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Wirtschaftsdiktatur

1. Oktober 2008

Spiegel online titelt „Die ganze Welt hofft auf die zweite Abstimmung“ und verweist auf Politiker und „Notenbanker“ rund um die Welt.

Es ist kaum anzunehmen, dass die Bevölkerung in Bagladesh und Myanmar schon etwas über die Bedeutung dieser Abstimmung weiß. Aber auch ich sehe dieser Abstimmung eher gleichmütig entgegen. Natürlich will ich mit Politikern und Notenbankern die Wirtschaftskrise vermieden sehen, die entstehen, wenn man das „Schmiermittel“ Geld nicht reichlich genug für die bereit hält, die Nutznießer des wirtschaftlichen Wahnsinns unregulierter Finanzmärkte waren (und vermutlich auch über eine zweite tiefe Weltwirtschaftskrise hin auch in der Mehrzahl bleiben werden). Aber warum müssen in diesem System ständig die Reichen vor Risiken geschützt werden, indem man die Armen noch ärmer macht? Haben die Repräsentanten der Demokratie wirklich schon keine Möglichkeit mehr, erfolgreich gegen die Wirtschaftsdiktatur aufzubegehren?

Könnte nicht ein heilsamer Schock endlich aufrütteln und zum Handeln auch in der ökologischen Krise bereit machen? Mein Sohn hat schon vor Jahren darauf gesetzt, dass die Menschheit spätestens durch einen Schock vor dem irreversiblen ökologischen Zusammenbruch lernen werde. Ist der Zeitpunkt bereits da?

Aber im Grunde glaube ich nicht daran, dass die US-Abgeordneten auch angesichts der drohenden katastrophalen wirtschaftlichen Entwicklung, die ihnen die Börse in den nächsten Tagen ankündigen wird, hart bleiben.So dass ich eher mit resigniertem Gleichmut eine weitere Verfestigung der Wirtschaftsdiktatur erwarte.

Aber ich hoffe dennoch. Eine kleine Hoffnung bleibt mir doch, dass die Abgeordneten – ähnlich wie der Internationale Währungsfonds es mit Entwicklungsländern in der Krise tut – ihre Regierung verpflichten, die zur Verhinderung einer zweiten Krise dieser Art notwendigen Finanzkontrollen einzubauen und sie so zum Kampf gegen die Wirtschaftsdiktatur verplichten, bevor sie sich auf den Kredit einlassen.

Wer weiß freilich, ob die Börse bis dahin noch mit 700 Milliarden zufrieden ist?