Posts Tagged ‘Wissenschaft’

Wissenschaft als Mythos

31. Januar 2010

Meiner Meinung nach vertreten die modernen Wissenschaften sowohl die Position Heraklits (ständiger Wandel) wie die des Parmenides (das Sein bleibt).
Zum einen verstehen wir uns heute als historisch. Wissenschaft und Technik verändern sich ständig. Wir haben deshalb ständig neue Situationen, aus denen heraus wir die Welt verstehen müssen. (z.B. hat sie sich durch das Internet stark verändert)
Andererseits vertreten die Physiker den Satz von der Erhaltung der Gesamtmenge von Materie und Energie. Zwar ist Materie nicht unvergänglich. Sie kann sich völlig in Energie verwandeln, aber die entstandene Energie entspricht genau der Menge der verwandelten Materie.
Andererseits kann aus Energie Materie entstehen. Die vielen Elmentarteilchen, die die Physiker erzeugen.
Das ist sozusagen reiner Parmenides.

Allerdings alle diese Kenntnisse haben wir nur aus zweiter Hand. Selbst Nobelpreisträge können über 99% dessen, was unser Weltwissen ausmacht, nicht überprüfen. Das heißt aber, dass diese Welterklärung praktisch Mythologie ist.
Wir können diese Mythologien nur daraufhin prüfen, ob sie uns hilfreich sind, nicht auf ihre Übereinstimmung mit der Wirklichkeit.

Glanz und Elend der Philosophie

9. Januar 2010

„Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält, schau alle Wirkungskraft und Samen und tu nicht mehr in Worten kramen.“

„Du gleichst dem Geist, den du begreifst, nicht mir.“

„Ich Ebenbild der Gottheit“

Mit diesen Worten hat Goethe im Faust Glanz und Elend der Philosophie beschrieben:

Die Wesensschau, die Einsicht in die tiefsten Beweggründe des Lebens und der Welt. Nicht nur die Oberfläche, sondern die Sicht auf den Wesenskern, die Wahrheit. Das ist es, was die Philosophen erstreben.

Was sie erreichen, sind Teileinsichten oder Systeme. Systeme, denen man anmerkt, dass sie das, was wir als Fülle des Lebens in all seinen Widersprüchen erfahren, zwar ordnen, aber nie ganz erfassen können.

Wer statt dessen seine Zuflucht bei den Wissenschaften sucht, wird das Ziel Einsicht in die innersten Beweggünde von Leben und Welt ganz gewiss nicht erreichen. Zu deutlich ist, dass alle wissenschaftliche Erkenntnis vorläufig ist und dass Wissenschaft, die am Ziel angekommen zu sein wähnt, nur in einer Phase der Stagnation verweilt.

Weshalb nun das Elend der Philosophie?

Schon Plato hat erkannt und im Höhlengleichnis eindrücklich veranschaulicht, dass die Menschen aufgrund ihrer Beschränkung die eigentliche Wirklichkeit nicht erkennen können. Kant hat das mit seinem Blick auf Anschauungsformen (Raum und Zeit) und Kategorien (u.a. Ursache und Wirkung), die die Voraussetzungen menschlicher Erfahrung sind, präzisiert. Die moderne Hirnforschung analysiert immer mehr ins Einzelne gehend, wie der Apparat, mit dem wir Welt in uns aufnehmen, viel wichtiger für den Eindruck ist, den wir erhalten, als die Außenwelt selbst.

Dass man sich dazu bringen kann, eine Gummihand als seine eigene zu erleben, und dann auch die Berührungen an dieser Hand als Berührungen seiner selbst zu erleben. Dass man Schmerzen an Körperteilen haben kann, die gar nicht mehr existieren. Dass man das Gefühl, was zu seinem Körper gehört, ganz verlieren kann. All das beschreibt schmerzlich, wie wenig unsere Erfahrungen mit der Wirklichkeit, genau genommen: mit der menschlichen Wirklichkeit, zu tun zu haben brauchen.

Aber tiefer als zu der Erkenntnis, dass unser Gehirn und dass unsere spezielle Position in der Raumzeit unsere Erkenntnis unendlich beschränken, kann uns Wissenschaft nicht führen. Wir bleiben also auf die Erkenntnis der Welt für uns beschränkt. Und doch, was für ungeahnte Erkenntnisse können uns dabei zuteil werden. Die Fähigkeit, Schmerz völlig zu überwinden. Das Erlebnis, große Kunst schaffen zu können, selbst unter den Bedingungen äußerster Erniedrigung im Konzentrationslager. Das gibt es.

Wozu nun aber Philosophie?

Wir bleiben in unserer Welt „gefangen“. Aber immer wieder haben einzelne etwas von dem, was zu unserem Leben gehört, genauer betrachtet, eindrücklich beschrieben.

Wie konnte es gelingen, dass uns bewusst wird, dass das Unbewusste uns steuert? Wie, dass wir das Unvorstellbare selbstverständlich in unsere Lebenswelt aufnehmen? Unendlichkeiten verschiedener Größenordnungen; Räume mit mehr als drei Dimensionen; imaginäre Zahlen, die Rechenergebnisse zulassen, die von der Definition der Rechenoperationen an sich ausgeschlossen sind (minus mal minus gibt plus; plus mal plus gibt plus und doch Wurzel aus -1).

Wir wissen, dass wir nicht „Gottes Ebenbild“ sind. Schon deshalb, weil wir wissen, dass „Gott“ nicht von dieser Welt ist. Die Zeiten „da ihr noch die schöne Welt regiertet„, sind vorbei. Und doch, welches Glücksgefühl, wenn man etwas tiefer verstanden zu haben glaubt.

Wikipedia und Forschung

19. Dezember 2008

Das US-Wissenschaftsmagazin RNA Biology hat seine Autoren aufgefordert, Kurzfassungen ihrer Aufsätze in die Wikipedia einzustellen.
Interessant ist die Diskussion von Autoren dazu in Nature.
In der Tat, die Grenze zwischen „nur Publikation allgemein anerkannten Wissens“ und „Publikation aktueller Forschung“ wird hier nur formell eingehalten, insofern der Wikipediaartikel zunächst nur im Benutzernamensraum entsteht und erst nach Veröffentlichung des Artikels in den Artikelnamensraum verschoben wird.

Interessant ist an der Nature-Diskussion übrigens auch der folgende Beitrag :
„You scientists, I’m sure, will have a merry time on Wikipedia, so long as your scope of study remains restricted to things like nuclear RNAs found in nematodes. Because these subjects won’t capture the attention of the teenaged and still-in-college administrators who lord over content in more popular areas like music, video games, and politicians, you’ll imagine Wikipedia to be a delightful environment.“ (Gregory Kohs)
Kurz gesagt: Für Wissenschaftler wird es in der Wikipedia schön sein, so lange sie nur Artikel für wenig besuchte Seiten schreiben; denn dann werden die Teenager-Administratoren, die noch aufs College gehen und die über die populäreren Bereiche herrschen, nicht darauf aufmerksam.

Ein interessantes Feld. Übrigens könnte es ernsthaft gefährlich werden, wenn Wissenschaftler dereinst nur noch gelesen würden, wenn sie auf einer von „Volksadministratoren“  beherrschten Internetseite publizieren. Dann könnte eine gefährliche Verengung wissenschaftlicher Diskussion entstehen, so wie heute Forschung dadurch eingeengt wird, das als besonders wertvoll die Forschung gilt, die viele Drittmittel (finanzstarke Sponsoren) auf sich zieht.