Posts Tagged ‘Russland’

Putins Russland

27. Juli 2010

Der Tod des Wirtschaftsanwalts Sergej Magnitski ist vom Moskauer Teatr.doc in einem sehr dokumentarischen Stück festgehalten und angeprangert worden. Im selben Untersuchungsgefängnis starb die Geschäftsfrau Vera Trifonowa an Diabetes und Nierenversagen, „weil sie nicht bereit war, sich die ärztliche Behandlung durch ein Schuldgeständnis zu erkaufen“(FAZ.net).
Nachtrag vom 31.7.:
Weil Präsident Medwedjew seinen Geheimdienst stärkt, tritt die Beauftragte des Kreml für Menschenrechte Ella Pamfilowa zurück.

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Eisfreie Nordostpassage im Blick

2. März 2010

Besonders für China und Japan ist sie als Verkehrsweg nach Europa interessant, für Russland als mögliche Geldquelle wegen der Durchfahrtsrechte und neuen Exportmöglichkeiten: die eisfreie Nordostpassage, die im Zuge des Klimawandels entlang der russischen Nordküste entstehen wird. So berichtet das SIPRI.
6 500 km kürzer als der bisherige Seeweg und auf absehbare Zeit piratenfrei. Das macht attraktiv.
Die negativen Folgen des Klimawandels spüren wir in Europa nur sehr am Rande, Xynthia hat uns aber daran erinnert, dass wir nicht nur Vorteile davon haben werden. (Immerhin drohten Baustellenteile des Fernbahnhofes am Frankfurter Flughafen auf die Autobahn zu stürzen.)
Demnächst mehr zum Thema.

Der Aufstieg Europas der Untergang des Abendlands

20. Januar 2010

Oswald Spengler hat ihn beschrieben, den Untergang des Abendlandes. Dafür musste er freilich das Abendland streng von der Antike trennen. Es durfte erst nach dem dunklen Frühmittelalter beginnen, dem man später dann ohne Mühe 300 Jahre wegzustreichen unternehmen konnte. In der Gotik soll es begonnen haben, als mit Marien- und Teufelskult der faustische Mensch entstanden sein soll, das Abendland, das Spengler untergehen sieht.
Dass der Europagedanke sich so stark entwickeln würde, dass es zu einer Europäischen Union kam, wäre ihm nicht recht gewesen. Denn – so führt er auf Seite 22 meiner Ausgabe des Untergangs aus:
„Das Wort Europa sollte aus der Geschichte gestrichen werden. Es gibt keinen Europäer als historischen Typus. […] Das sind Worte, die aus einer oberflächlichen Interpretation der Landkarte stammen und denen nichts Wirkliches entspricht. Es war allein das Wort Europa mit dem unter seinem Einfluß entstandenen Gedankenkomplex, das Rußland mit dem Abendlande in unserem historischen Bewußtsein zu einer durch nichts gerechtfertigten Einheit verband. […] Orient und Okzident sind Begriffe von echtem historischen Gehalt. „Europa“ ist leerer Schall.“
Eine begründete Befriedigung hätte er freilich darin finden können, dass nicht nur Russland, sondern auch Ukraine und Belarus von der gegenwärtigen Situation her gesehen wohl auch mittelfristig nicht Teil der EU werden können.
Spenglers Geschichtsmorphologie ist höchst anregend, führt freilich anstelle eines Eurozentrismus einen versteckten deutschnationalen Zentrismus ein, denn Gotik und faustischer Mensch, wie Spengler sie darstellt, tragen doch recht deutsche Züge.

Ökowende durch Russland?

5. Oktober 2009

Präsident Medwedew will bis 2020 den russischen Energieverbrauch um 40% senken.
Hat das irgendwelche Chancen oder will er nur noch einmal in die Schlagzeilen, bevor Putin ihn vollends zur lahmen Ente macht?

Ich wage nicht, es zu beurteilen, doch klingt es so unwahrscheinlich wie die Hoffnung, dass Westerwelle sich in den Koalitionsverhandlungen gegen den Überwachungsstaat profiliert. Oder sollte wenigstens das Letztere nicht ganz falsch sein?

Zur außenpolitischen Strategie der EU

11. September 2008

P. Khanna empfiehlt der EU in der ZEIT vom 11.9.08 auf Seite13/14 als Mittel gegen die Bedrohung Russland die Erweiterung der EU von der Türkei bis zur Ukraine.

Eine solche Strategie würde aber nur in Russland dieselben Bedrohungsängste hervorrufen wie die Angst, die dieser Strategie zugrunde liegt.

Die EU dafür loben, dass sie integriert, statt zu erobern, und dann unilaterale geopolitische Strategien vorschlagen. Das passt nicht zusammen.
Demokratische Entwicklungen unterstützen, Handel treiben und imperialistische Bestrebungen anderer als das brandmarken, was sie sind. Das kann der EU die Freunde bringen, die sie braucht, wenn sie verhindern will, dass Russland sich ein neues Imperium aufbauen will.

Selbstbestimmungsrecht

27. August 2008

Der Kosovo gab das Beispiel, auf das sich Russland jetzt berufen kann mit seiner Anerkennung Südossetiens, das eine kritische russische Journalistin als Marionette des russischen Geheimdienst ansieht.
Man könnte auch auf die Anerkennung Sloweniens und Kroatiens durch Genscher verweisen.
„Was für das Kosovo gilt, nämlich der Vorrang des Selbstbestimmungsrechtes der Völker vor der Integrität nationaler Grenzen, muss schlußendlich auch für Abchasien und Südossetien gelten“, argumentiert rossijskajafederazija.
Es gibt da ein Problem mit Selbstbestimmungsrecht und Menschenrechtsdurchsetzung.
Für alles Verantwortung übernehmen heißt, alles beherrschen wollen.
Die Verbreitung der Menschenrechte mit allen Mitteln wie die Anwendung des Selbstbestimmungsrechtes auf Mini-Ethnien sind vom Imperialismus des 19. Jahrhunderts manchmal nicht zu unterscheiden.

Jetzt im Schwarzen Meer Kanonenbootspolitik zu betreiben, ist kein Ersatz für diplomatische Mittel, bevor es zu Kriegshandlungen gekommen ist. Darin bin ich mit dem Kommentator in der heutigen Frankfurter Rundschau einig.