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Friedrich II.

1. März 2009

In einer Buchreihe „Weltreiche“ wird das Preußen Friedrichs II. angeführt.
Friedrichs Preußen ein Weltreich???
Und doch bemerkenswert, dass nicht der staufische Kaiser Friedrich II. „der Große“ genannt wird. Und überhaupt kein Staufenkaiser, obwohl diese doch im Zentrum eines großen Konflikts im Abendland standen und Friedrich II. sogar in „Abendland“ und „Morgenland“ (in christlicher und islamischer Kultur) zu Hause war.
Wenn man de Catts Gespräche mit Friedrich dem Großen liest (interessanterweise als „Friedrich der Große: Gespräche mit Henri de Catt“ veröffentlicht) , staunt man, wie häufig Friedrich in der Zeit des 7jährigen Krieges geweint hat. Dass er verzweifelt war, nun ja, dafür hatte er nur allzu gute Gründe.
Aber er hat sich ganz in den Dienst der preußischen Staatsidee gestellt, obwohl sie nicht zuletzt von dem von ihm gehassten Vater geprägt war.
Bemerkenswert, wie wichtig ihm war, dass seine Gedichte nicht veröffentlicht wurden und dass er hart daran gearbeitet hat, der ersten nichtautorisierten Ausgabe schleunigst eine gefälschte entgegenzusetzen, weil er gefährliche Folgen für den Kriegsverlauf befürchtete, wenn der korrekte Text als Originaltext identifiziert werden könnte.
Freilich blieb ihm nicht wie Bahn und Telekom die Möglichkeit, alle Mitarbeiter auszuspähen, wer die Indiskretion begangen hatte.

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Konzern und realexistierender Sozialismus

5. Juni 2008

Warum genügt es nicht, wenn die Kunden an das

Produkt glauben, warum müssen auch die Mitarbeiter

zu unbedingter Produktliebe erzogen werden? […]

Der Abstand zwischen realer Personalführung

und den Lehren der betriebswirtschaftlichen
Handbücher ähnelt oft dem Abstand des DDR-Alltags

zu den geschätzten Klassikern.
[…] befremdliche Systemkonvergenz zwischen einem
kapitalistischen Konzern und dem realsozialistischen

Staat […] entstehen die Parallelen notwendig, wo es

keine Gewaltenteilung gibt, wo äußerer Druck sich

in inneres Misstrauen verwandelt und die Psyche

der Führenden sich unter dem Gewicht der Erwartungen zersetzt?

(„Mit Hörer und Sichel“ von Jens Jessen, S.43 in ZEIT vom 5.6.08 )

Checks and Balances. Das fehlt den gegenwärtigen Konzernstrukturen unter dem Diktat der Kaptalgeber, die Superrenditen verlangen. Der befremdliche Kriegszustand, in dem sich die Konzerne fühlen und in dem die Rücksichtnahme auf menschliche Bedürfnisse und die Beachtung der Menschenrechte verkümmern, er ist de facto ein Kampf gegen Kunden und Verbraucher, denn er richtet sich gegen alle mündigen Staatsbürger.

Eisberg der Spitzel

3. Juni 2008

Neuesten Berichten zufolge waren die Spitzelbeauftragten nicht nur für die Telekom zuständig, sondern haben auch für die deutsche Bahn gearbeitet. Die Behauptung, jeder der Überwachungsfälle sei ein nur aus sich selbst zu verstehender Sonderfall, zerbröselt damit.

Offenkundig reichte der bisherige Datenschutz, der für Privatfirmen galt, in keiner Weise aus, um Ausspähung zu verhindern. Zumindest die Beträge der Strafgelder müssten vertausendfacht werden, um eine zureichende Abschreckungswirkung zu erzielen. Vor allem aber müssten die Konrrollen weit intensiver gehandhabt werden. Bisher wurden offenbar nicht einmal die Eisberge wahrgenommen, ganz zu schweigen vom Archipel der Spitzelei unter der Wasserlinie.

Spitzel-Affäre bei Telkom

28. Mai 2008

Mir war klar, dass der Datenschutz gegenüber Privatfirmen im Vergleich zum Datenschutz gegenüber Behörden minimal ist.

Dass Videoüberwachung aber nicht nur bei Lidl gang und gäbe war (und vermutlich bei Firmen, die deswegen noch nicht ins Gerede gekommen sind, häufig noch ist) und dass die Telekom ihre führenden Manager ausgehorcht hat, hat mich freilich dennoch verwundert. Ein Maulwurf der Telekom bei der Zeitschrift „Capital“ geht dann allerdings deutlich weiter, als ich es mir vorgestellt hätte.

(Am 29.5. kommen auf 2000 bezogene Vorwürfe der Financial Times Deutschland hinzu.)