Posts Tagged ‘Rezession’

Von den Gefahren des Exportüberschusses

22. Juli 2010

Seit einiger Zeit weise ich auf diesem Blog darauf hin, dass die deutsche Wirtschaftspolitik das außenwirtschaftliche Gleichgewicht vernachlässigt und somit unser Land, aber auch unsere Wirtschaftspartner krisenanfälliger macht.
Ich freue mich, hier renommierte andere Stimmen zitieren zu können, die denselben Gedanken vertreten:

Jede Milliarde Außenhandelsüberschuss der Deutschen, die beim hiesigen Wachstum positiv zu Buche schlägt, stellt im Rest der Welt ein Minus beim Wachstum dar.
Die Welt insgesamt hat nichts davon, wenn ein Land durch Außenhandelsüberschüsse wächst, weil das automatisch zu Lasten der restlichen Länder geht.

So argumentieren Heiner Flassbeck und Friederike Spieker heute in einem Gastbeitrag für ZEIT online.

Sie argumentieren weiter:

Extrem gefährlich wird es zudem, wenn Deutschland nun auch noch den anderen Ländern in der EWU empfiehlt, die gleiche Droge zu nehmen. Das genau tut die Deutsche Bundesbank in ihrem Monatsbericht vom Juli.
Sie empfiehlt Ländern, deren Binnennachfrage bisher durchaus moderat gestiegen ist (von 2001 bis 2010 jährlich: Spanien 2,1 Prozent, Griechenland 2,3 Prozent, Frankreich 1,6 Prozent), die inländische Nachfrage zurückzufahren, ohne zugleich Deutschland aufzufordern, sein Wirtschaftsmodell total zu überholen und die stagnierende Binnennachfrage (0,2 Prozent) anzuregen. Damit sind Deflation und Stagnation in Europa vorprogrammiert. Nach der Krise liegt die europäische Inflationsrate unter dem Ziel von zwei Prozent, und weltweit droht Deflation. Eine Nachfrageschwächung in den Defizitländern durch staatliche Restriktion und einseitige Lohnkürzung kann daher nur zu einer noch stärkeren Zielverletzung führen.

Dazu möchte ich meinen Beitrag vom 1.9.2008 „Geschäft mit der Angst“ zitieren: „Die Bundesregierung verstößt seit Jahren gegen das Stabilitätsgesetz […]“

Hoffentlich hört man mehr auf die Stimmen von Flassbeck und Spieker, als man auf meine gehört hat.

Film von Ferguson zur Finanzkrise

Jetzt argumentiert auch W. Münchau in Spiegel online (22.2.12) gegen die Vorstellung, Exportweltmeister sei etwas Gutes.

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Üblicher Managerwahnsinn

27. April 2009

Porsche hat mehr Gewinn gemacht als Umsatz. Daraufhin hat das Unternehmen jetzt 9 Milliarden Euro Schulden. Die Fäden in der Hand hat der ehemalige Vorstandschef des übernommenen Unternehmens: Ferdinand Piëch.
Fiat will Opel übernehmen, garantiert den Erhalt aller Standorte. Vermutlich sollen die Gebäude stehen bleiben, weil es zu teuer käme, sie abzureißen. Forschung und Entwicklung dagegen würden sicher nach Italien verlagert.
Nach Milliardenverlusten seines Unternehmens, die mit dem Kauf der Postbank mühsam kaschiert wurden, hat Ackermann jetzt 1,2 Milliarden Euro Gewinn gemacht, solange die Anleihen den Kurs halten, und den Job als Vorstandsvorsitzenden um drei Jahre verlängert. Da es offenbar keine Alternative gab, wird er gute Boni herausgehandelt haben und im Zweifelsfall einklagen.
Aber da offenbar alles zum alten System zurückkehrt, kann er gewiss 25% Rendite erreichen.
Das Management von General Motors bittet um Verstaatlichung. (Schließlich gilt es zig Milliarden Verluste zu sozialisieren.)
Die Bayerische Landesbank wirft Angela Merkel Dramatisierung vor. Offenbar haben nicht die Bankenverluste, sondern Angela Merkel und ihre Helfershelfer die Weltrezession auf dem Gewissen?

Immer mehr Zeitarbeitsfirmen geht die Luft aus

8. April 2009

Große Zeitarbeitsunternehmen wie das niederländische Unternehmen Randstad sehen durchaus Vorteile darin, dass die kleinen seit 2003 im Zeitarbeitsboom gegründeten Firmen serienweise Insolvenz anmelden müssen. Die Zahl von über 8000 Firmen wird rasch abschmelzen. „Die Spreu trennt sich vom Weizen. Ein Selbsreinigungsprozess. “
Die drei großen Unternehmen, außer Randstad sind es Adecco und Manpower, werden ihren Marktanteil gewaltig vergößern, gewinnen mehr Verhandlungsmacht, so die ZEIT vom 8.4.09, S.24 (vgl.)

Ende der Nachkriegszeit: Ökodividende?

26. März 2009

Das Nachkriegszeitalter endete politisch mit dem Fall der Berliner Mauer 1989, sozioökonomisch endet es mit dem gegenwärtigen Crash.

So Hans Joachim Schellnhuber in der ZEIT vom 26.3.09 auf S. 18
Er kann die bekannten Katastrophenszenarien bestätigen, freilich zeigt er auf, dass die Katastrophe sich schneller nähert als meist angenommen. Aber er sieht auch ein enormes Potential zur Überwindung der kommenden Rezession, wenn die Wirtschaft sich auf erhöhte Energieeffizienz, Elektromobilität, intelligente Netze zur Integration verteilter erneuerbarer Energiequellen konzentriert.

Transformationsprozesse dieser Größenordnung haben enorme Selbstbeschleunigungspotenziale, wie sie etwa durch die Industrielle Revolution im vorletzten Jahrhundert mobilisiert wurden. Auch damals gab es natürlich immense ökonomische Verwerfungen, aber eben auch einen ganz großen Aufbruch. Viele Millionen grüner
Arbeitsplätze können durch den Übergang zum Nachhaltigkeitszeitalter entstehen.

Das wussten er und andere schon länger. Bisher ist es den führenden Managern aber immer gelungen, in der öffentlichen Meinung das Gegenteil als ökonomische Wahrheit zu verkünden. Da sollte es helfen, dass sie völlig an Glaubwürdigkeit verloren haben.
Noch merkt man Angela Merkels Taten nicht an, dass Schellnhuber sie berät. Aber es gibt doch Hoffnung, dass er es tut. (Trotzdem unterstützt sie weiter den Ausstieg aus dem Atomausstieg. Und das, obwohl klar ist, dass gegenwärtig Atomstrom das beste Mittel ist, die Einsicht in die Notwendigkeit intelligenter Energieverteilungsnetze zu verhindern.)
Die Interessen der Energiekonzerne sind damit eindeutig gegen nachhaltige Energie gerichtet, und sie sprechen es auch klar aus.
Das Interesse der Weltgemeinschaft hat aber auch Anwälte. Obama scheint einer zu sein. Angela Merkel könnte es noch werden.

Blick in die Zukunft

21. März 2009

Finanziert wurden die öko-sozialen Staatsausgaben mit Hilfe einer ganz neuen Verteilungspolitik: Sonderabgaben für große Vermögen und eine tief greifende Erbschaftssteuer wurden eingeführt, das neues Steuersystem belastete auf einmal die Reichen und Gewinneinkommen. „Wenn der politische Wille da ist, ist es gar nicht so schwer“, zeigte sich der Bundesfinanzminister damals verblüfft.

So berichtet uns Rosa Goldmann aus dem Jahr 2010

Schade, dass wir noch nicht im Jahr 2010 sind und dass dieser „ZEIT-Artikel“ von der globalisierungkritischen Organisation attac erfunden werden musste, um in hoher Auflage heute schon lesbar zu sein.
Doch weil’s so schön ist, lesen wir weiter

Um zu vermeiden, dass Vermögensbesitzer und Unternehmen auf Niedrigsteuergebiete in der Karibik und Ostasien ausweichen, beschlossen die Minister zudem, all jene Staaten, die weiterhin am Geschäft mit Steuerflucht und Bankgeheimnis festhalten, den Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten zu sperren. Im Konfliktfall, so erläuterte EU-Finanzkommissar Peer Steinbrück, solle Banken, die weiterhin Geschäftsbeziehungen mit den so genannten Offshore-Zentren unterhalten, ihre Lizenz für die Tätigkeit im Euro- und Dollarraum entzogen wer-den. Ohne ein Konto bei der Europäischen Zentralbank oder der US-Notenbank Federal Reserve könne keine internationale Bank bestehen. Darum sei er zuversichtlich, dass die Maßnahmen greifen werden, sagte Steinbrück.

So Harald Schumann über einen Beschluss der G20 in Brasilia ebenfalls aus dem Jahr 2010 in der Nr.5 der erfundenen ZEIT.
Diese ZEIT von 2010 ist so gefragt, dass der Server, der sie online und zum Ausdrucken als pdf-Datei anbietet, nicht ganz selten überlastet ist. Deshalb wird sie u.a. hier zum Download in einer Datei angeboten (8 pdf-Seiten).

Überlegungen zur Schaffung eines gesunden Bankensystems

6. März 2009

Was uns Laien als Wahnsinn erscheint, nämlich dass Hunderte von Milliarden zur Rettung von Banken aufgebracht werden, die schlimmere Managementfehler gemacht haben als 90 Prozent aller in Konkurs gegangenen Unternehmen der letzten 10 Jahre, das erscheint offenbar auch manchen führenden Ökonomen als die falsche Strategie. Willem H. Buiter schlägt im Wallstreet Journal vor, man solle nicht die Banken, die sich hineingeritten haben, dafür belohnen, sondern neue Banken gründen, die unbelastet von alten Fehlern wieder bereitwilliger Kredite ausgeben könnten. Die alten Banken müsse man aber dem Stresstest aussetzen, wie sie ohne Regierungsunterstützung zurechtkämen. Was ihn überstehe, das könne beim neuen Bankensystem mitwirken.

Future government support, through guarantees or other means, would be focused exclusively on new lending and new borrowing by the new good banks and those old banks that passed the stress test.

Den Hinweis auf diesen Aufsatz verdanke ich Verlorene Generation.

Mir scheint allerdings nicht sicher, ob das nicht eine Gewaltkur in der Form würde, wie sie unter Jelzin durchgeführt wurde, und die dann die russische Wirtschaft weitgehend hat zusammenbrechen und in die Hände der Oligarchen fallen lassen. Eine Rettung aus der Hand von Oligarchen, wie Putin sie Russland hat angedeihen lassen, möchte ich lieber nicht erleben.
Da scheint mir eine Dauerrezession wie in Japan noch das kleinere Übel, zumal wir ohnehin endlich weltweit zum Nullwachstum bei Rohstoff- und Energieverbrauch kommen müssen.
Wenn die Krise ein Gutes haben könnte, dann dies, dass sie zur Steigerung der Ressourcenproduktivität führte.

Die Finanzkrise und der Staat

31. Januar 2009

Nach Friedhelm Hengsbach haben die Regierungen, nicht zuletzt das Kabinett Schöder in Deutschland mit ihrer Umverteilungspolitik zugunsten der Reichen wesentlich zur Finanzkrise beigetragen. „Geld wurde von unten nach oben verteilt. Von dort floss es auf die Finanzmärkte.“ (Hengsbach in Publik-Forum vom 30.1.2009)

Das Kabinett Schröder habe den rheinischen verständnisorientierten Kapitalismus abgebaut und den angelsächsischen Finanzstil gefördert mit der Deregulierung der Finanzmärkte, dadurch dass es die Gewinne aus dem Verkauf von Industriebeteiligungen durch Banken für steuerfrei erklärte und die Hedgefonds ins Land holte, die dann die Unternehmen zwangen, die Kredite aufzunehmen, die die Banken nur durch spekulative Geldvermehrung finanzieren konnten. Finanzinvestoren seien „steuerlich derart privilegiert [gewesen], dass ihre Gewinne praktisch steuerfrei waren“ (so Hengsbach). Schließlich habe auch die Hartz-IV-Politik die Finanzverteilung nach oben gefördert, die in die Finanzkrise führte.

Ich darf hinzufügen: Damals wurde der Binnenmarkt so geschwächt, dass er jetzt kein wirksames Gegengewicht gegen die Rezession bilden kann. Zumal dann nicht, wenn die grundgesetzwidrigen Hartz-IV-Regelungen für Kinder beibehalten werden. Ein wirksames Konjunkturprogramm müsste bei der Beseitigung von Kinderarmut und erhöhten Bildungsanstrengungen zur Einbeziehung der sozial benachteiligten PISA-Verlierer ansetzen. Aber die Basis für die nachhaltigen Anstrengungen, die die Regierung dafür unternehmen müsste, hat sie als Steuererleichterungen an die Unternehmen und Manager verschenkt, die sie zum Dank dafür in die schwerste Rezession seit 1929 geführt haben und sich dafür Boni in Milliardenhöher bewilligt haben.

Was ist gut an der Finanzkrise?

2. Januar 2009

Weil während einer Rezession das Dauerwachstum des Ressourcenverbrauchs unterbrochen wird, wird die Chance, das Klimaschutzziel zu erreichen, erhöht. Die Ölproduktion wird gedrosselt. Der Ölpreis steigt wieder. Das hilft, dass er sich wieder ein wenig den wahren ökologischen Kosten nähert.

Noch besser wäre freilich die Erkenntnis, dass das dauerhafte Stoppen des ständigen Mehrverbrauchs an Ressourcen für unseren Wohlstand wichtiger ist als jede Maßnahme zur Bekämpfung der Rezession.

Bei der Rezession drohen 2 – 5 % Produktionsrückgang für zwei bis vier Jahre in den Industrieländern. Beim Verfehlen des Klimaschutzziels käme es zu einem dauerhaften weltweiten Produktionsrückgang um 20% weltweit.

Es sollte klar sein, worauf unsere Maßnahmen zur Risikoabwendung gerichtet sein müssen. Davon ist leider wenig zu bemerken.