Posts Tagged ‘Wikipedia’

Wikipedia in der Praxis. Geschichtsdidaktische Perspektiven

1. Dezember 2015

Die Tweets zur Tagung am 27./28.11.15 in Basel.

Die Tweets in einer Datei

Referat von Daniel Bernsen: „Wikipedia als Geschichtslexikon in der 8. Klasse 

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Forschung und Wikipedia

4. November 2011

Das US-Wissenschaftsmagazin RNA Biology hat seine Autoren aufgefordert, Kurzfassungen ihrer Aufsätze in die Wikipedia einzustellen.
Interessant ist die Diskussion von Autoren dazu in Nature.
In der Tat, die Grenze zwischen “nur Publikation allgemein anerkannten Wissens” und “Publikation aktueller Forschung” wird hier nur formell eingehalten, insofern der Wikipediaartikel zunächst nur im Benutzernamensraum entsteht und erst nach Veröffentlichung des Artikels in den Artikelnamensraum verschoben wird.

Interessant ist an der Nature-Diskussion übrigens auch der folgende Beitrag :
“You scientists, I’m sure, will have a merry time on Wikipedia, so long as your scope of study remains restricted to things like nuclear RNAs found in nematodes. Because these subjects won’t capture the attention of the teenaged and still-in-college administrators who lord over content in more popular areas like music, video games, and politicians, you’ll imagine Wikipedia to be a delightful environment.” (Gregory Kohs)
Kurz gesagt: Für Wissenschaftler wird es in der Wikipedia schön sein, so lange sie nur Artikel für wenig besuchte Seiten schreiben; denn dann werden die Teenager-Administratoren, die noch aufs College gehen und die über die populäreren Bereiche herrschen, nicht darauf aufmerksam.

Ein interessantes Feld. Übrigens könnte es ernsthaft gefährlich werden, wenn Wissenschaftler dereinst nur noch gelesen würden, wenn sie auf einer von “Volksadministratoren” beherrschten Internetseite publizieren. Dann könnte eine gefährliche Verengung wissenschaftlicher Diskussion entstehen, so wie heute Forschung dadurch eingeengt wird, das als besonders wertvoll die Forschung gilt, die viele Drittmittel (finanzstarke Sponsoren) auf sich zieht.

Was soll ein freiwilliger Filter für die Wikipedia?

23. August 2011

Die Wikipedianer diskutieren gegenwärtig über die Einführung eines Filters, damit die Benutzer Inhalte, insbesondere Bilder, Videos und Tondokumente, die ihnen anstößig erscheinen könnten, von vornherein für sich ausblenden, aber auch wieder für sich zugänglich machen können.
Dazu die ZEIT.
Interessant ist dabei auch immer wieder Originalton von Wikipedianern, der immer wieder deutlich macht: Wikipedianer sind sich meist nicht einig, nur in einem stimmen sie überein: Sie wollen eine gute Enzyklopädie freien Wissens.
Was aber ist gut? Braucht man dazu einen Filter?

Nachrichten über die Arbeit der Wikipedia und ihre kommerziellen Abstauber

30. Januar 2011

Die Wikimedia Foundation hat eine Reihe von Einführungsmaterialien für potentielle Wikipediaautoren und Wikipediaanfänger erstellt, zunächst liegen sie nur auf Englisch im Bookshelf-Programm vor.

Der Wikipediaautor Andreas Weigel hat festgestellt, dass ein Buch über James Joyce für über 20.- € bei Amazon verkauft wird, zu dem er etwa die Hälfte beigetragen hat, ohne es zu wissen. Es besteht nur aus Wikipediaartikeln und interessierte ihn wegen des Gegenstandes – schließlich ist er Joyce-Kenner. Welche Enttäuschung für ihn, dass er nur erhielt, was in der Wikipedia besser vorliegt. Ich zitiere:

Als Konsument warne ich vor diesen fragwürdig produzierten Büchern, weil sie nur thematisch zusammengehörende „Wikipedia“-Artikel stark unterschiedlicher Qualität enthalten und über „Amazon Marketplace“ für einen Preis verkauft werden, der in keinem vertretbaren Verhältnis zum Gebotenen steht. Käufer, die sich für die im Buchtitel genannten Themen interessieren, erhalten im vorliegenden Fall für den Buchkaufpreis von 22,19 Euro Artikel, von denen sie bei Wikipedia aktuelle und bebilderte Versionen kostenlos lesen, kopieren und ausdrucken können.

Vom Serienbrief zum Serienbuch

Das Buch wurde gleichsam als Serienbuch produziert, weshalb die nachfolgende Kritik wahrscheinlich auf sämtliche 54.000 Titel von „Bucher LLC“ zutrifft.
Wikipedia Kurier vom 20.10.2010

Geschichte der Wikipedia

11. Juni 2009

Eine kleine Geschichte der Wikipedia in Dokumenten erhält man, wenn man in der Aufstellung Der erste Artikel von Hans Kohberger die Artikel nicht nach den Erstellern, sondern nach dem Datum der Erstellung ordnet.
Man sieht, dass die Ansprüche an einen ersten Artikel von 2001 bis 2009 offenkundig deutlich gewachsen sind.

Schwarmintelligenz

7. Februar 2009

Schwarmintelligenz und das Lenken eines Schwarmes widersprechen sich.
Die Intelligenz kommt von der Masse unterschiedlicher Sehweisen, sie rührt also von dem her, was im Schwarm das Chaos ausmacht.
Das führt bei der Wikipedia dazu, dass Tausende von Artikeln entstehen und dass immer neue Abzweigungen entstehen.
Schwarm lenken bedeutet: Regeln (z.B.  Löschregeln der Wikipedia) und Konzentration (nicht zu viele Wikis).
Alle Konzentrationsbemühungen können aber nicht verhindern, dass – im Fall, dass im Schwarm auch intelligente Lebewesen sind – Neues entsteht, was der Leitende („Führer“) nicht geplant hat, vielleicht auch etwas, was er eigentlich vermeiden wollte.

Wie lehrt man?

29. Januar 2009

Platons Sokrates und Rousseau (in Emile) sind davon ausgegangen, dass man dem Lernenden die Möglichkeit eröffnen sollte, sich neues Wissen zu verschaffen (”Wissen kostruieren” würde J-P Martin es nennen).

Dafür muss insbesondere Platons fiktiver Sokrates immer wieder den Hochmut der Unwissenden überwinden, damit sie entdecken können, was es für sie zu lernen gibt.

Lehren bedeutet nicht, den Lernenden mit „Wissen“ zu bedienen, sondern ihm den Weg zu eröffnen, sich Wissen zu verschaffen.

Im Zusammenhang mit der Wikipedia bedeutet das für mich: Ich würde Lernenden nicht die Wikipedia empfehlen, denn Erleichterungen sprechen sich sowieso rasch herum. Aber ich würde jedem Lernenden empfehlen, für Wikipedia zu schreiben zu versuchen, denn dabei ist die Chance groß, dass er Wissenslücken entdeckt, bei sich und in der Wikipedia. Und dass er dann versucht, sie zu schließen. (Wenn er lernfähig bleibt, wird er ein Leben leben lang damit beschäftigt sein. Aber natürlich braucht es dafür nicht die Wikipedia.)

Wikipedia und Forschung

19. Dezember 2008

Das US-Wissenschaftsmagazin RNA Biology hat seine Autoren aufgefordert, Kurzfassungen ihrer Aufsätze in die Wikipedia einzustellen.
Interessant ist die Diskussion von Autoren dazu in Nature.
In der Tat, die Grenze zwischen „nur Publikation allgemein anerkannten Wissens“ und „Publikation aktueller Forschung“ wird hier nur formell eingehalten, insofern der Wikipediaartikel zunächst nur im Benutzernamensraum entsteht und erst nach Veröffentlichung des Artikels in den Artikelnamensraum verschoben wird.

Interessant ist an der Nature-Diskussion übrigens auch der folgende Beitrag :
„You scientists, I’m sure, will have a merry time on Wikipedia, so long as your scope of study remains restricted to things like nuclear RNAs found in nematodes. Because these subjects won’t capture the attention of the teenaged and still-in-college administrators who lord over content in more popular areas like music, video games, and politicians, you’ll imagine Wikipedia to be a delightful environment.“ (Gregory Kohs)
Kurz gesagt: Für Wissenschaftler wird es in der Wikipedia schön sein, so lange sie nur Artikel für wenig besuchte Seiten schreiben; denn dann werden die Teenager-Administratoren, die noch aufs College gehen und die über die populäreren Bereiche herrschen, nicht darauf aufmerksam.

Ein interessantes Feld. Übrigens könnte es ernsthaft gefährlich werden, wenn Wissenschaftler dereinst nur noch gelesen würden, wenn sie auf einer von „Volksadministratoren“  beherrschten Internetseite publizieren. Dann könnte eine gefährliche Verengung wissenschaftlicher Diskussion entstehen, so wie heute Forschung dadurch eingeengt wird, das als besonders wertvoll die Forschung gilt, die viele Drittmittel (finanzstarke Sponsoren) auf sich zieht.

Was gehört in die Wikipedia?

31. Oktober 2008

Über diese Frage wird gegenwärtig hier diskutiert.
Wie anerkannt Forschungsinhalte sein sollten, bevor sie in die Wikipedia aufgenommen werden, das ist meiner Meinung nach keine leicht zu entscheidende Frage.
Was ich sehr bedauere, ist dass nicht nur Forschung, sondern auch Erfahrungswissen dort so wenig Eingang findet. Es wäre doch hochinteressant, wenn solches Wissen zentral dokumentiert werden könnte, ohne dass für alles schriftliche Belege zitiert werden müssen.

Fragebögen

30. Oktober 2008

Heute endlich mal dazu, dass man von einem Normalfragebogen mindestens einmal gezwungen wird, falsch zu antworten:
Wie viele Stunden am Tag tun Sie dieses/jenes?
Wer weiß das von sich schon? Es wechselt innerhalb einer Woche von 24 Stunden zu nichts. Innerhalb eines Monats tut man es nie, innerhalb eines anderen 20 Tage.

Extrembeispiel Wikipedia oder andere suchtauslösende Erscheinungen:
Man verordnet sich vielleicht eine Unterbrechung von drei Monaten.
Frage: Wie oft, wie lange haben Sie in den letzten drei Monaten?
Man schreibt vielleicht Artikel in Simple English Wikipedia
Frage: In welcher Sprache schreiben Sie die meisten Artikel?
Englisch wäre zwar richtig, aber völlig missverständlich, wenn man in der englischen Wikipedia vielleicht drei Artikel geschreiben hat, in Simple English aber mehrere hundert.
Frage: Wie viele Artikel haben Sie selbständig verfasst?
Wie viele haben Sie übersetzt?
Man hat vielleicht drei Artikel selbständig verfasst, einen übersetzt, aber über tausend aus dem Englischen vereinfacht.
Welche Sprachen können Sie lesen?
Als Sprachunbegabter kann man vielleicht nur zwei Sprachen relativ gut lesen, aber über zwanzig orientierend, wenn man bedenkt, dass in Wikipedia Dialekte auch als Sprachen gerechnet werden.
Frage: Welche Sparte von Wikimedia benutzen Sie, in welcher schreiben Sie außerdem Artikel?
Dass jemand Wiktionary nie benutzt, sondern dort nur Artikel einstellt, kommt nicht vor.
Wenigstens beim Geschlecht ist jetzt auch noch eine dritte Antwortmöglichkeit vorgesehen.

Dabei haben sich die Verfasser des Fragebogens gewiss von Kennern der Wikimediainstitutionen und -sparten beraten lassen.

Dass man auch in Sprachen Artikel einstellen kann, die man nicht einmal lesen kann, geht einem solchen Fragebogenersteller natürlich überhaupt nicht ein, dabei werden inzwischen Hundertausende von Artikeln von Softwareprogrammen erstellt. (Es gibt in den Artikeln Tabellen, in die man Daten aus der einen Sprache in die andere üertragen kann.)
Ich schreibe zunächst über Wikipedia, weil ich dort etwas zu Hause bin und dazu gerade jetzt wieder Fragen beantwortet habe.
Aber mit dem Fernsehkonsum, mit dem Lesen, mit den Hobbys usw. ist es doch genauso. Nie weiß man die Zeiten, die man dafür verwendet, stets wechseln sie innerhalb kurzer Zeiträume relativ stark. Nun schon gar die Frage nach dem „Lieblingsbuch“, dem „Lieblingsautor“, dem „Lieblingsmusikstück“. Nun ja, danach fragt auch niemand ernsthaft.
Noch schwerer freilich Fragen, die man nicht einmal mit Nachdenken und sehr fleißiger Selbstbeobachtung richtig beantworten kann. In der Politik kann man seit Eppler wertkonservativ sein und deshalb Parteimitglied der Linken sein. Aber was schreibt man, wenn zwar konservativ und fortschrittlich, aber wertkonservativ nicht vorgesehen ist?
Wer ist seit Hartz IV noch für Reformen, obwohl er sein Leben lang nichts anderes getan hat, als sich für Reformen einzusetzen?
Freilich: Es gibt immer wieder Fragen, die man richtig beantworten kann. Aber auch dann weiß man schon, dass sie auf jeden Fall falsch eingeordnet werden, wenn man auch nur vier Fragen vom vorhergehenden Fragebogen gesehen hat.
Schon gar die „Kontrollfragen“. Sie sollen dafür dienen, zu überprüfen, ob man vorher richtig geantwortet hat. Aber man kann sie – wenn man ehrlich ist – nur anders beantworten als die Parallelfrage. Nun gut, wenn ich die Kontrollfrage erkenne, passe ich meine Antwort an die andere an, um den Fragebogenschreiber nicht zu verwirren.

Schließlich: Man ist bei Frage 35 und merkt, was der Verfasser mit Frage 12 gemeint hat. Man darf zurück und korrigieren, aber nur um 10 Fragen.
Was bringt mir da eine statistisch korrekte Auswertung?
Zu Recht sagte Marx: „Ich bin kein Marxist.“ Welcher Auswerter hätte das richtig ausgewertet?

Ich habe also offenkundig schon Erfahrungen mit Fragebögen gemacht. Aber dafür, so antworten zu können, wie der Fragebogenschreiber seine Frage gemeint hat, fehlt mir noch vieles.
Trotzdem ist es immer wieder interessant die Auswertungen von Fragebögen zu lesen und sich vorzustellen, das was da steht, hätte etwas mit dem zu tun, was der Beantwortende eigentlich sagen wollte, aber nicht durfte.

Ich liebe Max Frischs Fragebögen.
Haben Sie schon einmal einen Menschen getötet?
Falls nicht, wie erklären Sie sich das?