Posts Tagged ‘Klimawandel’

Realitätssinn

17. April 2009

Ich habe an diesem Tag ein für alle Mal gelernt, dass Verhältnisse von Menschen gemacht sind, dass man sie nie für unveränderbar halten sollte.

Das schreibt Andreas Dresen über sein Erleben des Mauerfalls vom 9.11.1989. (ZEIT vom 16.4.09, S.42)
Verfechter eines ungeregelten Weltfinanzmarktes haben uns jahrelang einzureden versucht, dass das nicht richtig sei, obwohl sie ja wussten, dass der ungeregelte Finanzmarkt Schritt für Schritt politisch hatte durchgesetzt werden müssen (bis zu Basel II).
Vor allem aber haben sie darauf vertraut, dass Bürger und Politiker der westlichen Demokratien sich nicht wehren würden, weil sie angesichts der Managerherrschaft eins nicht gelernt hatten, was Dresen auch am 9.11.89 lernte:

Und dass es sich immer lohnt, die Stimme zu erheben. Das galt damals, und das gilt heute.

Einige wenige wussten das schon vor dem 9.11.89, im Westen wie im Osten.
Die Finanzkrise und die kommende Rezession führen hoffentlich dazu, dass noch mehr Bürger es lernen und dass sie ihre Stimme auch für die notwendigen Maßnahmen gegen Klimawandel und für nachhaltige Ressourcennutzung einsetzen werden.

Advertisements

Was ist gut an der Finanzkrise?

2. Januar 2009

Weil während einer Rezession das Dauerwachstum des Ressourcenverbrauchs unterbrochen wird, wird die Chance, das Klimaschutzziel zu erreichen, erhöht. Die Ölproduktion wird gedrosselt. Der Ölpreis steigt wieder. Das hilft, dass er sich wieder ein wenig den wahren ökologischen Kosten nähert.

Noch besser wäre freilich die Erkenntnis, dass das dauerhafte Stoppen des ständigen Mehrverbrauchs an Ressourcen für unseren Wohlstand wichtiger ist als jede Maßnahme zur Bekämpfung der Rezession.

Bei der Rezession drohen 2 – 5 % Produktionsrückgang für zwei bis vier Jahre in den Industrieländern. Beim Verfehlen des Klimaschutzziels käme es zu einem dauerhaften weltweiten Produktionsrückgang um 20% weltweit.

Es sollte klar sein, worauf unsere Maßnahmen zur Risikoabwendung gerichtet sein müssen. Davon ist leider wenig zu bemerken.

Obama und McCain

12. September 2008

Ein beachtenswerter Artikel von FOUAD AJAMI im Wall Street Journal zu The Foreign Policy Difference, den unterschiedlichen Positionen der Präsidentschaftskandidaten zur Außenpolitik.
Freilich ist es ein Problem, wenn man die beiden Bushs zum Normalfall erklärt und Bill Clinton zur Ausnahme. Denn nur so lässt sich ja die Aussage rechtfertigen, dass der Präsident vornehmlich als oberster Kriegsherr imponieren müsse.
Wenn man die Interpunktion nur ein wenig anders setzt und konstatiert, dass Clinton auf die neue Problemkonstellation durch weniger martialisches Auftreten richtig reagiert habe, dann erscheint Bush junior als ein gefährlicher, katastrophaler Rückfall in ein überholtes Paradigma.
Dazu passt, dass der CIA in seiner neusten Lageanalyse den Krisen durch Nahrungsmittel- und Wasserknappheit und dadurch ausgelösten Wanderungsbewegungen und – auch gewaltsamen – Konflikten sowie dem Klimawandel und seinen Folgen ein größeres Gefahrenpotential zumisst als dem Terror. Es wird also vermehrt auf Kooperation und Diplomatie und weniger auf Gewaltanwendung zu setzen sein.
Zum Nachlassen des Terrors: Seit 9/11 ist der Anschlag von Madrid 2004 der letzte gelungene Anschlag in der westlichen Welt. Und 2005 hat al-Qaida durch einen Anschlag des Spitzenmanns Abu Mussab auf eine jordanische Hochzeitsgesellschaft (9.11.05) sehr an Akzeptanz in der islamischen Welt verloren.

Klimawandel und Atomkraft

6. September 2008

Neuerdings wird immer wieder betont, man könne angesichts des Klimawandels zumindest kurzfristig nicht auf Atomkraft verzichten und solle daher zumindest die Restlaufzeiten der bestehenden Atomkraftwerke verlängern.

Für eine kurzfristige Lösung eine Verseuchung für Millionen von Jahren riskieren in Lagerstätten, die ähnlich sicher sind wie Asse?

Nun gibt es die Argumentation, mit neueren Verfahren lasse sich die Halbwertszeit von Atommüll verkürzen. Womöglich sogar auf ein Tausendstel. Statt einer Halbwertszeit von 82 Millionen Jahren nur 82 000 Jahre? Das wird unsere Ururur…enkel freuen!

Bei Fontanefans Feld heißt es dazu: „Hunderttausende in einige hundert Jahre umzuwandeln, scheint mir nicht das lösende Wort des Hexenmeisters zu sein: „In die Ecke, Besen! Besen! Seid’s gewesen.“

In der Tat, das Unterfangen gleicht dem Versuch des Goetheschen Zauberlehrlings, den Zauberbesen mit dem Beil zu spalten. Das hat sich schon bei Goethe nicht als wirksam  erwiesen.

Klimawandel vor dem Sicherheitsrat

5. September 2008

Die kleinen Inselstaaten versuchen ihre existenzielle Bedrohung durch den Klimawandel über eine Petition an den UN-Sicherheitsrat als Bedrohung für den internationalen Frieden anerkennen zu lassen, die das Handeln des Sicherheitsrates erfordert. Man kann sie dabei unterstützen.

Klimaprognose für Deutschland

3. September 2008

Für Deutschland liegt jetzt eine recht genaue Klimaprognose vor (zwanzig mal so genau wie die Weltklimaprognose). Danach wird es im Winter kaum noch Schnee und im Sommer verstärkt Hitzewellen geben. Bauern und Forstwirten wird jetzt schon empfohlen, auf Pflanzen umzustellen, die für das neue Klima geeignet sind.

Klimakriege

24. Mai 2008

Harald Welzer warnt in „Klimakriege“ vor der Gewalt, die von dem Kampf um Wasser und andere Ressourcen ausgehen werde.

Was dagegen zu tun sei, kommt bei ihm recht kurz. Meist enden seine Überlegungen pessimistisch.
Gut, dass Peter Unfried in Öko etwas handlungorientierter argumentiert und dass es ständig neue Ratschläge und ein Forum für gleichfalls Handlungsinteressierte gibt.