, die Getto-Chronik, zunächst auf Polnisch, später dann auf Deutsch.

Jeden Tag fertigten sie einen Tageseintrag an, in dem sie tagesaktuell über wichtige Ereignisse im Getto berichteten. Sie produzierten gewissermaßen eine Tageszeitung, allerdings eine Zeitung, die keine Leser hatte, da sie ausschließlich für das Archiv geschrieben wurde und einer späteren Generation für das Verständnis des Lebens und Sterbens im Getto dienen sollte.“ (Einführung in die Chronik)
Von der Länge her ist dies mehr als ein Schnipsel. Bezogen auf das, was es zu berichten gälte und woran die Erinnerung nicht verloren gehen darf, ist es viel zu wenig. 

Jüdischer Widerstand gegen den Holocaust

Man schätzt, dass europaweit bis zu 1,5 Millionen Juden am regulären militärischen Kampf und am Partisanenkampf gegen die NS-Herrschaft beteiligt waren.“

 Informationen zu Yad Vashem auf deutsch


Habt keine Angst!

27. Januar 2012

“Habt keine Angst, Schwestern, das Ende dieser Mörder ist nahe!” rief Mala Zimetbaum den zum Appell im Frauenlager des KZs Auschwitz angetretenen Frauen zu.
Das Gedenken an die Opfer des Nazregimes schließt das Gedenken an die Widerstandskämpfer/innen ein.

Die Nummer

4. September 2008

„Aber es hatte nichts mit Geld und Geiz zu tun, wenn die Überlebenden diese Nummern so selten entfernen ließen […] fast als sei es eine Verpflichtung den Toten gegenüber, nahm man die Auschwitznummer mit in die Nachkriegswelt […]. Es war Totenehrung und Lebensbejahung in einem.“ So verstand Ruth Klüger ihr Beibehalten der KZ-Nummer, die sie übrigens nicht auf sich bezogen und daher auch nicht wirklich gemerkt hatte, bis …

„Es war ein autoritärer Rauswurf, den ich der Nummer auf meinem Arm zu verdanken hatte, denn ohne diese wäre meine Vergangenheit nicht erkennbar gewesen.“ Dass sie so ihren Schein verlor, dass niemand ihr half,  das allein hätte die Reaktion, die dann folgte, nicht bewirkt. Es war ein Leben, in dem sie immer wieder zurückgewiesen, ihrer Meinung nach unfair behandelt, mit einem andern Maßstab gemessen wurde. Schließlich will sie die Nummer nicht mehr tragen.

„Die junge Ärztin hat gute Arbeit geleistet, und ich werde diese Spuren der Nazizeit nicht in den Sarg (vom Jenseits halte ich nicht viel) mitnehmen müssen.“

Die Entscheidung, nicht mehr in jedem Kontext Zeitzeugin der Shoa zu sein, weil es in unseren Gesellschaften eine zu extreme Aufgabe ist. Dafür aber schreibt sie ihre Lebenserinnerungen, in der die Nummer eine wichtige Rolle spielt.