Von den Gefahren des Exportüberschusses

Seit einiger Zeit weise ich auf diesem Blog darauf hin, dass die deutsche Wirtschaftspolitik das außenwirtschaftliche Gleichgewicht vernachlässigt und somit unser Land, aber auch unsere Wirtschaftspartner krisenanfälliger macht.
Ich freue mich, hier renommierte andere Stimmen zitieren zu können, die denselben Gedanken vertreten:

Jede Milliarde Außenhandelsüberschuss der Deutschen, die beim hiesigen Wachstum positiv zu Buche schlägt, stellt im Rest der Welt ein Minus beim Wachstum dar.
Die Welt insgesamt hat nichts davon, wenn ein Land durch Außenhandelsüberschüsse wächst, weil das automatisch zu Lasten der restlichen Länder geht.

So argumentieren Heiner Flassbeck und Friederike Spieker heute in einem Gastbeitrag für ZEIT online.

Sie argumentieren weiter:

Extrem gefährlich wird es zudem, wenn Deutschland nun auch noch den anderen Ländern in der EWU empfiehlt, die gleiche Droge zu nehmen. Das genau tut die Deutsche Bundesbank in ihrem Monatsbericht vom Juli.
Sie empfiehlt Ländern, deren Binnennachfrage bisher durchaus moderat gestiegen ist (von 2001 bis 2010 jährlich: Spanien 2,1 Prozent, Griechenland 2,3 Prozent, Frankreich 1,6 Prozent), die inländische Nachfrage zurückzufahren, ohne zugleich Deutschland aufzufordern, sein Wirtschaftsmodell total zu überholen und die stagnierende Binnennachfrage (0,2 Prozent) anzuregen. Damit sind Deflation und Stagnation in Europa vorprogrammiert. Nach der Krise liegt die europäische Inflationsrate unter dem Ziel von zwei Prozent, und weltweit droht Deflation. Eine Nachfrageschwächung in den Defizitländern durch staatliche Restriktion und einseitige Lohnkürzung kann daher nur zu einer noch stärkeren Zielverletzung führen.

Dazu möchte ich meinen Beitrag vom 1.9.2008 „Geschäft mit der Angst“ zitieren: „Die Bundesregierung verstößt seit Jahren gegen das Stabilitätsgesetz […]“

Hoffentlich hört man mehr auf die Stimmen von Flassbeck und Spieker, als man auf meine gehört hat.

Film von Ferguson zur Finanzkrise

Jetzt argumentiert auch W. Münchau in Spiegel online (22.2.12) gegen die Vorstellung, Exportweltmeister sei etwas Gutes.

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