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Was wollen die Banken? Wie man aus der Finanzkrise nichts lernt (3)

26. November 2008

Die Welt am Sonntag behauptet von den Banken, sie handelten gegenwärtig nach dem Grundsatz:

Nur kein Geld verleihen. Jeder Euro wird gehütet wie ein Goldschatz, …

Richtig ist, dass sie anderen Banken kein Geld mehr leihen wollen, weil sie denen nicht vertrauen und zwar völlig zu recht. Dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau Hunderte von Millionen an Lehmann Brothers überwiesen hat, als diese schon pleite war, wird zu recht kritisiert.
Aber dem zuverlässigen Kleinsparer gibt man gerne Kredit. Denn natürlich gehört es zum Geschäft der Banken, durch Verleihen von Geld Geld zu verdienen. Nur an solch unsichere Kantonisten wie Banken und von der Wirtschaftskrise bedrohte Großunternehmen – wie zum Beispiel General Motors, lange Zeit der größte Automobilbauer und zeitweise das größte Unternehmen der Welt – will man keinesfalls mehr Geld herausrücken.

Was die Banken sich wünschen, ist, dass möglichst bald alles wieder von vorn beginnt und nur nichts geändert wird. Dafür muss der Steuerzahler einige hundert Milliarden Euro bzw. Dollar bereitstellen, bis der kleine Mann keine Angst mehr vor den Banken hat und man wieder an ihm verdienen kann. Nur Regulierung darf nicht sein.

Das kann man dem Interview der Schülerinnen der 7. Klasse mit Josef Ackermann in der Welt am Sonntag entnehmen. Da sagt er nämlich:

Deshalb ist es so wichtig, dass der Staat jetzt den Banken Garantien anbietet, im Notfall für die Schulden einzustehen. Damit soll der Geldverkehr wieder in Gang gebracht werden. […]
Wenn der Staat jetzt schnell und entschlossen hilft, und das passiert ja auch, wird es hoffentlich bald wieder besser.

Was er sich von dieser Staatshilfe verspricht, ist auch klar:

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Position der Deutschen Bank nach dieser Krise stärker sein wird als vorher. Wir sind bisher besser als die meisten anderen Banken durch diese schwierige Zeit gekommen und wir sind auch für die Zukunft richtig aufgestellt.

Freilich, der kleine Mann wird noch einige Zeit zu bluten haben. Ackermann dazu:

Die Finanzkrise wird uns noch einige Zeit begleiten. Ich glaube, wir werden noch zwei, drei Jahre unter dieser Krise leiden.

In dieser Zeit will er von seinen 14 Millionen Euro Jahresgehalt auch armen Leuten helfen, nur will er es „nicht an die große Glocke hängen“.

Und ganz fest vertraut er darauf, dass Merkel („Wir haben ein Vertrauensverhältnis zueinander.“) den Banken aus der Krise hilft. Was sagt er dazu?

Als Chef eines Unternehmens muss man trotz aller Beratung mit Kolleginnen und Kollegen am Ende häufig allein entscheiden, und niemand kann einem die Verantwortung für diese Entscheidung abnehmen.

Frau Merkel, Herr Steinmeier und der Steuerzahler sollen dieser Niemand sein.
Damit das auch so funktioniert, hat uns die Welt am Sonntag geholfen, dass wir aus der Finanzkrise nichts lernen.

Ärgerlich wäre es freilich für ihn (und die WamS), wenn wir doch etwas daraus gelernt hätten und gar auch noch durch unser Wahlverhalten erkennen ließen.

Von der US-Immobilienkrise zur Weltfinanzkrise – Wie man aus der Finanzkrise nichts lernt (2)

25. November 2008

Beim Versuch, die Finanzkrise „kinderleicht“ darzustellen, schreibt die Welt am Sonntag nicht nur Falsches. Wenn es über die Banken in den USA geht, formuliert sie sogar recht scharf: „Doch die Bankchefs in Amerika sind selbst schuld. Jetzt rächt sich, dass sie in den Jahren zuvor zu gierig waren.“

Sobald es aber um die deutschen Banken geht, greift sie wieder zu – gelinde gesagt – missverständlichen Formulierungen: „Sie haben sogar so viel Geld verliehen, dass sie die Kredite an andere Banken weiterverkauft haben“, trifft nicht den Kern. Sie haben den anderen Banken nämlich keine Kredite gegeben, sondern das Kreditrisiko an sie weitergegeben. Und die haben, ohne die Verhältnisse vor Ort zu kennen, zugegriffen. Mit der WamS zu sprechen, waren sie also noch gieriger. Denn sie wollten verdienen, ohne eine Leistung zu erbringen (die nämlich beim Bankengeschäft immer darin besteht, das Risiko abzuschätzen).
Der Fehler der amerikanischen Banken hätten sich nur beschränkt ausgewirkt . Erst die Banken außerhalb der USA haben den Banken in den USA so viel Kredit gegeben, dass daraus eine weltweite, nicht nur die US-Banken, sondern die Wirtschaft der gesamten Welt bedrohende Krise werden konnte.

Wie man aus der Finanzkrise nichts lernt (1)

25. November 2008

Die Welt am Sonntag erfüllt ein weit verbreitetes Bedürfnis. Sie erklärt die Finanzkrise und zwar „kinderleicht„.
Das liest sich dann so:

Ein eigenes Zimmer, ein großer Garten, vielleicht sogar ein Pool. Welches Kind träumt nicht davon? In Amerika erfüllt sich für viele dieser Traum. Die Eltern kaufen einfach ein schickes Haus.

Was war die Wirklichkeit? Einigen mexikanischen Einwanderern ist es trotz Mauer, die sie fernhalten sollte, und Konkurrenz durch Globalisierung gelungen, sich im Süden der USA eine bescheidene Lebensgrundlage zu schaffen. Sie haben bescheidene, ganz ihren Finanzverhältnissen angepasste Häuser gekauft. Dann kam die Bank und forderte innerhalb von drei Monaten eine Erhöhung des Eigenkapitalanteils auf das Doppelte.
Die Bank hatte sich verspekuliert, indem sie Kredite ausgegeben hatte, die sie nicht finanzieren konnte, und versuchte, das ihre Kunden ausbaden zu lassen.
Die Welt am Sonntag aber will die Opfer zu Tätern machen. Dasselbe, was Hilmar Kopper vor zwei Monaten versucht hat, versucht sie noch einmal.