Posts Tagged ‘Popper’

Quantenmechanik, Willensfreiheit und Finanzspekulation

1. Mai 2010

Durch einen Aufsatz  von H-J. Niemann (danke Xaver!), der die Folgen der Quantenmechanik für das naturwissenschaftliche Verständnis der Willensfreiheit und der Offenheit sozialer Prozesse veranschaulicht, bin ich darauf aufmerksam geworden, dass Popper schon in der Logik der Forschung die Erkenntnisse der Quantenmechanik (vgl. propensities) schon so stark einbezogen hat, dass er die Offenheit der Geschichte auch von daher gegen das deterministischere Weltbild von Marx verteidigen konnte.

Da im 19. Jahrhundert das naturwissenschaftliche Weltbild weit deterministischer geprägt war als im 20. seit Entwicklung der Quantenmechanik, liegt es nahe, dass – wenn nicht Marx, so doch zumindest Lenin und Stalin – tatsächlich stärker an eine Determiniertheit sozialer Vorgänge geglaubt haben, als uns das aufgrund unseres gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Weltbildes in den Sinn kommen will.

Dass Poppers Überlegungen zur Darstellung von Zufallsfolgen über mathematisch fest bestimmte Reihen mir verständlich gemacht haben, dass die Mathematiker, die die neuen Papiere gebastelt haben, tatsächlich geglaubt haben, dass sie das Risiko so klein und so gut verteilt hätten, dass es tatsächlich in aller Praxis verschwunden wäre, wäre noch zu erläutern.

Es könnte sein, dass sie vom finanziellen Zusammenbruch überrascht wurden wie die Anwender der Enigma von der Entschlüsselung ihres scheinbar so sicheren Chiffriersystems.

Gegen den Totalitarismus der FDP

20. April 2010

Karl Popper, der für eine liberale offene Gesellschaft kämpfte, formulierte:

„Ein systematischer Kampf gegen bestimmte Mißstände, gegen konkrete Formen der Ungerechtigkeit oder der Ausbeutung, gegen Leiden, die sich vermeiden lassen, wie etwa Armut und Arbeitslosigkeit, ein solcher Kampf ist etwas ganz anderes als der Versuch, eine auf dem Reißbrett entwickelte ideale Gesellschaft zu verwirklichen.“ (Elend des Historizismus, S.72/73)

Er müsste heute über das Elend des Liberalizismus schreiben, über die totalitäre Ideologie, zu der  – zumindest in der Führungsspitze der FDP – das liberale Gedankengut verkommen ist: Trotz wiederholter Beweise, dass die Begünstigung der Besserverdiener der Gesamtgesellschaft keinen Nutzen bringt, hält sie daran fest.

Wann findet die FDP zu der gesellschaftlichen Stückwerkstechnik zurück. Zu einer Technik, bei der jede Maßnahme auf unerwünschte Nebenwirkungen hin kontrolliert wird, um sicherzustellen, dass sie dem angestrebten Ziel dient?

Nachtrag: Hinweis auf FDP-Steuerpläne