Posts Tagged ‘Internet’

Veränderung unserer Welt durch das Internet

26. Januar 2010

Die digitalen Medien, und da wieder besonders das Web zusammen mit den Handys, verändern die alte Bürokultur, die knapp 30 Jahre im papierenen Fax-Zeitalter verharrte: Siemens Telefonanlagen, Rank Xerox Photokopierer, Microsoft Office Files, die permanent ausgedruckt wurden und dann gleich wieder zu vielen feinen Streifen zerschnitzelt. Die Digital Natives sind eher Objekte dieser Entwicklung, nicht Ursache und Treiber.

So schreibt Martin Lindner in seinem Blog über Weblernen. Die Frage, ob Alte oder Junge netzaffiner sind, beantwortet er sozusagen dialektisch: Um im Netz eine Rolle zu spielen, braucht man sprachliches Training. Das haben die heute Aktiven meist außerhalb des Netzes gelernt. Die meisten Jungen sind nur für Chatten und Spiele im Netz.
Andererseits: Seine Tochter hat alles mögliche im Netz ohne Anleitung gelernt und bewegt sich mit 12 jahren dort mit großer Sicherheit.

Meine Position zunächst nur kurz.
Ich gebe ihm Recht. Genauer aber: Die Älteren finden die Bereiche im Netz, die ihren Interessen und Begabungen entsprechen. Die Jüngeren benutzen das Netz zunächst einmal vielseitiger, weil sie weniger festgelegt/geprägt sind. Dadurch bilden sich auch technisch breitere Handlungsfähigkeiten heraus.
Natürlich benutzt eine extrem hohe Prozentzahl Computer wie Netz fast nur zur Unterhaltung. Der Prozentsatz ist bei den Kindern gewiss größer als bei den 80-jährigen. (Es sei denn, man fasst alles, was Nicht-Berufstätige machen, nur noch als Unterhaltung auf.)

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Zensurursula, Twitter, Piratenpartei und die Bildung

26. Juni 2009

Jean-Pol Martin berichtet von der

Vorstellung, dass “die Bildungskompetenz schrittweise von den etablierten Institutionen auf die Online-Communities übertragen wird”. Anders ausgedrückt: die Communities vermitteln technisches Wissen und gleichzeitig auch Allgemeinwissen und Werte, und machen damit Konkurrenz zu den etablierten Bildungsinstitutionen

Ehrlich gesagt, so irrsinnig viel Kompetenz – Ausnahmen bestätigen die Regel – sehe ich bei den Communitys (die deutsche Sprache sollte ihre eigenen Regeln behalten, vgl. Dieter E. Zimmer) nicht unbedingt. Dass man Internetkontakte an die Stelle von Blick- und Umfeldkontakten setzt, wird dem Einzelnen nur im Ausnahmefall helfen. Mediation über Internet ist ähnlich hilfreich wie Eliza als Therapeutin. (Wie soll herüberkommen, dass der andere mir zuhört, dass er mich ernst nimmt, mich versteht, dass er aber genauso meinen Streitpartner ernst nimmt und versteht? Wie soll das Verstehen vom Vermittler auf die Streitpartner übergehen, wenn nicht in einem Raum, wo man fühlt, wie der andere zu einem steht?) Womit ich nichts gegen das Schiedsgericht der Wikipedia gesagt haben will. Aber Kinder und Jugendliche brauchen den persönlichen Kontakt, und vornehmlich dafür braucht auch derjenige, der sie stärken will, Kompetenz.

Kleine Linksammlung

22. Juni 2009

Auswirkung der Finanzkrise auf die Entwicklungsländer (Stiglitz-Kommission)

Wie wurde man NSDAP-Mitglied?

Machtkampf im Iran

Cash-pooling bei Arcandor

Weisheit der vielen für Entscheidungen nutzen

Wie soziale Netzwerke funktionieren

Inwiefern eine Gruppe ihr eigener Feind ist

Strombedarf der Informations- und Kommunikationsindustrie

Tendenzen im Internet

Zensur im Internet

Gefährdung der bisherigen Veröffentlichung naturwissenschaftlicher Ergebnisse

Selbsttest für Lehramtsstudierende

Manfred Osten warnt vor „digitaler Demenz“

Schaffen RSS-Feeds nur Zitationskartelle? – Diskussion

Strafen in der Schule

Schüler dokumentieren ihre Arbeit mit Lernen durch Lehren

Schüler und Lehrer über Abistreich – eine Reflexion

Polenfahrt

In der Eisenbahn gehört von Annabell

Zensurursula – vom Wandel meines Urteils

7. Juni 2009

Die Erfahrungen mit Phishing zeigen, dass das Löschen illegaler Inhalte unabhängig vom Serverstandort im Schnitt binnen vier Stunden möglich ist. Voraussetzung dafür ist, dass
* man von der Existenz der Inhalte weiß,
* die Entdecker der Inhalten wissen, wie und an wen sie ihr Wissen kommunizieren müssen,
* es bei den Hosting-Providern eingeübte Takedown-Verfahren gibt und
* ein rechtlicher und institutioneller Rahmen gegeben ist, der den Handelnden ein effektives Tun ermöglicht.

So der Hinweis eines Spezialisten. Danach weist er darauf hin, dass es bei Kinderpornographie diesen institutionellen Rahmen nicht gebe und dass er nur dadurch entstehen könne, dass ohne staatliche und polizeiliche Mitwirkung gehandelt werde.
Ob das so ist, kann ich nicht beurteilen.
Die Überlegung, dass Verbrecher nur unter besonderen Umständen bereit sind, mit der Polizei zusammenzuarbeiten, erscheint mir aber überzeugend.
Heißt das, dass Verbrechensbekämpfung im Internet nur noch durch Privatpersonen möglich ist? (In der ZEIT vom 28.5.09 wurde das Internet als weitgehend rechtsfreier Raum gesehen. )Das hieße, dass es eine Internetmafia gibt, der schnellstens das Handwerk gelegt werden muss. Notfalls durch Totalzensur des Internet.
Die Einhaltung der Menschenrechte darf nicht vom Wohlwollen von Privatpersonen abhängig sein.
Dabei bleibe ich, auch wenn die neusten Nachrichten darauf hindeuten, dass der Gesetzentwurf nicht durchdacht und völlig unzureichend vorbereitet war. (Einschub vom 15.6.09)

Dass die Menschenrechte in Staaten auch nicht in besten Händen sind, mir freilich bekannt. Amnesty international hat da eine schwere Aufgabe. Für mich ist das aber kein Grund, die Staatsgewalt statt demokratisch legitimierten Institutionen Privatleuten zu übergeben.
Wohin es führt, wenn die Staatengemeinschaft kollektiv auf die Kontrolle von Privatunternehmen verzichtet, hat mir die Finanzkrise mit den katastrophalen des daraus resultierenden staatlichen Handelns gezeigt.

Nachtrag vom 12.6.:
Die Bundesregierung scheint allerdings vor der Entscheidung für Stoppschilder vor CP-Seiten erstaunlich wenig getan zu haben. Zwar glaube ich weiterhin nicht an Verschwörung, aber auch nicht mehr an solide Arbeit.

Nachtrag vom 14.6.:
Ich warte noch etwas ab. Wenn aber die SPD-Forderungen berechtigt sind und entsprechende Maßnahmen nicht von vornherein vorgesehen waren, dann bleibt mir nur die Auswahl zwischen Verschwörungstheorie oder Dummheit bei den für die Sperrregelung verantwortlichen Gesetzesmachern. Beides möchte man ungern unterstellen …

Nachtrag vom 15.6.:
Dass jetzt der Datenschutzbeauftragte die Expertenkommission zur Bestimmung der kinderpornographischen Seiten berufen soll, seinerseits aber gar nicht darauf angesprochen worden war (Bericht von heise online), macht die Initiative der Bundesregierung ganz fragwürdig. Offenbar ist mit sehr heißer Nadel gestrickt worden in der Hoffnung, dass das Stichwort Kinderpornographie schon alle Bedenken ausräumen werde. So leid es mir tut, jetzt bleibt mir zum Verständnis des Vorgangs nur noch die oben genannte Alternative.
Nachtrag vom 20.6.
Inzwischen ist das Gesetz im Bundestag beschlossen worden. Die Opposition stimmte dagegen, Kritik kam auch vom hessischen SPD-Vorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel, es gab 18 Enthaltungen.
Der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisierte: „Da wurde mit sehr heißer Nadel gestrickt.“ Diesem Urteil folge ich inzwischen eindeutig. Ob aber wirklich genügend Löschungen hätten durchgesetzt werden können, dass das Gesetz überflüssig geworden wäre, kann ich nicht beurteilen.
Nur scheint mir inzwischen klar, dass es nicht genügend versucht wurde.
Nachtrag vom 23.6.:
Stellvertretend für viele Kommentare des Gesetzesbeschlusses setze ich hierher den Link zur Stellungnahme auf dem Wikimedia Blog. Dort findet sich auch ein Link zum Inhalt und einer zum Wortlaut des Gesetzes sowie Links zu Stellungnahmen von Kritikern des Gesetzes.
Nachtrag vom 11.8.09
Neuerdings hat sich Angela Merkel zum Thema geäußert.

Neuer Sozialismus?

26. Mai 2009

Eine neue Art von Kollektiv sieht Kevin Kelly im Internet entstehen. Mal wieder wird Wikipedia als Beispiel herangezogen.
Die Argumentation scheint mir nicht ganz überzeugend; aber ich müsste ihr noch genauer nachgehn.

Twitter – Pro und Kontra

1. März 2009

Ich habe hier schon einiges zu Twitter gesagt.
Inzwischen gibt es einen schönen Blogeintrag von csspannagel, wo die Frage intensiv im Dialog behandelt wird und außerdem in lesenswerten Kommentaren auch auf das Problem von „Informationsflut“ und Informationsverarbeitung allgemein ausgeweitet wird.
Dabei wird Frank Hartmann zitiert:

Es wird hier neue Möglichkeiten geben, Informationen zu selektieren, Wissen zu bilden und Wissen auch zu kontextualisieren. Der Begriff des Kontextes ist hier wichtig.

Dazu: Wichtig ist mir, dass ich Informationsangebote, bei denen es mir nicht gelingt, sinnvoll zu filtern nicht nutze. Was nutzt mir ein Filter, den es erst in Zukunft gibt.
Aber neben Goethe, Clausewitz und Marx, die immer wieder zu lesen sich lohnt, probiere ich auch mal etwas Kracht oder Robert Basic, die mir gelegentlich Anregendes vermitteln.
J-P. Martin meint in der Diskussion: „… in diesem enormen Wust von Twitter-Interaktionen kann ich untergehen. Ich kann aber auch die Geduld haben zu warten, bis ein Impuls emergiert, der in keinem anderen Kontext emergiert wäre […] Warten muss man allerdings und Geduld haben.“ Dabei geht er davon aus, dass er anstößt und auf Ergebnisse wartet, weniger davon, dass er angeregt werden will. (Jedenfalls vermute ich das. Stimmt’s?)
Ergänzung vom 10.3.09:
Inzwischen hat Robert Basic sich zum Unterschied von Blogs und Twitter geäußert. Meiner Meinung nach hat er fast nur Selbstverständlichkeiten geäußert, aber die vielfältigen darauf folgenden Kommentare geben ein recht differenziertes Bild. Fazit: Basics Blog ist zu Recht so beliebt. Selbst wenn ein Beitrag mal nicht soo stark ausfällt, lohnt sich die Lektüre wegen der Kommentare.
Und wenn ich schon damit angefangen habe, hier noch der Hinweis auf die kleine Eintragsserie zu Twitter von web writing magazin, die ebenfalls häufig kommentiert wurde.
weiterer Nachtrag: Martin schreibt über die Chancen, mit Twitter die Kooperationsbereitschaft von Personen einzuschätzen. Meine Antwort findet sich dort.
Langsam ist Zeit für einen Artikel zu Twitter im ZUM-Wiki. Warum schreibt ihn nur keiner? (Wir alle twittern stattdessen ;-))
Zusatz vom 9.3.2010:
Inzwischen har Robert Basic interessante Überlegungen über die Zukunftsaussichten von Twitter angestellt, die ich für recht realistisch halte: Die Idee der Kurznachrichten ist von anderen Diensten aufgegriffen worden. Auf die Dauer wird sich ein Dienst durchsetzen, der mehrere Elemente der Vernetzung miteinander verbindet.

Dass nicht sein kann, was nicht sein darf?

10. Januar 2009

Ein Kommentator hat die Pflichtablieferung von Internettexten schon als Finanzierungsinstrument der Bundesregierung zur Deckung der 500 Milliarden Sicherheitsgarantie für die Banken bezeichnet, weil nach dem Wortlaut jeder erwachsene Bundesbürger verpflichtet sei, die Wikipedia an die Deutsche Nationalbibliothek zu liefern und bei Nichtlieferung zur Zahlung einer 10 000 € Strafe verurteilt werden könne.

Natürlich sagt gesunder Menschenverstand jedem Bürger und jedem Mitarbeiter der Nationalbibliothek, dass die Forderung unsinnig ist und die Nationalbibliothek also nicht darauf bestehen könne.

Wer aber sich nur einmal mit einem Juristen ernsthaft unterhalten hat, der weiß, dass gesunder Menschenverstand und erfolgreich durchsetzbare Gesetzesinterpretation mitnichten deckungsgleich sind.

Unternehmen müssen übrigens damit rechnen, schon bald zur „Lieferung“ aufgefordert zu werden.

Web 2.0

12. Dezember 2008

Basicthinking schreibt in seinem bekannten Blog über die gegenwärtige Situation in Web 2.0.
Dieser Text weist ihn als Medienwissenschaftler aus, der völlig anschaulich darzustellen weiß.

Gefahren des Netzes

8. Dezember 2008

Was einmal ins Internet geraten ist, ist meist nicht mehr daraus zu entfernen. Wer mit welcher Absicht gehandelt hat, ist dabei egal.
Ärger hat jetzt ein Mitarbeiter von Obama mit Facebook bekommen, der Abgeordnete der Linken, Heilmann, kann seinerseits ein Lied davon singen, was sein Versuch, einen Wikipediainhalt unzugänglich zu machen, ihm gebracht hat.
Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung hört auf, wenn man von Personen beobachtet wird, die gerne Informationen ins Internet stellen.
Deshalb sind insbesondere Jugendliche vor sozialen Netzwerken im Internet wie studiVZ, Facebook, Twitter usw. zu warnen. Dabei ist bekannt, dass vor allem Personen unter 30 sie besonders intensiv nutzen.
Zu warnen sind sie aber nicht nur wegen des Schadens, den sie sich selbst – etwa im Fall einer späteren Bewerbung – zufügen können, sondern auch wegen der Gefahr, dass sie eine Grundrechtsverletzung begehen und es nicht wieder gut machen können, wenn sie merken, was sie angerichtet haben.
Hier eine Karte zur weltweiten Verbreitung von Internetnetzwerken.

Dankbares Staunen

4. Dezember 2008

Zu konstatieren der tägliche methodische Wahnsinn:
Umweltzerstörung, Artensterben, share holder value statt Verwirklichung durch Arbeit für andere, weltweite Vernichtung von Lebensraum …

Fragwürdige Reaktionen:
Zu Unterstützung der Forderung nach Erhaltung der Arten und artgerechter Haltung von Tieren wird die Menschenwürde als Speziezismus (eine Art Rassismus) denunziert.
Um Euthanasie zu verhindern wird Lebensverlängerung von Menschen mit zerstörten Gehirnen juristisch erzwungen.
Auf fehlende Sprachfähigkeit von Migrantenkindern und psychische Verwahrlosung von berufsstressbedingt erziehungsunfähiger Eltern reagiert man mit Englischunterricht in Kindergärten, Internet für Grundschulen, Ritalin für alle Unaufmerksamen, Computer statt Lehrer.
Zur Ankurbelung der Konjunktur schafft man Anreize zu mehr Kohlendioxidausstoß statt Arbeitsplätze in Umwelttechnologie.
Oder man erklärt wie die katholische Kurie Probleme wie Überbevölkerung und Aids für nicht existent.

Staunenswerte Ausnahmen:
Festhalten an Werten und differenzierte Abwägung. Problemen nicht ausweichen, auch wo keine Lösung mit Mainstreammethoden möglich ist oder wo gar schwere Wertkonflikte auftreten.

Man begegnet ihnen immer wieder, dafür bin ich dankbar. Ich nenne ein paar bekanntere: Jürgen Habermas, Hans Küng, Alfred Grosser, Gesine Schwan, Adolf Muschg, Susanne Gaschke.
Oft stimme ich mit ihnen überein, bewundere, wie klar ausgesprochen wird, was ich nicht zu sagen vermochte. Nicht selten bin ich auch ganz anderer Meinung. Doch bin ich stets dankbar, dass selbständiges, abgewogenes Urteil in unserer hektischen Medienwelt überlebt.