Posts Tagged ‘Steuerhinterziehung’

Entschädigung für Steuerhinterzieher

8. Februar 2010

Eine Liechtensteiner Bank muss einem Bad Homburger Steuerhinterzieher Entschädigung zahlen, weil sie ihn nicht rechtzeitig genug warnte, dass er sich selbst anzeigen konnte.
So grotesk das erscheinen mag. Es könnte die Werbung für Steuerhinterziehung für Banken unattraktiver machen, und das wäre m.E. nicht schlecht.

CDU-Wirtschaftsrat will Steuerbetrug schützen

2. Februar 2010

Unverhohlen warnt der CDU-Wirtschaftsrat die Kanzlerin davor, Steuern auch von Steuerflüchtlingen einzuziehen.
Es gibt offenbar noch eine Klassensolidarität, nach der man sich einig ist, dass in einer bestimmten Sphäre nur noch symbolische Steuern gezahlt werden dürfen. Wer das per Steuerberater nicht schafft, hat danach das Recht, die Gesetzgebung des Staates durch Steuerhinterziehung zu umgehen.
Wenn es nach diesen Herren ginge, würde wohl bald die Polizei abgeschafft und das mittelalterliche Raubrittertum wieder eingeführt: „Wir setzen unser eigenes Recht, der Staat hat uns nichts vorzuschreiben!“

Angesichts des Gewinns der Deutschen Bank für 2009 von 5 Milliarden Euro wird sich mancher Steuerhinterzieher freilich empört fragen:
„Die kriegen kostenlose Kredite dafür, dass sie die Weltwirtschaft in die Krise gestürzt haben, damit sie jetzt Rekordboni auszahlen können, und mir gönnt der Staat nicht mal meine paar Millionen hinterzogene Steuer. Ist das angemessen?“
Wenn er’s wirklich nur so sehen kann, kann man ihm auch nicht klar machen, dass ein Dieb noch nie als schuldlos galt, weil es auch Mörder gibt.

Ethik oder „Landesverteidigung“?

10. April 2009

Fredmund Malik, Gründer des Malik-Management-Zentrums in St. Gallen, hebt hervor: „Wirtschaftsethik ist gerade jetzt in der Krise wichtig. Innerhalb der Wirtschaftswissenschaften braucht es mehr kritische Positionen, sonst kommen wir nicht weiter. In den vergangenen Jahren wurde sehr viel Mainstreamökonomie nach amerikanischem Vorbild gelehrt. Jetzt sieht man, dass das ausnahmslos falsch war.“
Man könnte das für Selbstverständlichkeiten halten. Das sind diese Aussagen aber nicht. Brisant werden diese Aussagen angesichts einer Hetzjagd auf Ulrich Thielemann, Wirtschaftsethiker an der Universität St. Gallen, der im Finanzausschuss des deutschen Bundestages sagte:

Mein Eindruck ist, dass in der Schweiz – und das zeigen auch die gegenwärtigen Verwerfungen – keinerlei Unrechtsbewusstsein besteht. Offenkundig hat die Schweiz nur darum Zugeständnisse gemacht, weil der internationale Druck da war.

Man hat gefordert, Thielemann zu entlassen. So die schweizerische Wochenzeitung.
Deutlicher kann man es nicht machen, dass es an Unrechtsbewusstsein mangelt.