Posts Tagged ‘Stasi’

Das Leben der Anderen

4. Oktober 2008

Am Schluss standen mir wie anderen die Tränen in den Augen, aber ich dachte mir weiter, was ich mir vorher schon trotz der großartigen schauspielerischen Leistung vieler gesagt hatte: Diese Westernheldeneinsamkeit (Wozu politische Arbeit? Der Starke ist am mächtigsten allein.), dieses „Allein gegen die Mafia“ verharmlost die Stasi. Ein einzelner Stasi-Offizier hätte so leicht nicht den Apparat der Stasi hinters Licht führen können. Die Stasi war nicht Handlanger für Privatbedürfnisse von Ministern, sondern Instrument der Partei – die Regierung hatte in der DDR vergleichsweise wenig Macht, insbesondere nicht auf die Stasi.
So war es mir zu sehr Hollywood. Dabei wusste ich nichts mehr von dem Oskar, obwohl ich früher am Rande davon gehört hatte.
Auch störten mich der primitive Abhörraum und das Strippen-aus-der-Wand-ziehen am Schluss.
Dabei wäre ich völlig außer Stande gewesen, Detailfehler zu entdecken wie die die Moritz von Mühlhausen bei critic.de aufgezählt hat.
Also: die Story ist nicht überzeugend, die historische Genauigkeit mangelhaft. Aber der Druck auf den Einzelnen wurde fassbar. Unerträglich fast war mir die Verbindung von öffentlichem Lob des Ministers und deutlich zur Schau gestellter privater Verachtung. Das war lebensecht.
Und deshalb überzeugt mich Biermanns Äußerung: „Womöglich machen es jetzt besser die, die all das Elend nicht selbst erlitten haben.“ – Sie machen es nicht richtiger, aber sie können – wie die Holocaustserie im Unterschied zu der Shoa-Dokumentation – erfolgreicher die Botschaft an die vermitteln, die mit dem Realistischeren ihre Schwierigkeiten hätten.
Deshalb: ein großer Film. Mehr bei Wikipedia und den dortigen Links. Insbesondere dazu, dass Aussteiger hätten fliehen müssen, wenn sie nicht hingerichtet werden wollten wie Werner Teske.

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Neues von Google

15. September 2008

Neben meiner E-Mail findet sich folgende Werbung:

Schlafstörungen
Fremde Frauen erobern ?
Liebes-Kummer?
Ex-Partner/in zurückholen

Wir sind, was wir denken.
Wahrsagen gratis testen
Sofort-Paarberatung
Einschlafstörungen
Wenn ich nur wüsste, worüber ich geschrieben habe!
Meine große Schwester beobachtet mich, und die Zeiten sind nicht fern, wo wir auch in fremden E-Mails googeln können. Was es in meinen E-Mails zu ergoogeln gibt, wisst ihr schon.
Jedenfalls ist da auch von Stasi und Computern die Rede.
Weshalb ich trotzdem noch maile? Weshalb ich zugebe, wofür man bei mir wirbt?
Sollte ich etwa zugeben, was für Spam-Mail mir zugesandt wird? Oh, das ist mir zu peinlich!
Aber im Ernst: Angesichts der zunehmenden Fähigkeit von Staat und Wirtschaft, uns auszuspähen und unsere Lebensgewohnheiten zu beeinflussen, brauchen wir mehr Freiheitsrechte und mehr Demokratie.
Blogger und Mailer aller Provider vereinigt euch!
Das ist nicht so lustig, wie es für manchen klingt. Aber leider muss noch einiges an Strategie entwickelt werden, bis wir den großen Kraken erfolgreich entgegentreten können.
Für Tipps wäre ich dankbar.
EU-Politiker planen den Überwachungsstaat heißt es dazu bei golem.de. Dank für den Hinweis an Spass mit Technik! Neben Werbung fidet sich bei golem.de auch der Hinweis: Microsoft: Billigere Software durch Werbeeinblendungen.
Und wenn ich zu diesem Eintrag etwas maile, kommen gleich neue Anregungen hinzu:
Google Apps
Google Adverts

Konzern und realexistierender Sozialismus

5. Juni 2008

Warum genügt es nicht, wenn die Kunden an das

Produkt glauben, warum müssen auch die Mitarbeiter

zu unbedingter Produktliebe erzogen werden? […]

Der Abstand zwischen realer Personalführung

und den Lehren der betriebswirtschaftlichen
Handbücher ähnelt oft dem Abstand des DDR-Alltags

zu den geschätzten Klassikern.
[…] befremdliche Systemkonvergenz zwischen einem
kapitalistischen Konzern und dem realsozialistischen

Staat […] entstehen die Parallelen notwendig, wo es

keine Gewaltenteilung gibt, wo äußerer Druck sich

in inneres Misstrauen verwandelt und die Psyche

der Führenden sich unter dem Gewicht der Erwartungen zersetzt?

(„Mit Hörer und Sichel“ von Jens Jessen, S.43 in ZEIT vom 5.6.08 )

Checks and Balances. Das fehlt den gegenwärtigen Konzernstrukturen unter dem Diktat der Kaptalgeber, die Superrenditen verlangen. Der befremdliche Kriegszustand, in dem sich die Konzerne fühlen und in dem die Rücksichtnahme auf menschliche Bedürfnisse und die Beachtung der Menschenrechte verkümmern, er ist de facto ein Kampf gegen Kunden und Verbraucher, denn er richtet sich gegen alle mündigen Staatsbürger.

Stasivorwürfe

28. Mai 2008

Die Stasivorwürfe gegen Gysi werden jetzt sehr massiv. Als Außenstehender frage ich mich, warum die Birthler-Behörde zu dem schon lange im Fokus des Interesse stehenden Falls wichtige Unterlagen erst jetzt entdeckt.