Posts Tagged ‘Umwelt’

Verantwortung

9. Januar 2010

Die Tatsache, dass die Menschheit inzwischen so viel Einfluss auf ihre Umwelt hat, dass sie sie so umgestalten kann, dass sie menschliches Überleben ausschließt, zusammen mit der Entwicklung internationaler Zusammenarbeit haben es möglich gemacht, nicht nur eine persönliche, sondern eine kollektive Verantwortung für möglich zu halten.
In Das Prinzip Verantwortung hat Hans Jonas diese Verantwortung beschrieben.
Umweltschützern und Politikern wird inzwischen, wie Goethes Mephisto es angekündigt hat, vor ihrer „Gottähnlichkeit bange“, während Wirtschaftsbosse – mit neoliberalen Marktgläubigen in ihrem Gefolge – die volle Verantwortung für den Klimawandel gern „Mutter Natur“ zuschreiben möchten und auf die unsichtbare Hand des göttlichen Marktes und den seligmachenden technischen Fortschritt als die einzig denkbaren Retter aus allen menschengemachten Krisen vertrauen. (Oder tun sie nur so?)

Bundespräsident Köhler ist lernfähig

24. März 2009

In seiner heutigen Berliner Rede hat Bundespräsident Horst Köhler zwar über zwei Drittel der Rede nur taktischen Fragen des Krisenmanagements gewidmet, aber dann ist er doch auf die großen strategischen Fragen eingegangen:
Ressourcen aufbrauchendes Wachstum löst keine Probleme, sondern es verschäft sie nur.
Die Gesellschaft muss es honorieren, wenn Menschen Menschen helfen. Es darf nicht sein, dass jemand, der nur getarntes Glücksspiel betreibt, hunderttausendmal besser bezahlt wird als jemand, der tröstet und Leben rettet.
Wir dürfen unseren Lebensraum nicht zerstören, wenn wir überleben wollen.
Andere haben zwar schon seit Jahrzehnten darauf hingewiesen. Aber Host Köhler hat am 15.3.2005 eine Rede gehalten, in der er folgende haarsträubende These aufgestellt hat:

Was der Schaffung und Sicherung wettbewerbsfähiger Arbeitsplätze dient, muss getan werden. Was dem entgegensteht, muss unterlassen werden. Was anderen Zielen dient, und seien sie noch so wünschenswert, ist nachrangig.

Bewahrung der Schöpung, Schutz der Menschenrechte, Trost und Hilfe für Notleidende und Sterbende. Alles galt ihm nichts im Vergleich zu renditeschaffenden Erfindungen zur verantwortungslosen Übertragung von Risiken auf andere.
Heute denkt er anders. Er ist lernfähig.

Doch mit dieser Feststellung werde ich ihm nicht gerecht. Ich berücksichtige nicht, wie viel es bedeutet, als bekannter Politiker in der gegenwärtigen Situation dazuzulernen.
Angela Merkel wusste schon lange, dass Umsteuern in Richtung von Nachhaltigkeit für die Menschheit überlebenswichtig ist, jetzt aber ist sie bereit, dieses Ziel beiseite zu lassen, um eine Rezession abzuschwächen, die nicht im entferntesten so katastrophale Folgen haben würde wie das dauerhafte Leugnen der Umweltfolgen menschlichen Handelns.

Deshalb danke ich dem Bundespräsidenten, dass er den Blick auch auf die Fragen richtet, die über das Überleben der Menschheit entscheiden werden.

Was ist gut an der Finanzkrise?

2. Januar 2009

Weil während einer Rezession das Dauerwachstum des Ressourcenverbrauchs unterbrochen wird, wird die Chance, das Klimaschutzziel zu erreichen, erhöht. Die Ölproduktion wird gedrosselt. Der Ölpreis steigt wieder. Das hilft, dass er sich wieder ein wenig den wahren ökologischen Kosten nähert.

Noch besser wäre freilich die Erkenntnis, dass das dauerhafte Stoppen des ständigen Mehrverbrauchs an Ressourcen für unseren Wohlstand wichtiger ist als jede Maßnahme zur Bekämpfung der Rezession.

Bei der Rezession drohen 2 – 5 % Produktionsrückgang für zwei bis vier Jahre in den Industrieländern. Beim Verfehlen des Klimaschutzziels käme es zu einem dauerhaften weltweiten Produktionsrückgang um 20% weltweit.

Es sollte klar sein, worauf unsere Maßnahmen zur Risikoabwendung gerichtet sein müssen. Davon ist leider wenig zu bemerken.

Piraten

21. November 2008

Binnenstaaten wie den Kongo kann die internationale Gemeinschaft jahrzehntelang ihren inneren Wirren überlassen und auch äußere Einmischung dulden, so lange sie es hinzunehmen bereit ist, dass Millionen Unschuldiger umkommen.
Küstenstaaten wie Somalia bieten einem Angriff auf die Freiheit der Meere durch Piraten eine gute Basis. Deshalb ist das Risiko von failed states für die internationale Gemeinschaft in diesen Fällen ein anderes. Man brauchte einen Pompeius, der die Ressourcen der Welt organisiert, um den Piraten systematisch jede Basis zu nehmen. – Freilich, die Menschheit ist bereits beim Umweltproblem an dieser Organisationsfrage weitgehend gescheitert.

Zusatz:
Zum Teil sind afrikanische Fischer, deren Fanggründe leergefischt worden sind, zu Piraten geworden, sofern sie nicht als Schlepper gefährliche Transporte für Zahlungskräftige arrangieren, die illegal in die EU einzureisen versuchen.
Die hochgerüsteten Piraten freilich, die mit hochseetüchtigen Schiffen und Hightech-Waffen Tanker über tausend Kilometer vom Ausgangspunkt der Piraten kapern können, gehören zu einem anderen Kaliber. Was man gegen sie unternehmen soll, ist noch nicht ganz klar.
Wenn freilich die „Welt“ uns einzureden versucht, wir sollten lieber den Piraten die Schuld an Finanz- und Wirtschaftskrise geben als Bankern, ist das schwerlich überzeugend.