Posts Tagged ‘Schuld an der Finanzkrise’

Von der US-Immobilienkrise zur Weltfinanzkrise – Wie man aus der Finanzkrise nichts lernt (2)

25. November 2008

Beim Versuch, die Finanzkrise „kinderleicht“ darzustellen, schreibt die Welt am Sonntag nicht nur Falsches. Wenn es über die Banken in den USA geht, formuliert sie sogar recht scharf: „Doch die Bankchefs in Amerika sind selbst schuld. Jetzt rächt sich, dass sie in den Jahren zuvor zu gierig waren.“

Sobald es aber um die deutschen Banken geht, greift sie wieder zu – gelinde gesagt – missverständlichen Formulierungen: „Sie haben sogar so viel Geld verliehen, dass sie die Kredite an andere Banken weiterverkauft haben“, trifft nicht den Kern. Sie haben den anderen Banken nämlich keine Kredite gegeben, sondern das Kreditrisiko an sie weitergegeben. Und die haben, ohne die Verhältnisse vor Ort zu kennen, zugegriffen. Mit der WamS zu sprechen, waren sie also noch gieriger. Denn sie wollten verdienen, ohne eine Leistung zu erbringen (die nämlich beim Bankengeschäft immer darin besteht, das Risiko abzuschätzen).
Der Fehler der amerikanischen Banken hätten sich nur beschränkt ausgewirkt . Erst die Banken außerhalb der USA haben den Banken in den USA so viel Kredit gegeben, dass daraus eine weltweite, nicht nur die US-Banken, sondern die Wirtschaft der gesamten Welt bedrohende Krise werden konnte.

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Schuld an der Bankkrise und Verantwortung für ihre Überwindung

29. Oktober 2008

Ob die Auswirkungen der Finanzkrise katastrophal sein werden oder sie „nur“ zu einer Weltrezession führt, es gibt keine Kollektivschuld.
Wie schwerwiegend die Folgen sein werden, wissen wir nicht. Die Weltrezession, die zu erwarten ist, wird zwar Hunderttausende oder Millionen Menschen mehr das Leben kosten, als ohnehin jährlich an Hunger sterben; denn die Armut hat zugenommen und wird im Laufe der Rezession weiter zunehmen. Wie viel die Finanzkrise dazu beigetragen haben wird, wird schwer auszumachen sein.
Unabhängig davon, wie schwerwiegend die Folgen der Krise sein werde, die einzelnen Bankangestellten, sind daran nicht schuld. Sie mögen aus Existenzangst oder Profitstreben das System gestützt haben; sie waren im Grunde nicht schuldiger als wir alle, die die Entwicklung nicht erfolgreich bekämpft haben.
Eine zumessbare (Mit-)Schuld trifft alle, die die Chance der Deregulierung genutzt haben, Instrumente zu basteln, die ihnen unkontrollierte Geldvermehrung ermöglichte. Mitschuldig sind auch die, die nach immer weiterer Deregulierung riefen, weil jedes Eingreifen des Staates der Wirtschaft nur schade. Aber es gibt keine Kollektivschuld „der Manager“.
Verantwortlich dafür, wie es weitergeht, sind wir alle. In besonderem Maße aber die, die die Kontrollen umgangen, und die, die die Steuerungsinstrumente aus der Hand gegeben haben. Beide Gruppen müssen helfen, dass Kontrollen wieder greifen. (Dass sich Bankmanager dieser Verantwortung zumindest öffentlich nicht stellen, ist offenkundig.)
Eins darf nicht passieren: Dass wieder blindes Vertrauen in „die Wirtschaft“ entsteht, weil sie besser als die Demokratie geeignet sei, unsere Gesellschaft zu lenken.
Das ist unser aller Verantwortung.