Posts Tagged ‘Manager’

Sloterdijk

19. Dezember 2010

„Der Dialog mit der Natur löst den Krieg mit der Natur ab. “ Wenn die Natur das wüsste, wäre sie über den Klimawandel nicht mehr so erschreckt.
Und wenn attac das wüsste, brauchten sie sich keine Mühe mehr zu geben.
Ist S. ein neuer Marx, dass er die Zukunft kennt?

Ja keine Boni abschöpfen, sonst hindert man die Banker am Edelmut, freiwillig von den Millionen abzugeben! So „antwortet“ S. seinen Kritikern am 9.12.2010 in der ZEIT. Ich war nicht intelligent genug zu bemerken, dass er auf irgedeines ihrer Argumente eingegangen ist.

Dass ich seiner Argumentation nicht folgen kann, weist mich vermutlich als Wutbürger aus.
Sloterdijk und Westerwelle, o bewahrt mich vor römischer Dekadenz!

Wo geht das Geld hin?

15. Januar 2010

Wir haben von den Milliardenboni gehört und davon, dass sie seit der Krise noch zugenommen haben.
Empören könnte man sich, wenn man von dem Luxus hört, den sie erlauben.
43 000 Euro kostet ein Kilo vom besten Rindfleisch, wie es die besseren unter den Nobelrestaurants dieser Welt anbieten. Vergoldete Hamburger gibt es etc.. Banker geben nicht selten an einem Abend mehr Geld aus, „als manche Menschen in ihrem Leben verdienen“ (ZEIT vgl. o.). Das ist zwar ein Skandal, aber das ist nicht das wirtschaftliche Problem.
Das Problem „liegt darin, dass sich dadurch ihr Konto nicht leert. Dass sie nicht mehr wissen, wohin mit den Millionen.“ (ZEIT vgl. o.) Das heißt aber, dass sie damit nicht konsumieren, sondern spekulieren. Die Boni sind nicht nur ungerecht, sie tragen zur neuen Blase bei. Und damit zur weiteren finanziellen Ausblutung der Staaten und derer, die nahe der Armutsschwelle oder sogar bereits darunter liegen.
Das heißt praktisch, dass die Manager aufgrund ihrer hohen Bezahlung geradezu „zwangsläufig“ dazu beitragen, unser Wirtschaftssystem zu Grabe zu tragen.
Freilich, zwangsläufig würde nur Karl Marx sagen. In Wirklichkeit haben die Staaten die Instrumente, den Zusammenbruch des Systems zu verhindern; aber nur wenn sie zusammenarbeiten. Und davon sind wir noch weit entfernt.

Wo ist das Geld geblieben? (2)

15. Januar 2010

Die Frage „Wo ist das Geld geblieben?“ habe ich in diesem Blog schon einmal gestellt. Die 1,5 Billionen Euro, die im Zuge der Finanzkrise von den Zentralbanken geschaffen wurden, gingen nur zu einem sehr geringen Teil in die Realwirtschaft, sondern primär wieder dahin, wo die größere Rendite lockte, in Spekulation: Firmenbeteiligungen, Rohstoffe und natürlich auch wieder reine Finanzpapiere.
Nur ein vergleichsweise kleiner Teil davon floss wieder in Bonifikationen an die Manager. Doch der kann sich durchaus sehen lassen:
„Nach Berechnungen der amerikanischen Zeitung Wall Street Journal zahlen allein die 23 größten amerikanischen Banken ihren Mitarbeitern in diesem Jahr Gehälter in Höhe von 95 Milliarden Dollar. Das sind zehn Milliarden Dollar mehr als im bisherigen Rekordjahr 2007 und über 20 Milliarden Dollar mehr als im Krisenjahr 2008.“ (DIE ZEIT, 14.1.10, S.15)
10 Milliarden Dollar mehr als im bisherigen Rekordjahr. Der Einbruch von 2008 ist für die Finanzspekulanten jetzt schon wieder „gut gemacht“ worden. Der Einbruch an Arbeitsplätzen für die, die an der Krise unschuldig sind, ist beileibe noch nicht überwunden. Das Schlimmste steht noch bevor.

Verantwortung

9. Januar 2010

Die Tatsache, dass die Menschheit inzwischen so viel Einfluss auf ihre Umwelt hat, dass sie sie so umgestalten kann, dass sie menschliches Überleben ausschließt, zusammen mit der Entwicklung internationaler Zusammenarbeit haben es möglich gemacht, nicht nur eine persönliche, sondern eine kollektive Verantwortung für möglich zu halten.
In Das Prinzip Verantwortung hat Hans Jonas diese Verantwortung beschrieben.
Umweltschützern und Politikern wird inzwischen, wie Goethes Mephisto es angekündigt hat, vor ihrer „Gottähnlichkeit bange“, während Wirtschaftsbosse – mit neoliberalen Marktgläubigen in ihrem Gefolge – die volle Verantwortung für den Klimawandel gern „Mutter Natur“ zuschreiben möchten und auf die unsichtbare Hand des göttlichen Marktes und den seligmachenden technischen Fortschritt als die einzig denkbaren Retter aus allen menschengemachten Krisen vertrauen. (Oder tun sie nur so?)

Unverständliche Werbung

16. Oktober 2009

Mir ist ja auch unverständlich, wie Werbung funktioniert. Schließlich sehe ich keine Werbepausen und nehme ich Werbebanner vornehmlich als Provokation wahr.
Meine Umgebung macht mich aber im Laufe der Jahre mit den berühmtesten Werbefilmen und Werbesprüchen vertraut.
Dabei habe ich in Zeiten von „Ja, der Lindes, Lindes, Lindes, ja der schmeckt“ und „Aus gutem Grund ist Juno rund“ auch oft genug das HB-Männchen in die Luft gehen sehen und „Warum gleich in die Luft gehen“ gehört.
Zum Raucher bin ich nicht geworden, und trotz „Alle redem vom Wetter, wir nicht“ weder Bahnfahrer noch Marxist geblieben. So viel für beides spricht. Auch weiß ich nicht, welche Firma mit dem schönen englischen Werbefilm warb, wo sich ein Mann durch endlose Gänge kämpfte, schließlich auf ein altertümliches spinnwebenumwobenes Telefon zuging und dann sagte „Falsch verbunden!“. Der Film war schön, bevor ich den Untertitel „Beschwerdeabteilung von …“ gelesen hatte.
Jugendliche haben mir erklärt, ohne Werbung sei man nicht genügend über die Produkte, die man braucht, informiert. Für mich ist es die Einrichtung, die Suchmaschinen und Blogs finanziert und damit das Internet so billig macht, obwohl es doch eigentlich die Einrichtung ist, die uns, den „kleinen Mann“, in die Finanzkrise gezogen hat, längst bevor wir als Steuerzahler auch noch ganz offiziell die Rekordboni der Bankmanager von 2009 (!) zahlen, den Steuerzahler Obama eingeschlossen, obwohl der mit dem Spruch „Yes, we can!“ eigentlich etwas anderes meinte. Und doch ist so der schlagende Beweis gelungen, dass Renten und Arbeitslosengeld in vor-Hartz-IV-Höhe sehr wohl zahlbar wären, nämlich mit Hilfe der Inflation, die schon so oft Staatsschulden abgebaut hat.
Aber jetzt muss ich doch noch den Link loswerden, für den ich meinen Eintrag begonnen habe. Briten verstehen „Vorsprung durch Technik“ nicht und Deutsche nicht „come in and find out“. Werbewirksam sind die Sprüche aber trotzdem. Wieso trotzdem? Gab es eckige Zigaretten, die Juno Konkurrenz gemacht hätten?

Aus der Krise gelernt?

29. Juni 2009

Da Josef Ackermann bei der Deutschen Bank offenbar alternativlos ist, braucht er nicht zu lernen und kann an 25% Kapitalrendite als selbstverständlichem Ziel festhalten, auch wenn er dann nie eine solide Absicherung sicherstellen kann.
Bemerkenswert ist freilich, dass auch kleinere Banken und deren Angestellte aus der Krise nichts gelernt haben, weil offenkundig niemand ernsthaft versucht hat, ihnen klarzumachen, wodurch es zur Finanzkrise gekommen ist.
Laut Studie vom Bundesverband der Verbraucherzentralen und ZDF WISO gelingt es 24 von 25 Bankberatern nicht, die finanziellen Voraussetzungen der Kunden zu erfragen, so dass es ihnen möglich ist, daraufhin zu beraten. Es gilt wohl weiterhin die Vorstellung von Hilmar Kopper: Ein Bankmanager kann unmöglich Kreditrisiken beurteilen. Das müssen seine Kunden schon selber tun.
Und die Vorgesetzten entscheiden: die Mitarbeiter verkaufen, „was die Unternehmensleitung für gut befindet“ (vgl. PC-Welt)

Üblicher Managerwahnsinn

27. April 2009

Porsche hat mehr Gewinn gemacht als Umsatz. Daraufhin hat das Unternehmen jetzt 9 Milliarden Euro Schulden. Die Fäden in der Hand hat der ehemalige Vorstandschef des übernommenen Unternehmens: Ferdinand Piëch.
Fiat will Opel übernehmen, garantiert den Erhalt aller Standorte. Vermutlich sollen die Gebäude stehen bleiben, weil es zu teuer käme, sie abzureißen. Forschung und Entwicklung dagegen würden sicher nach Italien verlagert.
Nach Milliardenverlusten seines Unternehmens, die mit dem Kauf der Postbank mühsam kaschiert wurden, hat Ackermann jetzt 1,2 Milliarden Euro Gewinn gemacht, solange die Anleihen den Kurs halten, und den Job als Vorstandsvorsitzenden um drei Jahre verlängert. Da es offenbar keine Alternative gab, wird er gute Boni herausgehandelt haben und im Zweifelsfall einklagen.
Aber da offenbar alles zum alten System zurückkehrt, kann er gewiss 25% Rendite erreichen.
Das Management von General Motors bittet um Verstaatlichung. (Schließlich gilt es zig Milliarden Verluste zu sozialisieren.)
Die Bayerische Landesbank wirft Angela Merkel Dramatisierung vor. Offenbar haben nicht die Bankenverluste, sondern Angela Merkel und ihre Helfershelfer die Weltrezession auf dem Gewissen?

Bedenkenswert

20. Februar 2009

Manager dürften Boni nicht für die Aktienkursentwicklung eines Jahres erhalten, sondern nur wenn ihre Unternehmensstrategie sich für einen längeren Zeitraum ausgezahlt hat. Diese Vorstellung wird inzwischen von allen Seiten geäußert, weil sie dem gesunden Menschenverstand entspricht. Manager haben seit langem andere Regelungen für sich eingeführt.
Damit Familienbetriebe nicht durch Erbschaftssteuerzahlungen in die Zahlungsunfähigkeit getrieben werden, sollte eine Regelung eingeführt werden, dass Erbschaftssteuer für Betriebsvermögen entfällt, wenn die Belegschaft in Höhe des Erbschaftssteuerbetrages am Unternehmen beteiligt wird. Diese Idee stammt von Oskar Lafontaine.
Um Al Quaida und Taliban finanziell auszutrocknen und die afghanischen Bauern von den Taliban unabhängig zu machen und zusätzlich, um den Weltdrogenkonsum herabzusetzen, wird vorgeschlagen, den Anbau von Schlafmohn in Afghanistan zu legalisieren und die Ernte den Bauern zu gegenwärtigen Preisen des illegalen Marktes abzukaufen. Die eingekaufte Ernte könnte dann für medizinische Zwecke bereitgestellt und der Überschuss – so wie es mit überschüssigen Agrarprodukten jahrzehntelang geschah – vernichtet werden. Dieser Vorschlag kommt aus Dritte-Welt-Gruppen, die sich speziell mit der Situation Afghanistans befassen. Ich habe ihn aus der Zeitung, kann mich aber nicht mehr an Ort und Zeit sowie an den Namen der Gruppen erinnern. – Zu bedenken: Afghanistan liefert an 100% des illegal produzierten Mohnes. Unter den Taliban war der Mohnanbau nahe Null gewesen.
Während der erste dieser drei Vorschläge inzwischen vermutlich von der Mehrheit der Bürger unterstützt würde, sieht es bei den beiden anderen sicher deutlich anders aus. Man sollte aber bedenken, welche Probleme mit den unkonventionellen Vorschlägen gelöst werden könnten.
Und man sollte bedenken, dass es bei uns in Deutschland gängige Praxis war, den Ankauf von Aktien zur Alterssicherung staatlich zu unterstützen und so die Finanzblase weiter aufzublähen und die Altersversorgung von Spekulation abhängig zu machen.
Verglichen mit diesem Irrsinn erscheinen auch die Vorschläge zwei und drei als seriös und wenig riskant. Wenn sie sich nicht bewähren sollten, ließe sich davon leicht einfacher Abschied nehmen als vom militärischen Engagement in Afghanistan und Irak.

Manager als Opfer der Finanzkrise?

28. Oktober 2008

Nicht nur, dass es empörend ist, mit nur 500 000 € als Jahresgehalt auskommen zu sollen, nur weil man ein paar Milliarden verzockt hat. Man hat wegen der Verlust ja sogar auf seinen Bonus verzichtet und sich mit kärglichen Restmillionen begnügt! (Freilich nicht alle.)

Nein, jetzt wird sogar behauptet, Finanzmanager könnten wie Hartz IV-Empfänger für das verantwortlich sein, was sie tun.

Voller Empörung hat Hans-Werner Sinn dies Ansinnen zurückgewiesen. Wer sich darüber aufgeregt hat, darf sich jetzt beruhigen. Sinn meint inzwischen, es hätte keinen Sinn, Kritik an Managern mit Völkermord zu vergleichen. Vielleicht hat ihm sogar jemand klarmachen können, dass der Antisemitismus nicht erst 1929 entstanden ist. Oder hat in seiner Umgebung noch nie jemand davon gehört?

Was Kritik an unschuldigen Managern betrifft, fiel mir diese Liste in die Hand. Nicht, dass ich behaupten wollte, die Manager auf der Liste seien mit ermordeten Juden zu vergleichen.

Nicht dass die Finanzmanager nicht vor ihrem Kurs gewarnt worden wären. So schrieben z.B. am 21.11.07 die Nachdenkseiten: „Dabei wäre doch fest zu halten, dass Millionen Menschen real, d.h. realwirtschaftlich, darunter zu leiden haben, dass andere mit unverantwortlichen Spekulationen auf den Finanzmärkten Millionen und Milliarden abgreifen.“

Lohn für die Pleite

18. Oktober 2008

Eine Abfindung in dreistelliger Millionenhöhe erhält Merrill-Lynch-Chef Stan O’Neal dafür, dass er seiner Bank einen Verlust von 8 Milliarden Dollar bescherte.
Nach einer Recherche des Guardian zahlen Wall-Street-Firmen für den schlimmsten Bankenkrach seit 1929 70 Milliarden Dollar als Belohnung. Kein Wunder, dass deutsche Manager ein „Askeseprogramm“ wie die Beschränkung der Gehälter von gescheiterten Bankmanagern auf 500.000 € im Jahr entrüstet zurückweisen.