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Von Kant zu Nietzsche und Freud

25. März 2010

Kants Erkenntnis, dass wir nicht die Welt an sich erkennen, sondern nur die Welt, wie sie sich unserem Verstande darbietet, regte Schopenhauer dazu an, einen ganz neuen Ansatz zum Weltverständnis zu suchen.

Die Erscheinungswelt ist gar nicht die Welt an sich, aber das, was uns im Leben bestimmt, ist ja aber auch gar nicht das Äußere, sondern der Wille, der uns immer wieder vorantreibt. Wenn man diesen unvernünftigen Willen überwindet, dann erst lebt man weise.

Nietzsche will den Pessimismus Schopenhauers überwinden und hält dagegen: Gerade der Wille ist gut. Es ist gut, leben und gestalten zu wollen. Der Weg zu fröhlichem Gestalten wird uns durch eine Philosophie des Mitleids (Schopenhauer) und der christlichen Nächstenliebe (Zuständigkeit gerade für den Armen und Schwachen) verstellt. Deshalb gilt es diese zu überwinden und einen Willen zur Veränderung (Wille zur Macht) zu entwickeln.

Freud dagegen setzt bei Schopenhauers Vorstellung vom Willen an. Wodurch entsteht der? In uns sind Triebe angelegt, die nach Erfüllung drängen. Dagegen aber stehen die Vernunftregeln der Gesellschaft. Unser persönlicher Wille entwickelt sich aus einem „Kompromiss“ zwischen Gesellschaftsforderungen und Trieben. (Wenn man die Triebe freilich allzu stark unterdrückt, wandern sie ab ins Unterbewusste und wirken von da aus besonders zerstörerisch, weil ungehindert.)

Mit uns zieht die neue Zeit

11. Juni 2008

Diese Devise, die das Lebensgefühl von Sozialdemokraten im Kaiserreich ausdrückt, ist eine Zeile aus dem Lied „Wann wir schreiten Seit an Seit“ von Hermann Claudius (1916). Im Unterschied zu der Jugendbewegung, deren Geschichte 1927 unter diesem Titel aufgezeichnet wurde, richteten sich die Sozialdemokraten um die Jahrhundertwende bereits auf einen längeren Zeitraum ein, der die Verwirklichung ihres Fortschrittsoptimismus bringen sollte, auch wenn sie die revisionistische Theorie, die diese Einstellung begründete, bis zum Erfurter Programm nicht billigten. Aber sie schufen sich ihre eigene kleine Gegenwelt, eine Neue Heimat, im Staat, der sie als vaterlandslose Gesellen ausgrenzte.

Safranski zitiert in seinem Buch Romantik einen Arbeiterschriftsteller von 1888, der über die Arbeiterbewegung sagt „Für Zehntausende ist sie auch eine neue seelische Heimat geworden“. Also im Nietzscheschen Sinn nicht nur appolinisches politisches Programm, sondern dionysische Lebenswirklichkeit. Dazu gehört dann auch das Arbeiterlied, das mit seiner Musik die Verbindung zur Religion schafft.

Brief des Lord Chandos

11. Juni 2008

Ein Brief“ von Hugo von Hofmannsthal erschien 1902. Man hat ihn als Beweis der Sprachskepsis wie bei Wittgestein gewertet. Nach Safranski ist es aber zumindest genauso der laut Harry Graf Kessler durch Nietzsche bewirkte „Einbruch einer Mystik“ Anfang des 20. Jahrhunderts.
Wenn man den Brief lesen will, hier ist er zu finden.