Posts Tagged ‘Hunger’

Fleisch und Diesel statt Kampf gegen den Hunger

9. Juli 2010

Eine knappe Zusammenfassung des Welternährungsproblems bietet Wolfgang Kessler unter der Überschrift „Der Hunger der Reichen“ in Publik Forum.

1,2 Milliarden Menschen hungern, nicht weil zu wenig Nahrungsmittel produziert würden und zu wenig Land da wäre, sondern weil Nahrungsmittel und Land denen zugeteilt werden, die dafür bezahlen können.

We feed the World“ beschreibt es richtig.

Leider ist es für den einzelnen weit leichter, sparsam zu wirtschaften, als ökologisch und sozial verträglich zu konsumieren.

Denn die Preise sagen nicht die ökologische Wahrheit und was als unser nationales Interesse auch mit Waffengewalt vertreten wird, ist nicht, dass wir nicht mitschuldig werden am Tod von Millionen von Kindern.

Aber man braucht sich nicht alle Informationen zusammenzusuchen. Auf der Internetplattform für strategischen Konsum wird zusammengetragen, was man braucht, um sozialverträglich zu konsumieren.

Doch wer es einfacher haben will: Weniger Fleisch essen, weniger Auto fahren oder gar fliegen und sein Haus stärker dämmen, damit es im Sommer kühler und im Winter wärmer bleibt, sind einfach verständliche Rezepte. (Wer ein wenig anspruchsvoller ist, kann hier 10 Regeln zum Öleinsparen lesen.)

Aber wenn der Billigflug doch nur 10 Euro kostet?

Wir zahlen 10 Euro und unsere Kinder die Zeche.

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Recht auf Überlebenskampf ohne Gewalt

22. Juni 2010

1,2 Milliarden Menschen auf der Welt hungern. 80 Prozent von ihnen könnten ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft sicherstellen, wenn sie sie nicht ihrer Produktionsmöglichkeiten beraubt worden wären. Millionen leben freilich in Lagern, wo sie von internationalen Hilfsprogrammen notdürftig am Überleben gehalten werden.

2008 gab es in 33 Ländern Hungerrevolten. Menschen haben versucht, sich Nahrung oder Land und Produktionsmöglichkeiten zu verschaffen. Das geht nicht ohne Gewalt ab. Sieger ist regelmäßig die Staatsgewalt. Die Hungernden ziehen den Kürzeren.

Erfolg gegen die Staatsgewalt haben gegenwärtig freilich Piraten, die von Reedereien hohe Lösegelder für gekaperte Schiffe erpressen. Die internationale Staatengemeinschaft hat große Probleme, sich ihrer zu erwehren.

1996 auf dem Welternährungsgipfel in Rom setzte sich die teilnehmenden Staaten das Ziel, bis 2015 die Zahl der Hungernden zu halbieren. Doch nach ersten Erfolgen ist sie inzwischen wieder enorm gestiegen. Jedes Jahr verhungern 5 Millionen Kinder.

Woran liegt das?

Kleinbauern, die früher – wie seit Jahrtausenden alle Bauern – ihr eigenes Saatgut produzierten, müssen ihr Saatgut kaufen, weil Nahrungsmittelkonzerne ein Patent darauf haben oder weil das Saatgut hybrid ist, so dass sich davon kein neues Saatgut produzieren lässt. Sie müssen Pestizide und künstlichen Dünger einkaufen. Viehzüchter können ihr Vieh nicht verkaufen, weil Industrieländer – nicht zuletzt die EU – subventioniertes Gefrierfleisch zu konkurrenzlos billigen Preisen auf den Markt bringen. Fischer können nicht mehr von ihrer Arbeit leben, weil Industriestaaten Flotten ausrüsten, die ihnen die Fischgründe leerfischen. (Die mit dem größten Unternehmergeist und der genügenden kriminellen Energie werden Piraten oder Schlepper, die auf hochseeuntüchtigen Schiffen jährlich tausende von Menschen tausende von Seemeilen transportieren, um sie dann in überfüllten Rettungsbooten ihrem Schicksal zu überlassen.)

Angesichts dieser Situation wurde 1996 von der internationalen Kleinbauern– und Landarbeiterbewegung Via Campesina der Begriff Ernährungssouveränität geprägt. Er bezeichnet ein politisches Konzept, wonach jeder Mensch, der die Fähigkeit hat, sich selbst zu versorgen, nicht daran gehindert werden soll.

Das bedeutet konkret, dass es den Staaten möglich sein soll, regionalen Handel zu stützen und einen Umbau der Landwirtschaft auf reinen Nahrungsmittelexport (cash crops) zu verhindern. (vgl. auch attac Rundbrief 03/08, S.3)

Dass die Wirtschaft der Kleinbauern erhalten bleibt bzw. wiederhergestellt wird, liegt auch in unserem Interesse: die Gefährdung der Artenvielfalt, der Klimawandel und die Ausbreitung von Allergien hängen mit dem Übergang von kleinbäuerlicher Landwirtschaft zu industrieller Landwirtschaft zusammen.

Arm und Reich

14. Juni 2009

Erstaunlich, wie rasch nach dem Offenbarungseid der Banken Victory-Ackermann schon wieder die 25%-Rendite propagierte. Jetzt zieht sogar schon der Philosoph Peter Sloterdijk nach und propagiert die Fortsetzung der Deregulierung, auf dass ein zweites Mal der Steuerzahler die Boni der Banker finanzieren möge – mit weiteren Hunderttausenden von Hungeropfern in der Dritten Welt.
Dass ein Geldkreislauf nicht stattfinden kann, wenn Geld immer nur nach oben verteilt wird, das ist für Ihn eine zu triviale Überlegung. Hochintelligent so wie die Mathematiker, die sich immer neue Zertifikate ausdachten. Er ist in der Tat höchst geistvoll.
Doch Philosophie sollte auch in der Lebenswelt Sinn machen.

Wer sich von Sloterdijk erholen will, mag vielleicht Martin Walser lesen. Der bleibt wenigstens relativ konkret.

Anstieg der Lebensmittelpreise

3. Juni 2008

Nach Ansicht von UN-Experten ist Biodiesel nur einer von vielen Gründen für den Anstieg der Lebensmittelpreise. Der Hauptgrund sei die Veränderung der Ernährungsgewohnheiten in Gebieten der Dritten Welt, wo steigender Wohlstand eine Nachahmung des Fleischkonsums in den westlichen Industrieländern möglich macht. Rund siebenmal so hoch ist der Getreideaufwand für Fleischproduktion wie für vegetarische Nahrung. (Bei Rindfleisch liegt der Aufwand beim Zwölffachen.)